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Zulassung ab 12 Jahren rückt näher
Corona-Impfung für Kinder im Sommer?

Dr. Michael Prinz berichtet zum einen von Eltern, die ihre Kinder so bald wie möglich impfen lassen wollen, zum anderen aber auch von einigen, die wegen möglicher Spätfolgen zurückhaltend sind.
  • Dr. Michael Prinz berichtet zum einen von Eltern, die ihre Kinder so bald wie möglich impfen lassen wollen, zum anderen aber auch von einigen, die wegen möglicher Spätfolgen zurückhaltend sind.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ap Siegen/Neunkirchen. Diese Nachricht dürfte nicht nur Eltern freuen: Biontech will am kommenden Mittwoch die Zulassung seines Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren beantragen. Bislang sind Impfstoffe in der EU erst ab 16 zugelassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass im Falle einer Zulassung eine erste Immunisierung spätestens in den Sommerferien stattfinden könnte. Wie dringend wir diesen Schritt in die neue (alte) Normalität und den (schulischen) Alltag brauchen, erklärte Dr. Michael Prinz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin im SZ-Interview.

Herr Prinz, der Biontech-Impfstoff könnte schon in ein paar Wochen ab zwölf Jahren zugelassen werden. Sind das durch Ihre Brille als Kinderarzt gesehen gute Nachrichten?

ap Siegen/Neunkirchen. Diese Nachricht dürfte nicht nur Eltern freuen: Biontech will am kommenden Mittwoch die Zulassung seines Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren beantragen. Bislang sind Impfstoffe in der EU erst ab 16 zugelassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass im Falle einer Zulassung eine erste Immunisierung spätestens in den Sommerferien stattfinden könnte. Wie dringend wir diesen Schritt in die neue (alte) Normalität und den (schulischen) Alltag brauchen, erklärte Dr. Michael Prinz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin im SZ-Interview.

Herr Prinz, der Biontech-Impfstoff könnte schon in ein paar Wochen ab zwölf Jahren zugelassen werden. Sind das durch Ihre Brille als Kinderarzt gesehen gute Nachrichten?
Generell ist diese Altersklasse eine sehr wichtige und unterschätzte Gruppe. Wir impfen schon seit einigen Wochen in Heimen und bei Priorisierungsgruppen ab 16 und hatten damit bislang überhaupt keine Probleme. Deshalb hätte ich nicht unbedingt Bedenken, den Impfstoff auch für Jüngere zuzulassen. Was man aber dazu sagen muss: Die Corona-Vakzine sind Notzulassungen und wir wissen nichts über mögliche Langzeitfolgen.

Denken Sie, dass viele Eltern dieses Risiko in Kauf nehmen werden?
Unheimlich viele haben schon jetzt in unserer Praxis angerufen und wollen auf eine Liste. Gleichzeitig gibt es aber auch einige, die wegen möglicher Spätfolgen eher zurückhaltend sind.

"Ich empfehle eine Impfung"

Was raten Sie diesen Patienten dann?
Ich empfehle eine Impfung, kann aber niemanden dazu zwingen. Das ist einzig und allein eine Entscheidung der Eltern und Jugendlichen. Egal, wie sie sich entscheiden – ich stehe immer hinter meinen Patienten und verstehe beide Seiten.

Auch die psychischen und körperlichen Effekte der Pandemie werden sich erst mit der Zeit zeigen. Gibt es Auswirkungen, die sich schon jetzt bei Kindern und Jugendlichen vermehrt beobachten lassen?
Ja, natürlich. Interaktionen, Rangeleien und Behauptungen auf dem Schulhof fehlen gänzlich. Es gibt weniger Infekte und Immunstimulationen, die Kinder eigentlich brauchen, um langfristig gesund zu bleiben. Zudem entwickeln viele Kinder Verhaltensauffälligkeiten und Ticks, wie zum Beispiel Schulterzucken oder Augenzwinkern. Im Nachgang werden Kinder- und Jugendpsychologen eine Menge Arbeit haben, denke ich.

Weniger Motivation für Bewegung

Macht sich auch der Wegfall von Schul- und Vereinssport allmählich bemerkbar?
Auch das ist ein großes Problem. Viele Kinder haben schon jetzt etwas an Fülle zugenommen und zeigen deutlich weniger Motivation, sich zu bewegen. Man kennt es ja von sich selbst: Wenn man einmal in diesem Trott ist, fällt es unheimlich schwer, sich wieder für Sport zu begeistern.

Das Robert-Koch-Institut beobachtet seit einigen Wochen, dass die Zahl der an Covid-19 erkrankten Kinder deutlich zugenommen hat. Können Sie auch das bestätigen?
Man muss dabei zwischen infiziert und krank unterscheiden. Ja, wir haben deutlich mehr positiv getestete Kinder, das ist richtig. Schwere Verläufe und Langzeitfolgen konnten wir in unserer Praxis aber bislang noch nicht beobachten.

Angenommen, die Zahl bleibt weiterhin niedrig, auch weil der Großteil der Eltern und Jugendlichen sich zu einer Impfung bereiterklärt: Ist es aus Ihrer Sicht realistisch, dass schon nach den Sommerferien wieder etwas mehr Normalität an den Schulen einkehrt?
Meiner Ansicht nach müssten bei einer Zulassung im Sommer die meisten Erwachsenen bereits geimpft sein. Wahrscheinlich wird es dann nach dem Ketchup-Prinzip ablaufen: Die ersten Impfungen gehen kleckerweise voran, dann aber kommt ein ganzer Schub. Nichtsdestotrotz bekommen die Kinder ihre zweite Impfung wahrscheinlich erst frühestens Ende August, Anfang September. Bis dahin dürfen sie weiterhin überhaupt nichts, was aus meiner Sicht eine echte Katastrophe ist. Die Kinder drehen ja jetzt schon am Rad. Da muss man dringend einen Kompromiss finden.

"Haben nicht viele Möglichkeiten"

Und wie könnte ein solcher Kompromiss aussehen?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Impfen oder testen. Ein Test muss aber vernünftig gemacht werden, damit er aussagekräftig ist und das ist teilweise bei Kindern ein Problem. Außerdem hat man dadurch nur einen Freifahrtschein für maximal 24 Stunden. Fakt ist: In dem Dilemma, in dem wir gerade stecken, haben wir nicht viele Möglichkeiten.

Ein funktionierendes und einheitliches Testverfahren an Schulen gibt es aber bis heute nicht. Woran liegt das?
Die Möglichkeit einer Testung gibt es seit Anfang 2020. Wenn andere Länder das können, wieso können wir es dann nicht? Das ist eine viel gestellte und durchaus berechtigte Frage. Ich denke, manche Entscheidungen sind von der Politik falsch getroffen worden. Aber das passiert – vor allem in einer solchen Ausnahmesituation. Eine frühere und intensivere Testung hätte vielleicht vieles verändern können. Aber im Nachhinein weiß man ja meist alles besser.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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