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Nur noch ein Intensivbett frei
Corona-Lage im Kreisklinikum Siegen kritisch

Dramatische Überlastung auf Deutschlands Intensivstationen. Auch das Kreisklinikum Siegen ist – sowohl strukturell als auch personell – mittlerweile an der Grenze des Leistbaren angelangt.
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  • Dramatische Überlastung auf Deutschlands Intensivstationen. Auch das Kreisklinikum Siegen ist – sowohl strukturell als auch personell – mittlerweile an der Grenze des Leistbaren angelangt.
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ap Weidenau. Die Corona-Zahlen steigen, die Situation auf den Intensivstationen spitzt sich weiter zu. Binnen eines Tages vermeldete das RKI am Donnerstag 294 neue Todesfälle und 29 426 Corona-Neuinfektionen. Davon müssen 4679 Covid-19-Erkrankte derzeit intensivmedizinisch behandelt werden. Die Zahl der freien Intensivbetten wird von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) mit 2944 angegeben – das entspricht 14,05 Prozent.
19 von 20 Intensivbetten im Kreisklinikum Siegen belegt
Auch das Kreisklinikum schlägt Alarm: 19 von 20 Intensivbetten sind in dem Siegener Krankenhaus belegt. Durch das extrem hohe Patientenaufkommen sei die Lage derzeit „kritisch“, wie Prof. Dr. Martin Zoremba auf SZ-Anfrage mitteilt.

ap Weidenau. Die Corona-Zahlen steigen, die Situation auf den Intensivstationen spitzt sich weiter zu. Binnen eines Tages vermeldete das RKI am Donnerstag 294 neue Todesfälle und 29 426 Corona-Neuinfektionen. Davon müssen 4679 Covid-19-Erkrankte derzeit intensivmedizinisch behandelt werden. Die Zahl der freien Intensivbetten wird von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) mit 2944 angegeben – das entspricht 14,05 Prozent.

19 von 20 Intensivbetten im Kreisklinikum Siegen belegt

Auch das Kreisklinikum schlägt Alarm: 19 von 20 Intensivbetten sind in dem Siegener Krankenhaus belegt. Durch das extrem hohe Patientenaufkommen sei die Lage derzeit „kritisch“, wie Prof. Dr. Martin Zoremba auf SZ-Anfrage mitteilt. „Wir müssen täglich mit unseren Kapazitäten jonglieren, um auch andere intensivpflichtige Patienten zu behandeln, die nicht an Corona erkrankt sind“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin. „Das ist alles ein hochdynamischer Prozess“, betont Zoremba. Denn die Aufnahme von 60 bis 70 Prozent der akut intensivpflichtigen Notfallpatienten aus der Region erschwerten die Arbeit zusätzlich.

Prof. Dr. Martin Zoremba, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin.
  • Prof. Dr. Martin Zoremba, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin.
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Dennoch sei die medizinische Versorgung aller Patienten bislang immer möglich gewesen. Auch könnten bei einer weiteren Verschärfung der Lage noch zehn weitere Intensivbetten bereitgestellt werden. „Aber jenseits der 20 Betten wird die Behandlungsqualität immer schlechter“, warnt der Klinikarzt. Deshalb überführe man verlegungsfähige Patienten in andere Kliniken, die (noch) freie Kapazitäten haben – zum Beispiel nach Köln oder Gießen. In der Region sei das mit dem „Bäumchen-wechsel-dich-Spiel“ hingegen eher problematisch: „Bis auf das Marien-Krankenhaus ist in der Region keiner bereit, Covid-19-Patienten aufzunehmen“, kritisiert Zoremba.

Ein Intensivpatient wird bis zu vier Wochen therapiert

Allein in der zweiten Welle habe man im Kreisklinikum knapp 100 beatmungspflichtige Covid-19-Patienten und 500 Erkrankte auf der Normalstation behandelt. „Nur wir allein haben das geleistet“, betont der Chefarzt. Momentan würden im Kreisklinikum zehn Corona-Patienten auf der Intensivstation und 16 Patienten, die „nur“ Sauerstoff benötigen, auf der Isolierstation medizinisch betreut.
Betroffen seien zunehmend jüngere Patienten – vorrangig im Alter zwischen 45 und 65 Jahren. Und auch die Mutationen tragen ihren Teil zur Negativentwicklung bei: Insbesondere bei der mittlerweile vorherrschenden B.1.1.7.-Variante sei sowohl der Intensivverlauf als auch die potenzielle Übertragungsdauer des Virus deutlich länger, so der Mediziner. Im Schnitt werde ein Intensivpatient drei bis vier Wochen therapiert. „Das bindet unsere Ressourcen zusätzlich“, sagt Zoremba.

Diese Situation sei für ihn und seine Kollegen „extrem anstrengend“: „Wir arbeiten seit zwölf Monaten am Limit, um die Versorgung für den Kreis zu gewährleisten“, so der Mediziner. Schlafstörungen sowie körperliche und psychische Überlastungserscheinungen seien die Folge.
All das wäre aus seiner Sicht vermeidbar gewesen. „Wir brauchen auch keinen Lockdown, wenn sich die Unvernünftigen einfach mal vier Wochen zusammenreißen“, betont der Klinikarzt. Für ihn und seine Kollegen, die an vorderster Front stehen und die Pandemie zu bekämpfen versuchen, sei das Verhalten (zu) vieler Menschen ein Schlag ins Gesicht.

„Ich appelliere an jeden, die Kontaktbeschränkungen ernst zu nehmen, da wir ansonsten bald an dem Punkt sind, Menschen nicht adäquat behandeln zu können“, findet Zoremba klare Worte. Denn theoretisch könne jeder von der Situation betroffen sein – auch ohne Corona.

98 Patienten in der Klinik

  • Derzeit müssen 72 Personen aus Siegen-Wittgenstein in einem Krankenhaus behandelt werden, elf davon intensivpflichtig.
  • Dazu kommen 26 Covid-19-Patienten von außerhalb des Kreisgebiets, die in hiesigen Kliniken behandelt werden, drei davon ebenfalls auf der Intensivstation.
Dramatische Überlastung auf Deutschlands Intensivstationen. Auch das Kreisklinikum Siegen ist – sowohl strukturell als auch personell – mittlerweile an der Grenze des Leistbaren angelangt.
Prof. Dr. Martin Zoremba, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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