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IHK-Konjunkturbericht zeigt gespaltene Wirtschaft
Corona-Leid ungleich verteilt

Gespalten: Gastronomie und Einzelhandel darben, in der Industrie darf dagegen fleißig gearbeitet werden, auch im Bausektor gibt es einen regelrechten Boom.
  • Gespalten: Gastronomie und Einzelhandel darben, in der Industrie darf dagegen fleißig gearbeitet werden, auch im Bausektor gibt es einen regelrechten Boom.
  • Foto: rt/Pixabay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sabe Siegen/Olpe. Die einen leiden, bei den anderen läuft es. Corona ist ein Ungleich-Virus. Wie eng Glanz und Elend beieinanderliegen, zeigt der aktuelle Konjunkturbericht der IHK Siegen. „Wir sehen eine konjunkturelle Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die einen kommen immer besser durch, bei den anderen liegen die Nerven blank.“ Felix Hensel, IHK-Präsident, und Klaus Gräbener, Hauptgeschäftführer, machten am Montag kein Geheimnis um das zweischneidige Schwert der Konjunkturprognosen. Es waren, wie erwartet, keine guten Nachrichten für alle Branchen dabei, die seit mehr als einem Jahr nicht oder nur kaum arbeiten dürfen.

sabe Siegen/Olpe. Die einen leiden, bei den anderen läuft es. Corona ist ein Ungleich-Virus. Wie eng Glanz und Elend beieinanderliegen, zeigt der aktuelle Konjunkturbericht der IHK Siegen. „Wir sehen eine konjunkturelle Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die einen kommen immer besser durch, bei den anderen liegen die Nerven blank.“ Felix Hensel, IHK-Präsident, und Klaus Gräbener, Hauptgeschäftführer, machten am Montag kein Geheimnis um das zweischneidige Schwert der Konjunkturprognosen. Es waren, wie erwartet, keine guten Nachrichten für alle Branchen dabei, die seit mehr als einem Jahr nicht oder nur kaum arbeiten dürfen.

Sorgenkind Gastronomie

Da wäre die Gastronomie, zu deren Lage Gräbener sagt: „Schlechter geht es nicht“, während die Tortendiagramme zur Zahlen- und Faktenlage den Teufel an die Wand malen. Neun von zehn Gastronomen bewerten ihre Geschäftslage als schlecht, der Blick in die Zukunft bleibt gleichsam düster. Nur 16 Prozent erwarten in den kommenden Monaten ein besseres Geschäft. 64 Prozent gehen weiterhin von schlechten Umsätzen aus. „Das sind unterirdische Werte. Zahlreiche Unternehmen kämpfen ohne wirkliche Perspektive um das nackte Überleben.“ Etliche von ihnen glaubten nicht mehr daran, dass bei ihnen nach der Krise die Lichter wieder angehen.

Im Einzelhandel dagegen gibt es einzelne Corona-Gewinner zwischen den Verlierern. Sechs von zehn Händlern bewerten ihre Lage als schlecht, ein Fünftel als gut. Während der Lebensmittel-Sektor als krisensicher gilt, sorgen die Segmente Mode und Bekleidung für großen Unmut. „Das Gesicht unserer Innenstädte“, liefert Gräbener traurige Prognosen, „wird sich stark verändern“.

Konjunkturklima deutlich verbessert

Im konjunkturellen Gesamtbild spielen die gebeutelten Branchen nur eine kleine Rolle. In der Industrie und dem produzierenden Gewerbe wurde und wird, abgesehen vom ersten Lockdown im Frühjahr 2020, durchgehend gearbeitet. Das schlägt sich in Zahlen und Zufriedenheit nieder. Der allgemeine Konjunkturklimaindex – aus Lagebeurteilung und Erwartung – steigt um 18 Punkte auf 118, der höchste Stand seit Januar 2019.

39 Prozent der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe berichten von einer guten und 20 von einer schlechten Lage. Der Lagesaldo verbessert sich damit um 19 Punkte. Ebenfalls deutlich verbessert haben sich die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate (+ 18 Punkte). Hensel: „Seit dem konjunkturellen Tiefpunkt vor einem Jahr klettert der Klimaindex der heimischen Wirtschaft um mehr als 50 Punkte. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung.“

Boom im Bausektor und in der Industrie

Dieser Zustand speist sich aus dem Boom im Bausektor, im Großhandel, in Teilen des Dienstleistungsgewerbes und auch in großen Teilen der Industrie. Die Baubranche zeigt sich unbeeindruckt von der Corona-Krise. So gut wie alle der befragten Baubetriebe hätten eine gute oder befriedigende Geschäftslage angegeben, sagt Stephan Häger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik. Acht von zehn Unternehmen meldeten einen Auslastungsgrad von über 70 Prozent. Davon profitieren die Großhändler. 60 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, 6 Prozent als schlecht.

Ähnlicher Aufwind in der Industrie. 39 Prozent der Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft, 13 sind hingegen pessimistisch. Die Auftragseingänge hätten spürbar angezogen. Gräbener: „Weit überwiegend brummt es in unserer Industrie wieder. Die Auslastung ist deutlich gewachsen, die Exporterwartungen sind so optimistisch wie seit drei Jahren nicht mehr.“

"Der gerade auf Touren kommende Konjunkturmotor droht bald zu stottern."
- Felix Hensel, IHK-Präsident

Zur Unzeit ziehen von anderer Seite dunkle Wolken auf: hohe Energie- und Rohstoffpreisen sowie Vormaterialkosten. Die Materialverfügbarkeit entwickle sich zum Flaschenhals, drei Viertel der Industrieunternehmen klagten aktuell über Lieferengpässe, 93 Prozent meldeten steigende Vormaterialkosten. Hensel: „Das sind historisch hohe Werte. Der gerade auf Touren kommende Konjunkturmotor droht bald zu stottern.“ 94 Prozent der Unternehmen beklagen verknapptes Material. Für 61 Prozent ist die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten ursächlich für die akute Problemlage, für zwei Fünftel sind es Lieferengpässe durch Logistik, Zoll und Transportwege. Es habe dadurch schon Kurzarbeit gegeben.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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