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Interview mit Landrat Andreas Müller und Dr. Christoph Grabe
"Corona-Müdigkeit macht sich breit"

Die Entscheidungen, die in der Corona-Pandemie im Kreishaus gefällt wurden, waren sicherlich nicht immer ganz so einfach.
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ch/juka Siegen/Bad Berleburg. Was für Zeiten: Wir sind am Beginn der dritten Welle. Keiner weiß, ob sie heranplätschert oder ob sie über uns hereinbricht. Wir sind mitten im Lockdown, die Einschränkungen werden nur nach und nach gelockert. Dabei sehnen sich die meisten einfach nur nach Normalität im Alltag. Die wird so schnell nicht einkehren. „Die Geduldsprobe dauert an“, so Siegen-Wittgensteins Landrat Andreas Müller (SPD). Die SZ sprach mit ihm und Gesundheitsamts-Chef Dr. Christoph Grabe über ein Jahr Pandemie.

Über 7000 Corona-Fälle und 120 Tote hat der Kreis Siegen-Wittgenstein mittlerweile zu verzeichnen. Wie ist der Kreis Ihrer Meinung nach bislang durch die Krise gekommen?
Andreas Müller: Insgesamt sind wir gut durch die Pandemie gekommen.

ch/juka Siegen/Bad Berleburg. Was für Zeiten: Wir sind am Beginn der dritten Welle. Keiner weiß, ob sie heranplätschert oder ob sie über uns hereinbricht. Wir sind mitten im Lockdown, die Einschränkungen werden nur nach und nach gelockert. Dabei sehnen sich die meisten einfach nur nach Normalität im Alltag. Die wird so schnell nicht einkehren. „Die Geduldsprobe dauert an“, so Siegen-Wittgensteins Landrat Andreas Müller (SPD). Die SZ sprach mit ihm und Gesundheitsamts-Chef Dr. Christoph Grabe über ein Jahr Pandemie.

Über 7000 Corona-Fälle und 120 Tote hat der Kreis Siegen-Wittgenstein mittlerweile zu verzeichnen. Wie ist der Kreis Ihrer Meinung nach bislang durch die Krise gekommen?
Andreas Müller: Insgesamt sind wir gut durch die Pandemie gekommen. Die Leute haben sich größtenteils an die Vorgaben gehalten und gut mitgezogen. Auch die Inzidenz ist nie völlig durch die Decke gegangen. Dabei muss man aber auch immer bedenken, dass wir ein Oberzentrum sind, der Aspekt spielt da mit rein. Was das betrifft, haben wir die Situation also bisher gut bewältigt. Wir müssen nur aufpassen, dass wir des Themas nicht überdrüssig werden. Eine Corona-Müdigkeit macht sich breit, mit jedem Tag, den diese Pandemie andauert.
Dr. Christoph Grabe: Die Fallzahlen und die Inzidenzwerte zeigen ganz deutlich ein Stadt-Land-Gefälle, wie im ganzen Land im Übrigen. Mehr Corona-Fälle bezogen auf das Oberzentrum Siegen sind der Preis dafür, Großstadt zu sein. Wo viele Menschen leben und sich bewegen, ist die Ansteckungsgefahr eben größer. Umso wichtiger ist es, sich an die AHA-Regeln und die Maskenpflicht zu erinnern.

Landrat Andreas Müller bescheinigt den Menschen in der Region Siegen-Wittgenstein, dass sie sich größtenteils an die Vorgaben gehalten und gut mitgezogen haben.
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Gesundheitsminister Jens Spahn hatte am Anfang der Pandemie gesagt, dass wir uns alle irgendwann wahrscheinlich viel verzeihen müssen. Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?
Müller: Insgesamt haben die Vorkehrungen, wie beispielsweise die Konzentration auf das Weidenauer Kreisklinikum mit seiner Isolier- bzw. mit seiner Intensivstation bei der Versorgung von Corona-Patienten, gut funktioniert. Das Krisenmanagement und die Kommunikation haben funktioniert, über Gemeindegrenzen hinweg mit allen Rathäusern, Krankenhäusern, Verbänden und anderen Akteuren. Wir wollten immer so vorsichtig sein, den Menschen nichts zu versprechen, was wir nicht halten können. Das war uns immer wichtig.

Herr Grabe, neben den Inzidenzwerten wird auch oft darüber geredet, wie die Kontaktverfolgung in den Gesundheitsämtern möglich ist. Wie ist die aktuelle Situation in Siegen-Wittgenstein?
Grabe: Das war und ist eine Menge Arbeit. In der ersten Welle hatten wir 13 Fälle pro Tag, diese Zahl ist auf dem Höhepunkt der zweiten Welle auf über 120 Fälle geschnellt. Wir schaffen im Zweischichtbetrieb an sieben Tagen die Woche einen sehr großen Anteil, sind aber natürlich immer darauf angewiesen, wie ehrlich die Menschen zu uns sind, wenn es um Kontaktpersonen geht. Man kann zudem nicht pauschal sagen, dass es ab einer Inzidenz von 50 nicht möglich ist, Kontakte zu verfolgen. Es kommt immer darauf an, ob es sich um ein diffuses Infektionsgeschehen handelt.

Themenwechsel: Hat der Impfstoff von AstraZeneca auch in Siegen-Wittgenstein noch immer ein Image-Problem?
Müller: Zwei Wochen lang haben wir das schon gemerkt, auch wenn es an Zahlen schwierig festzumachen ist. Es hat aber ein paar Verschiebungen gegeben. Das Image-Problem ist aber mittlerweile in den Hintergrund geraten.
Grabe: Bei der Kommunikation ist auch einiges unglücklich rübergekommen.

Dr. Christoph Grabe und seine Mitarbeiter vom Gesundheitsamt arbeiten im Zwei-Schichtbetrieb an sieben Tagen in der Woche.
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Herr Müller, würden Sie sich auch mit AstraZeneca impfen lassen, wenn Sie in der Impfreihenfolge dran wären?
Müller: Ja, klar.

Es gab dicke Diskussionen um junge Bürgermeister und Landräte, die sich haben impfen lassen. Wie stehen Sie dazu?
Müller: Vorweg: Ich bin noch nicht geimpft. Ich kann das Verhalten nicht verstehen. Das ist für mich ein Vordrängeln. Wenn ich angerufen werden sollte, weil beispielsweise Impfdosen übrig geblieben sind und bald verfallen, würde ich mein Telefonbuch durchgehen und sofort entsprechende berechtigte Personen heraussuchen.

Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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