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Psychotherapeutin Nina Aulmann im Gespräch
Corona-Pandemie: Sorge um eine ganze Generation

Kinder und Jugendliche sind besonders durch die Schul- und Kitaschließungen von der Pandemie betroffen. Jedoch auch die fehlenden Freizeit- und Spielmöglichkeiten wirken sich auf die Psyche der Jüngsten aus.
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  • Kinder und Jugendliche sind besonders durch die Schul- und Kitaschließungen von der Pandemie betroffen. Jedoch auch die fehlenden Freizeit- und Spielmöglichkeiten wirken sich auf die Psyche der Jüngsten aus.
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gro Siegen. Kontaktverbote, geschlossene Kitas, Homeschooling, gesperrte Spielplätze und der Wegfall von Freizeitaktivitäten: Das Coronavirus hat den sozialen Alltag in Deutschland für viele Menschen drastisch verändert. Besonders hart betroffen von den Einschränkungen sind Kinder und Jugendliche. Statt mit Fußballtraining wird der Nachmittag nun oft mit Chips und Cola vor der Spielekonsole verbracht – mit der Folge, dass insbesondere die Jüngsten immer mehr von psychischen und psychosomatischen Auffälligkeiten betroffen sind. Kein Wunder, dass auch die hiesigen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ein erhöhtes Patientenaufkommen bemerken.
Psychotherapeutin Nina Aulmann sieht "enormen Zuwachs"
Eine von ihnen ist Diplom-Sozialpädagogin Nina Aulmann.

gro Siegen. Kontaktverbote, geschlossene Kitas, Homeschooling, gesperrte Spielplätze und der Wegfall von Freizeitaktivitäten: Das Coronavirus hat den sozialen Alltag in Deutschland für viele Menschen drastisch verändert. Besonders hart betroffen von den Einschränkungen sind Kinder und Jugendliche. Statt mit Fußballtraining wird der Nachmittag nun oft mit Chips und Cola vor der Spielekonsole verbracht – mit der Folge, dass insbesondere die Jüngsten immer mehr von psychischen und psychosomatischen Auffälligkeiten betroffen sind. Kein Wunder, dass auch die hiesigen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ein erhöhtes Patientenaufkommen bemerken.

Psychotherapeutin Nina Aulmann sieht "enormen Zuwachs"

Eine von ihnen ist Diplom-Sozialpädagogin Nina Aulmann. In ihrer Praxis im Zentrum von Siegen beschäftigt sie sich fast täglich mit Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre. Die Kinder und Jugendpsychotherapeutin bemerkt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Pandemie und der immer schlimmer werdenden psychischen Verfassung vieler junger Patienten. In den vergangenen Monaten habe sie besonders viele Ersttermine vergeben müssen. „Ich bemerke einen enormen Zuwachs an neuen Patienten. Gerade Jugendliche finden immer häufiger den Weg in meine Praxis“, so Nina Aulmann.

Nina Aulmann arbeitet in ihrer eigenen Praxis mit Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre.

Es sei allgemein bekannt, dass man zurzeit bei allen Psychotherapeuten mit langen Wartezeiten rechnen müsse. „Vielen fehlt seit Monaten ein normaler Tagesablauf. Durch den Wegfall des Präsenzunterrichts haben vor allem die Jugendlichen oft keine Struktur mehr“, betont die Expertin und sagt weiter: „Oft muss zunächst bei den Eltern eine Veränderung passieren. Man sollte trotz der schwierigen Situation versuchen, den Kindern eine Tagesstruktur zu geben. Beispielsweise bestimmte Aufsteh- oder Essenszeiten festlegen.“

Bestimmte Altersklassen kann die Therapeutin jedoch nicht hervorheben. Denn diese würden ganz unterschiedlich unter der Situation leiden. „Kleinere Kinder weisen ein zunehmend aggressiveres Verhalten auf. Auch ist bei ihnen eine Gewichtszunahme typisch“, so die Therapeutin. Bei den Älteren sähe dies anders aus. „Jugendliche reagieren anders als Kinder. Sie verfallen zunehmend in eine depressive Haltung. Antriebslosigkeit kann ich hier beispielsweise ganz oft beobachten“, sagt Aulmann. Die größere Gefahr sehe sie auf Dauer jedoch bei den Jugendlichen. „Kleine Kinder können sich besser adaptieren. Sie gewöhnen sich viel schneller an ungewohnte Situationen als Jugendliche“, betont die Psychotherapeutin.

Masken für Kinder keine Gefährdung

Dementsprechend sehe sie auch bei den Masken keine große Gefährdung. Gerade in der jüngeren Vergangenheit berichten viele Eltern von fremdelnden Kindern. Schuld seien die Masken und die fehlenden sozialen Kontakte, heißt es dann. Das bewertet Aulmann anders: „Fremdeln gehört dazu, und ist in einer gewissen Phase vollkommen normal.“ Auch hier sei wieder wichtig, wie die Eltern mit der Masken-Situation umgehen würden. Sie rät allen Eltern, die Masken nicht zu präsent erscheinen zu lassen.

Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin hofft auf ein Ende der Pandemie, denn sonst könnten die Folgen aus ihrer Sicht noch drastischer werden. „Wenn wir bald wieder in ein normales Leben zurückfinden, glaube ich, dass die psychische Situation vieler Kinder und Jugendlicher sich schnell verbessern wird“, so die Expertin. Anders sähe es aus, wenn die Pandemie noch ein bis zwei Jahre anhalten würde. „Zurzeit würde ich definitiv nicht von einem kollektiven Kindheitstrauma sprechen“, so Aulmann. „Aber dies könnte durchaus passieren, wenn wir noch Monate in einem harten Lockdown bleiben würden.

Kinder und Jugendliche sind besonders durch die Schul- und Kitaschließungen von der Pandemie betroffen. Jedoch auch die fehlenden Freizeit- und Spielmöglichkeiten wirken sich auf die Psyche der Jüngsten aus.
Nina Aulmann arbeitet in ihrer eigenen Praxis mit Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre.
Autor:

Sarah Groos

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