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Kritik am Gesundheitsamt
Corona-Patientin genesen und vergessen?

Für einen Corona-Antikörpertest wird Blut abgenommen. Als amtlicher Beleg für eine überstandene Covid-19-Infektion gilt er jedoch nicht.
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  • Für einen Corona-Antikörpertest wird Blut abgenommen. Als amtlicher Beleg für eine überstandene Covid-19-Infektion gilt er jedoch nicht.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

gro Niederschelden. Wer geimpft, genesen oder negativ getestet worden ist, erhält seit einiger Zeit wieder mehr Freiheiten. Die Freude ist groß – zumindest beim Großteil der Bevölkerung. Aber was passiert mit den Menschen, die um ihre Infektion wissen, aber erst nachträglich auf Antikörper getestet wurden? Eine von ihnen ist Adelina Sanchez-Torente aus Niederschelden. Die 62-Jährige fühlt sich von der Politik vergessen. Denn als genesen gilt man nur, wenn man einen positiven Test mit Nukleinsäurenachweis vorzeigen kann (zum Beispiel PCR). Ein Antikörpertest hingegen reicht laut Gesundheitsminister Jens Spahn ausdrücklich nicht aus.

Hintergrund ist die Abnahme der nachweisbaren Antikörper mit der Zeit.

gro Niederschelden. Wer geimpft, genesen oder negativ getestet worden ist, erhält seit einiger Zeit wieder mehr Freiheiten. Die Freude ist groß – zumindest beim Großteil der Bevölkerung. Aber was passiert mit den Menschen, die um ihre Infektion wissen, aber erst nachträglich auf Antikörper getestet wurden? Eine von ihnen ist Adelina Sanchez-Torente aus Niederschelden. Die 62-Jährige fühlt sich von der Politik vergessen. Denn als genesen gilt man nur, wenn man einen positiven Test mit Nukleinsäurenachweis vorzeigen kann (zum Beispiel PCR). Ein Antikörpertest hingegen reicht laut Gesundheitsminister Jens Spahn ausdrücklich nicht aus.

Hintergrund ist die Abnahme der nachweisbaren Antikörper mit der Zeit. Erkrankte, die keinen PCR-Test vorzeigen können, wie die Niederscheldenerin, gelten deshalb weder als genesen, noch sollten sie sich in den nächsten sechs Monaten impfen lassen.

Adelina Sanchez-Torente hat in den vergangenen Monaten viel mitgemacht. Zunächst erkrankte Ende März ihr Mann schwer an einer Corona-Infektion. Noch bevor dieser am 1. April im Krankenhaus positiv getestet wurde, ging es ihr selbst schlecht. Sie klagte über Müdigkeit, Kopfschmerzen, Husten und Konzentrationsprobleme. Sofort begab sie sich in Selbstquarantäne.

"Ich kenne meinen Körper, ich wusste direkt, dass etwas nicht stimmt."
Adelina Sanchez-Torente
musste lange auf einen Test warten

In dieser Zeit fühlte sie sich vom Gesundheitsamt schlichtweg vergessen. Die Behörde habe sich zwar nach zwei Tagen bei ihrer Tochter gemeldet, Daten ihrer Kontakte oder andere Informationen wollte jedoch niemand wissen, hat die gebürtige Spanierin in guter Erinnerung. Auch einen PCR-Test habe die 62-Jährige nicht direkt angeboten bekommen. „Ich kenne meinen Körper, ich wusste direkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt sie gegenüber der SZ und betont weiter: „Ich musste sieben Tage warten, bis das Gesundheitsamt mir einen Testtermin organisiert hat.“

Der Test, der letztendlich am 7. April durchgeführt wurde, fiel negativ aus. „Mein Mann, der mittlerweile schon längere Zeit im Krankenhaus lag, wurde einen Tag später, am 8. April, ebenfalls negativ getestet und galt somit als genesen“, erinnert sich die Niederscheldenerin.

Keine Impfung vor September

Für Adelina Sanchez-Torente war klar, dass sie zum Zeitpunkt des Abstrichs die Infektion ebenfalls bereits überstanden hatte und der Test daher nicht mehr aussagekräftig war. Nachweisen konnte sie dies allerdings zunächst nicht. Erst als sie Ende April ein Impfangebot bekam, wollte sie es genau wissen.

Die Niederscheldenerin vereinbarte einen Termin für einen Antikörpertest. „Als das Ergebnis feststand, war ich nicht überrascht. Denn laut Test war ich in der Vergangenheit an Corona erkrankt“, so die gebürtige Spanierin. Wie viele andere gilt sie jetzt nicht als genesen, darf sich allerdings auch bis September nicht impfen lassen. „Ich respektiere dies, wenn das Gesetz eben so ist, aber ich sehe die Schuld ganz klar beim Gesundheitsamt“, betont Adelina Sanchez-Torente. Die gebürtige Spanierin hofft jetzt, angesichts der sinkenden Inzidenzen auch ohne Impfung und Genesenen-Nachweis mehr Freiheiten zu bekommen.

Gesundheitsamt bezieht Stellung

Das Kreisgesundheitsamt äußerte sich ebenfalls zu dem Fall der Niederscheldenerin. Es bestätigte den Abstand von sieben Tagen zwischen dem positiven Testergebnis des Mannes und dem Testtermin von Adelina Sanchez-Torente. Man dürfte jedoch nicht vergessen, dass Ostern auch der Zeitpunkt mit den höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen während der gesamten bisherigen Pandemie in Siegen-Wittgenstein gewesen sei.

Adelina Sanchez-Torente fühlt sich vergessen.

Aufgabe und höchste Priorität des Gesundheitsamtes sei es während der ganzen Pandemie und bis heute, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Das geschehe in allererster Linie dadurch, dass enge Kontaktpersonen von Infizierten unter Quarantäne gestellt werden. Im Falle von Adelina Sanchez-Torente sei dies innerhalb von 48 Stunden, am 3. April, also an Karsamstag, geschehen.

Aufgrund der enormen Zahl von Infizierten und Kontaktpersonen in dieser höchsten Phase der Pandemie sei ein Test nicht vor dem 7. April möglich gewesen. Dieser sei jedoch auch negativ ausgefallen, sodass aus Sicht des Kreisgesundheitsamtes keine weiteren Maßnahmen erforderlich waren.

Test soll zu unzuverlässig sein

Der spätere Antikörpertest sei zudem kein Beleg dafür, dass Adelina Sanchez-Torente tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert war. Dieser Test werde in Deutschland nicht anerkannt, weil er zu unzuverlässig sei und zu viele falsch positive Ergebnisse hervorbringe. Ob Sanchez-Torente daher tatsächlich infiziert war, lässt sich laut Kreisgesundheitsamt deshalb aktuell nicht eindeutig klären.
Zudem bestehe das Interesse an einem PCR-Test erst, seitdem die Bundesregierung Genesene mit vollständig Geimpften und negativ Getesteten gleichsetze. Dies sei jedoch nicht die eigentliche Aufgabe des Gesundheitsamts.

Für einen Corona-Antikörpertest wird Blut abgenommen. Als amtlicher Beleg für eine überstandene Covid-19-Infektion gilt er jedoch nicht.
Adelina Sanchez-Torente fühlt sich vergessen.
Autor:

Sarah Groos

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