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Bis die Tränen kommen
Corona-Selbsttest - das muss man wissen

Acht Tröpfchen fallen aus der kleinen Ampulle in ein Röhrchen. Dann heißt es: Zähne zusammenbeißen. Das Teststäbchen muss tief in beide Nasenlöcher geschoben werden – bis die Tränen kommen. Immerhin lohnt sich der Aufwand in diesem Fall: Das Ergebnis bei unserem Test ist negativ.
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  • Acht Tröpfchen fallen aus der kleinen Ampulle in ein Röhrchen. Dann heißt es: Zähne zusammenbeißen. Das Teststäbchen muss tief in beide Nasenlöcher geschoben werden – bis die Tränen kommen. Immerhin lohnt sich der Aufwand in diesem Fall: Das Ergebnis bei unserem Test ist negativ.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

ap Siegen. Bislang durften Corona-Tests nur von geschultem Personal durchgeführt werden. Nun kann sich jeder per Nasenabstrich selbst zu Hause testen. „Solche Tests sind nur begrenzt aussagekräftig“, warnt der Geisweider Allgemeinmediziner Dr. Michael Klock. Dr. Christof Werner, Vorsitzender der Bezirksgruppe Siegen-Wittgenstein im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), findet hingegen: „Das ist eine wichtige Ergänzung der bisherigen Teststrategie und gibt den Bürgern etwas mehr Sicherheit.“ Doch wie läuft eine heimische Testung eigentlich ab und was gibt es dabei zu beachten? Die SZ hat die wichtigsten Aspekte zusammengetragen und Redakteur Pascal Mlyniec hat den (Selbst-)Versuch gewagt.

Wie funktionieren die Selbsttests?

ap Siegen. Bislang durften Corona-Tests nur von geschultem Personal durchgeführt werden. Nun kann sich jeder per Nasenabstrich selbst zu Hause testen. „Solche Tests sind nur begrenzt aussagekräftig“, warnt der Geisweider Allgemeinmediziner Dr. Michael Klock. Dr. Christof Werner, Vorsitzender der Bezirksgruppe Siegen-Wittgenstein im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), findet hingegen: „Das ist eine wichtige Ergänzung der bisherigen Teststrategie und gibt den Bürgern etwas mehr Sicherheit.“ Doch wie läuft eine heimische Testung eigentlich ab und was gibt es dabei zu beachten? Die SZ hat die wichtigsten Aspekte zusammengetragen und Redakteur Pascal Mlyniec hat den (Selbst-)Versuch gewagt.

Wie funktionieren die Selbsttests?
Bei den Selbsttests handelt es sich um sogenannte Antigen-Schnelltests. Während bei PCR-Tests in Laboren das Erbgut des Virus nachgewiesen wird, werden bei Antigen-Tests die Oberflächen der Viren erkannt. „Sie testen nur, ob überhaupt eine Viruslast vorliegt“, erklärt Klock. Eine niedrige Viruslast könne mit solchen Tests häufig gar nicht nachgewiesen werden. So könnten auch negative Ergebnisse entstehen, obwohl eine leichte Infektion vorliegt.

Wie wird ein Selbsttest durchgeführt?
Die Proben werden durch einen Abstrich mit einem Stäbchen oder Tupfer im vorderen Nasenbereich entnommen. Dort allerdings sei die Viruskonzentration meist deutlich niedriger als bei einer Materialprobe, die geschultes Fachpersonal aus dem Nasen-Rachen-Raum entnehme, kritisiert der Apothekerverband. Zudem sei eine korrekte Anwendung wichtig, damit das Ergebnis zuverlässig ist, betont Werner. Klock warnt zudem vor einer „großen Verletzungsgefahr“ beim Selbsttesten.

Wo erhält man einen Test?
Zu kaufen gibt es die Selbsttests in Apotheken, aber auch online. Weil das Bundesinstitut für Medizinprodukte (BfArM) bislang aber nur Tests von drei Herstellern zur Eigenanwendung zugelassen hat, könne es zunächst zu Lieferengpässen kommen, merkt der AVWL-Vorsitzende an. Rund 50 weitere Hersteller haben aber Anträge auf Sonderzulassung gestellt und würden nach und nach eine Zulassung bekommen. Werner appelliert dennoch, mit den (jetzt noch knappen) Tests verantwortungsbewusst umzugehen und sich nur vor bestimmten Anlässen zu testen.

Was kostet der Test?
Der Preis der Laien-Tests liegt meist zwischen 10 und 15 Euro. Vor wenigen Tagen hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass Verbraucher die Selbsttests für nur einen Euro Zuzahlung erhalten sollen. Spahn kündigte außerdem an, dass sich ab 1. März alle Bürger kostenlos von geschultem Personal mit Profitests testen lassen können – etwa in Apotheken oder Testzentren. Diese Ankündigungen musste Spahn jedoch zurückziehen. Darüber soll nun erst bei den nächsten Bund-Länder-Beratungen in der kommenden Woche gesprochen werden. „Das ist schon ein großer Aufwand für die Apotheken und Praxen“, äußert Klock seine Bedenken. „Da hat man ja nichts anderes mehr zu tun. Ich halte das Vorhaben schon für sportlich.“

Wie sicher sind die Tests in Eigenregie?
Auch wenn PCR-Tests, die in Laboren durchgeführt werden, am sichersten arbeiten, haben die neuen Schnelltests eine gute Quote: Der zugelassene Test von Siemens Healthineers etwa kommt auf eine Sensitivität von 97 Prozent, die Zuverlässigkeit der beiden chinesischen Hersteller Technomed/Xiamen Boson und Lissner/Hangzhou Laihe liegt bei rund 96 Prozent. Immer vorausgesetzt: die richtige Anwendung.

Negativ-Ergebnis: Wie lange ist es gültig?
„Ein negatives Testergebnis ist eine Momentaufnahme“, mahnt Werner. „Das heißt nicht, dass man nicht infektiös ist“, erklärt er – dies könne deshalb zu gefährlichem Leichtsinn führen. „Das kann heute so sein und morgen ganz anders ausfallen.“ Um sicher zu gehen, müsse man sich jeden Tag aufs Neue testen. Und: Die Grundregeln der Abstandshaltung und das Tragen einer Maske müssten trotzdem eingehalten werden. „Und auch die Impfungen bieten wahrscheinlich einen Übertragungsschutz. Auch die von AstraZeneca“, so Klock.

Was tun bei positivem Testergebnis?
Bei einem Positivtest sollte man das Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigen lassen, heißt es seitens des Bundesgesundheitsministeriums. Zudem solle man „sich vorsichtshalber solange zu Hause in Quarantäne begeben, bis das Ergebnis vorliegt“. Aber wer wolle das überprüfen, fragt Klock. „Was macht denn der, der sich selbst positiv testet? Meldet er es wirklich? Oder lässt er es einfach unter den Tisch fallen?“

Richtig gemacht? Einen Schnelltest zu bekommen, war kein Problem. In einer Siegener Apotheke für 8,95 Euro erhältlich, wanderte ein kleiner weiß-blauer Karton in meine Hände. Mit dabei: eine mehrseitige Schritt-für-Schritt-Anleitung in deutscher Sprache, weil in der Verpackung nur englisch „gesprochen“ wird. Los geht’s: Der Anfang ist einfach, acht Tropfen einer klaren Flüssigkeit fallen aus einer kleinen Ampulle in ein Röhrchen. Schwierig wird es danach. Das Teststäbchen muss zweieinhalb Zentimeter tief in beide Nasenlöcher geschoben werden. Ich schiebe und drehe und tupfe, bis es nicht mehr weiter geht und die Augen tränen. So war es bei meinen beiden zuvor professionell durchgeführten Schnelltests auch. Kann also richtig sein, muss es aber nicht. Die weiteren Schritte sind wieder simpel, die Wartezeit auf ein Ergebnis verfliegt schnell. „Negativ“ – zeigt zumindest der Test durch einen Strich auf Höhe des Buchstabens „C“. Erleichterung stellt sich aber nicht ein. Vielmehr bleibt die Frage: Habe ich alles richtig gemacht? pm
Autor:

Alexandra Pfeifer

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