Arbeitslosigkeit steigt nur leicht
Corona sorgt für Rekordwerte bei Kurzarbeit

Ein paar Funken der Hoffnung werden aktuell hinsichtlich der Situation auf dem Arbeitsmarkt verzeichnet - die Corona-Krise aber hat deutliche Spuren hinterlassen.
  • Ein paar Funken der Hoffnung werden aktuell hinsichtlich der Situation auf dem Arbeitsmarkt verzeichnet - die Corona-Krise aber hat deutliche Spuren hinterlassen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe/Betzdorf. Nun ist es amtlich: In Sachen Kurzarbeit hat der Lockdown infolge der Pandemie Rekordwerte verursacht. Das erklärte Daniela Tomczak, Chefin der Arbeitsagentur Siegen, am Dienstag mit Blick auf den Monat April – nur für diesen Monat gibt es gesicherte Erkenntnisse. Und die stimmen nachdenklich: In den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe haben im April insgesamt 2763 Betriebe Kurzarbeit umgesetzt. Die Anzahl der Unternehmen liegt merkbar über dem bisherigen Rekordwert von 568 Firmen aus Juni 2009, dem Folgejahr der damaligen Wirtschaftskrise.

Aktuelle Arbeitsmarkt-Lage "saisonüblich"

„Wir haben in unserem Agenturbezirk insgesamt 9787 Betriebe, das heißt fast 30 Prozent aller Unternehmen haben auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgegriffen. Im April waren somit bereits deutlich mehr Unternehmen direkt oder indirekt von dem Lockdown betroffen“, ergänzte die Arbeitsmarktexpertin. Die Anzahl der Beschäftigten, die sich in Kurzarbeit befinden, sei ebenfalls beträchtlich gestiegen und lag im April bei 31 930.
Der Blick auf den aktuellen Arbeitmarkt: Im Berichtsmonat August gab es einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Behörde nennt ihn „saisonüblich“.

  • Die Zahl der Arbeitslosen ist im August leicht gestiegen. Insgesamt waren 13 614 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonats sind dies 91 Personen oder 0,7 Prozent mehr. Im Vergleich zum August des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 3307 Personen bzw. 32,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller ziviler Erwerbspersonen beträgt 5,7 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 4,3 Prozent (plus 1,4 Prozentpunkte).
  • Im Bereich des verlängerten Arbeitslosengeldes (Arbeitslosengeld II) wurden in diesem Monat 6504 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat um 102 Personen bzw. 1,6 Prozent erhöht. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Erhöhung um 2317 Personen oder 55,3 Prozent. 
  • In der Grundsicherung – Hartz IV – sind elf Arbeitslose weniger als im Vormonat und 990 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies minus 0,2 Prozent zum Vormonat bzw. plus 16,2 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 7110 Personen und damit 52,2 Prozent aller Arbeitslosen, die die Grundsicherung erhalten. 
  • Zu den Stellenangeboten: Unternehmen aus der Region haben in diesem Monat insgesamt 531 freie Stellen gemeldet, das sind 103 weniger als im Vormonat. Im Bestand befinden sich aktuell insgesamt 2825 offene Stellen, 41 weniger als im Vormonat und 1298 weniger als im Vorjahresmonat. Der Lehrstellenmarkt zum Start ins neue Ausbildungsjahr: Bis August sind im Kreis Siegen-Wittgenstein und im Kreis Olpe insgesamt 3711 Berufsausbildungsstellen gemeldet worden. Demgegenüber stehen 2288 Bewerber, die sich im Laufe des Jahres bei den Agenturen für Arbeit vor Ort gemeldet haben. Auf einen Bewerber kommen damit im Agenturbezirk 1,6 Ausbildungsplätze. Zurzeit sind noch 307 junge Frauen und Männer auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Gleichzeitig sind noch 862 Ausbildungsplätze unbesetzt. Somit kommen auf jeden unversorgten Bewerber mittlerweile 2,8 unbesetzte Berufsausbildungsstellen.

Gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz

„Dieses Jahr haben die Bewerber auch in den kommenden Wochen noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Das Interesse der Unternehmen an Azubis ist trotz der Pandemie weiterhin hoch und ein späterer Beginn ist problemlos machbar,“ ermunterte Tomczak die Ausbildungsplatzsuchenden.

Lichtblick im Kreis Altenkirchen

Kleiner Lichtblick im AK-Land: Erstmals seit Monaten ist die Zahl der Arbeitslosen im Kreis wieder gesunken. Mit 4329 Betroffenen wurden im August 41 weniger als im Juli gezählt. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,1 Punkte auf 6 Prozent. Dennoch ist auch im AK-Kreis der Vergleich mit 2019 erschreckend, sind es doch 1239 Erwerbslose mehr als vor einem Jahr, die Quote stieg um 1,7 Prozentpunkte. Im Bereich der Geschäftsstelle Betzdorf tauchen derzeit 2827 Frauen und Männer in der Statistik auf, sieben weniger als im Juli, aber 755 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr 6,1 Prozent, im August 2019 waren es 4,4 Prozent.
„In diesem Jahr haben wir einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den 15- bis 25-Jährigen: Mit 1217 Personen liegt der Wert um 53,5 Prozent über dem des Vorjahres. Dafür gibt es verschiedene Gründe“, so Agenturchef Karl-Ernst Starfeld. Die Corona-Krise habe gerade in der heißen Phase des Ausbildungsmarktes zugeschlagen, in der sonst viele Lehrstellen noch vergeben würden. Zum anderen seien einige junge Menschen nach Ende ihrer Ausbildung nicht übernommen worden und konnten in kurzer Zeit keine Anschlussbeschäftigung finden.
Allerdings zeichnet sich eine erste Entspannung des Stellenmarktes ab. 417 Jobs wurden dem Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter im August gemeldet, das sind 14 mehr als im Juli, aber 175 weniger als im Vorjahr. Der Bestand stieg in den vergangenen vier Wochen um 46 auf 1951 vakante Stellen. „Die Erholung des Arbeitsmarktes wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen“, so Karl-Ernst Starfeld. „Bislang sind es nur erste Ansätze, die darauf hoffen lassen, dass es nun stetig bergauf geht.“

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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