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Stress in der Krise
Coronafreie Zeit ist wichtig

Kontakt zu anderen Menschen halten, das ist für die psychische Gesundheit des Menschen wichtig. Dabei sind zurzeit andere Wege als üblich gefragt. Auch der Gang in die Natur kann dem Stress durch die Pandemie entgegenwirken.
  • Kontakt zu anderen Menschen halten, das ist für die psychische Gesundheit des Menschen wichtig. Dabei sind zurzeit andere Wege als üblich gefragt. Auch der Gang in die Natur kann dem Stress durch die Pandemie entgegenwirken.
  • Foto: Klimkin/Pixabay
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sp Weidenau. Corona stresst! Eine Umfrage der Universität Basel in der Schweiz hat ergeben, dass sich etwa die Hälfte der Befragten (10 000 Personen) im Lockdown gestresst fühlen, mehr als vor der Corona-Krise. Und die Häufigkeit von schweren depressiven Symptomen soll sich verdreifacht haben.
Noch stellt Dr. med. Heiko Ullrich keine erhöhte Anzahl von Patienten fest. Der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Kreisklinikum in Weidenau vermutet aber, dass sich das ändern wird. „Wenn sich die Lage entspannt, werden wir Psychologen viel zu tun haben.“ Denn der Stress, der jetzt auf die Menschen einwirke, „wird Spuren hinterlassen“. Depressionen oder Suchtmittelerkrankungen könnten die Folgen sein.

sp Weidenau. Corona stresst! Eine Umfrage der Universität Basel in der Schweiz hat ergeben, dass sich etwa die Hälfte der Befragten (10 000 Personen) im Lockdown gestresst fühlen, mehr als vor der Corona-Krise. Und die Häufigkeit von schweren depressiven Symptomen soll sich verdreifacht haben.
Noch stellt Dr. med. Heiko Ullrich keine erhöhte Anzahl von Patienten fest. Der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Kreisklinikum in Weidenau vermutet aber, dass sich das ändern wird. „Wenn sich die Lage entspannt, werden wir Psychologen viel zu tun haben.“ Denn der Stress, der jetzt auf die Menschen einwirke, „wird Spuren hinterlassen“. Depressionen oder Suchtmittelerkrankungen könnten die Folgen sein. Und: Patienten, denen es schon vor der Corona-Krise nicht gut ging, denen „geht es in der aktuellen Situation noch schlechter“.

Menschen brauchen Kontakt

Erste Anzeichen für eine Stressfolgeerkrankung können Erschöpfung, Schlafstörungen, Veränderung des Gefühlempfindens, Konzentrationsstörungen, Schuldgefühle oder Gereiztheit sein.
Für den Stress sieht Ullrich unterschiedliche Ursachen. „Man hat Angst um die eigene Gesundheit, um die von lieben Menschen, Angst um die Existenz, vor der wirtschaftlichen Situation.“ Fehlende Kommunikation, kein Austausch, die Enge in einer Wohnung, Schule zu Hause ohne Computer „oder ältere Menschen, die als Risikogruppe drinnen bleiben müssen, das ist furchtbar“, fasst Ullrich zusammen. „Ich bin privilegiert, weil ich arbeiten darf, Kollegen treffen kann“, sagt er von sich selbst.
Viele Menschen seien jetzt auch gereizt und gestresst, weil sie Konflikte nicht sofort austragen könnten, weiß der Chefarzt. Dann helfe es, bewusst Ruhe zu bewahren und die Haltung des anderen einzunehmen, sich in dessen Lage zu versetzen. „In der Psychologie spricht man von Perspektivwechsel.“ Menschen sind sozial. Sie brauchen Kontakte, Gespräche, Berührungen. Das ist zurzeit nur eingeschränkt möglich. Wichtig sei es aber, den Kontakt zu anderen zu suchen, sagt Ullrich, „andere Möglichkeiten zu finden, zum Beispiel zu skypen“.

Einkaufen ist keine gute Abwechslung

Der Psychologe empfiehlt außerdem, sich in der Natur aufzuhalten, sie zu genießen. In Geschäfte gehen, hält er für keine gute Abwechslung: „Einkaufen stresst uns in der aktuellen Situation.“ Er nennt hier das Tragen der Atemschutzmaske, das Abstand halten und das Warten als Beispiele. Er stellt fest, dass beim Einkaufen „eine dicke Luft herrscht“.
Die Ungewissheit stresse die Menschen, sie werden ungeduldig, nicht nur beim Einkaufen, sondern auch bei anderen Fragen: „Wann kann ich endlich in den Urlaub? Wann macht die Grenze in Holland wieder auf? Wann muss ich die Maske nicht mehr tragen?“

"Was wir machen, das wirkt auch"

Eine weitere Empfehlung: Hin und wieder Abstand nehmen vom Stress-Thema Corona, sich nicht dauerhaft den unterschiedlichen Meinungen und Einschätzungen aussetzen, „das tut einem nicht gut“. Ullrich empfiehlt, sich auf die Aussagen des Robert-Koch-Instituts zu konzentrieren. Und er rät dringend: „Wir brauchen coronafreie Zeit.“ Pausen, in denen uns keine Nachrichten über das Virus erreichen.
Ullrich empfiehlt, sich Folgendes bewusst zu machen: „Was wir machen, das wirkt auch.“ Der Erfolg der Maßnahmen und Regeln zur Eindämmung des Virus sind sichtbar; das Gesundheitssystem ist nicht überlastet. „Selbstwirksamkeit“ lautet das Stichwort in der Psychologie. „Es gibt ja Hoffnung“, sagt Ullrich. Das Leben wird sich wieder ändern, der Zustand nicht so bleiben.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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