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Von der „Testkiste“ bis zum eigenen Impfzentrum
Coronatests in Unternehmen

Seit Ende März bietet EJOT an den Standorten in Wittgenstein für alle Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice arbeiten können, die Möglichkeit, Selbsttests durchzuführen.
  • Seit Ende März bietet EJOT an den Standorten in Wittgenstein für alle Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice arbeiten können, die Möglichkeit, Selbsttests durchzuführen.
  • Foto: Unternehmen
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

sabe/gro/sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Auf der einen Seite steht die Politik mit ihrer Forderung. Auf der anderen Seite die Wirtschaft mit der Aufforderung, sie umzusetzen. Die Bundesregierung will, dass Unternehmen ihre Belegschaft mindestens einmal pro Woche gratis auf Corona testen.
Momentan bleibt diese Forderung Selbstverpflichtung ohne verbindliche Regulierung. Kanzlerin Merkel hat aber in ihrer Regierungserklärung betont, das Kabinett werde am 14. April entscheiden, ob weitere, verpflichtende Maßnahmen nötig seien.
Test-Trendkurve zeigt nach oben - oder doch nicht?Gegen die ins Gespräch gebrachte obligatorische Regelung gibt es Widerspruch aus Spitzenverbänden und Unternehmen.

sabe/gro/sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Auf der einen Seite steht die Politik mit ihrer Forderung. Auf der anderen Seite die Wirtschaft mit der Aufforderung, sie umzusetzen. Die Bundesregierung will, dass Unternehmen ihre Belegschaft mindestens einmal pro Woche gratis auf Corona testen.
Momentan bleibt diese Forderung Selbstverpflichtung ohne verbindliche Regulierung. Kanzlerin Merkel hat aber in ihrer Regierungserklärung betont, das Kabinett werde am 14. April entscheiden, ob weitere, verpflichtende Maßnahmen nötig seien.

Test-Trendkurve zeigt nach oben - oder doch nicht?

Gegen die ins Gespräch gebrachte obligatorische Regelung gibt es Widerspruch aus Spitzenverbänden und Unternehmen. Die Gegenargumentation bedient sich im Kern dreier Argumente: hoher bürokratischer Aufwand, hohe Kosten, Probleme bei der Beschaffung von Tests. Im Übrigen gebe es ohnehin ein „breites Test-Engagement“. In puncto Engagement stützten sich die Spitzenverbände (BDA, BDI, DIHK und ZDH) auf einen neuen „Sachstandsbericht“, der unter Berufung auf weitere Firmenbefragungen am Ostermontag an das Kanzleramt und die Ministerpräsidenten verschickt worden war. Demnach führten 90 Prozent der Industrieunternehmen entweder schon Tests durch oder steckten in der Planung eines Angebots. Die Test-Trendkurve, hieß es, zeige klar nach oben. Zu einem völlig anderen Ergebnis kommt die Hans-Böckler-Stiftung. Die Corona-Schnelltests am Arbeitsplatz liefen schleppend an. Nur 23 Prozent der Beschäftigten hätten in einer Befragung berichtet, dass alle Präsenzbeschäftigten in ihrem Betrieb schon mindestens einmal pro Woche einen Schnelltest machen könnten.

DGB-Vorsitzender befürwortet verpflichtende Tests

André Arenz vom DGB (Kreisverbandsvorsitzender für den Kreis Olpe) und Erster Bevollmächtigter der IG-Metall im Kreis Olpe hat eine Erklärung für die auseinanderklaffenden Zahlen. „Wenn die Betriebe gerade ein Testangebot planen, heißt das ja noch nicht, dass die Beschäftigten auch einen tatsächlichen Zugang zum Testangebot haben und gerade getestet werden.“ So ließen die angegebenen 90 Prozent der Spitzenverbände nicht naturgewachsen den Rückschluss auf ein vorherrschend flächendeckendes Angebot zu. Die Forderung von DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel, demnach verpflichtende Testangebote einzuführen, unterstütze er somit. Trotzdem beobachte er bereits eine durchaus positive Entwicklung in Sachen Testbeschaffung und -strategie. Es gebe „viele Aktivitäten und Bemühungen“.

SZ-Umfrage bei heimischen Unternehmen

Auch die SZ-Umfrage bei heimischen Unternehmen in Sachen Corona-Schnelltest spiegelt wider, dass gerade viel in Planung oder in Aussicht gestellt ist. Viele der angerufenen Unternehmen wollen nach eigener Auskunft mitmachen, befinden sich aber noch mitten in der Findungsphase, können „noch nicht viel sagen“, so hörte man oft im Kräftespiel zwischen Vagheit und Überforderung. Aber längst nicht alle stecken planungslos in der Pandemie.

Ein Stichprobenprotokoll

  • Bikar Metalle, Bad Berleburg: Vor allem Außendienstler, externe Arbeiter oder Mitarbeiter, die in allen drei Werken in Bad Berleburg unterwegs sind, werden regelmäßig mit Schnelltests versorgt und müssen sich testen.
  • EJOT, Bad Berleburg: Seit Ende März bietet EJOT an den Standorten in Wittgenstein für alle Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice arbeiten können, die Möglichkeit, Selbsttests durchzuführen. „Wir wollen als Unternehmen unseren Beitrag leisten, damit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich sicherer fühlen können“, betont Christian Kocherscheidt, geschäftsführender Gesellschafter der EJOT-Gruppe. Fachlich betreut werden die Tests von medizinischem Personal des Malteser Hilfsdienstes Bad Laasphe. Die Resonanz auf die Selbsttests sei groß, so Heiko Stötzel, der die Corona-Schutzmaßnahmen bei EJOT koordiniert. Das Kostenvolumen bis Mitte Mai liegt bei etwa 50 000 Euro.
  • Erndtebrücker Eisenwerke (EEW), Erndtebrück: Die EEW habe bereits vor einigen Wochen eine große Menge Selbsttests bestellt, sagt Melissa Kuhn-Henk, Head of Strategy & Corporate Development. „Diese werden primär bei Unsicherheiten oder Verdachtsfällen angewendet.“ Die Tests werden auf freiwilliger Basis unter Anleitung der HSE-Abteilung oder dem Vorgesetzten durchgeführt. Zusätzlich besteht seit Beginn der Pandemie eine Kooperation mit der Hausarzt-Praxis Haas & Röhl.
  • Bäcker Haustechnik, Siegen: Handwerker können nicht mal eben ins Home-Office wechseln. Auch deshalb liegen bei der Firma „Bäcker Haustechnik“, Heizungs-, Sanitär- und Klimabetrieb aus Siegen, die ersten 300 Schnelltests für die 25 Mitarbeiter parat.
  • Dornseifer, Siegen Leimbachstraße: Jeder Mitarbeiter kann sich via Schnelltest einmal die Woche kostenlos testen lassen. Entweder vor Ort oder zu Hause. Das gilt für alle Filialen. „Gerade die Kollegen und Kolleginnen von der Frischetheke nehmen das Angebot sehr gerne an“, sagt Filialleiter Thorsten Großheim.
  • Blumen Risse, Buschhütten: Einmal in der Woche kann sich jeder Mitarbeiter testen lassen. Die Zentrale schickt die Tests an die Filialen.
  • Taxi Farnschläder, Siegen: Die Tests hat das Taxi-Unternehmen bereits bestellt und auch schon einen Kollegen zur Schnelltest-Schulung geschickt. Sobald die Bestellung ankommt, soll mindestens einmal die Woche getestet werden. Viele der Mitarbeiter seien darüber hinaus auch schon das erste Mal geimpft, besonders wichtig bei Krankentransporten.
  • Netstyle Informationstechnik, Kreuztal: „Wir testen die Mitarbeiter vor Ort zweimal die Woche, die Tests werden kostenlos angeboten“, so Mitarbeiterin Heike Groos.
  • Mubea, Attendorn: Der Autozulieferer aus Attendorn macht es wie VW, er will ein eigenes Corona-Impfzentrum an den Start bringen: Beim SZ-Anruf steht Dr. Bernd Asmuß, Leiter des Qualitätsmanagement, gerade mitten im fast fertiggestellten Gebäudekomplex auf dem Gelände der Hauptverwaltung. Das Impfzentrum soll für die firmeninternen Mitarbeiter, aber auch für Mitarbeiter anderer ortsansässiger Firmen zur Verfügung stehen. Ab einer 300er-Inzidenz (Mubea hat weltweite Standorte) wird zweimal getestet. Dann kommen auch Selbsttests zum Einsatz.
  • Tsubaki Kabelschlepp, Wenden: Mit seinen Standorten in Wenden und Hünsborn kommt der Hersteller von Energieketten aus Stahl, Kunststoff oder hybriden Produkten auf über 300 Mitarbeiter. Frank Springer, zuständig für Marketing Communication: „Die Belegschaft nimmt die Testoption sehr gut an. Wir wollen Klarheit und die Mitarbeiter auch.“ Der finanzielle Aufwand für die Tests sei dabei natürlich gegeben, aber, vor allem die Gesundheit der Mitarbeiter stehe im Fokus und – „die Produktion muss laufen, wenn die entfällt, haben wir ein größeres unternehmerisches Problem.“
  • Stimmen aus dem Netz: Bei einer SZ-Instagram-Umfrage gaben bei 392 Teilnehmern 40 Prozent (154 Stimmen) an, dass sie an ihrer Arbeitsstelle regelmäßige Testmöglichkeiten haben, die anderen 60 Prozent (239 Stimmen) gaben allerdings an, auf kein Angebot zurückgreifen zu können.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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