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Drei Männer in Lüdenscheid, Wetzlar und im Hochtaunuskreis infiziert (Update)
Coronavirus erreicht Nachbarkreise

Atemschutzmasken sind derzeit eine begehrte Ware. Der Nachschub ist vielerorts bereits ins Stocken geraten. Die abgebildete Maske genügt der Schutzstufe FFP 2, soll also vor der Ansteckung mit dem Virus schützen.
  • Atemschutzmasken sind derzeit eine begehrte Ware. Der Nachschub ist vielerorts bereits ins Stocken geraten. Die abgebildete Maske genügt der Schutzstufe FFP 2, soll also vor der Ansteckung mit dem Virus schützen.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

sz Siegen/Wetzlar/Lüdenscheid. Am späten Donnerstagabend wurde der erste Corona-Fall in Hessen bestätigt. Bei dem Patienten handelt es sich um einen 31 Jahre alten Wetzlarer Bürger mit milden grippeähnlichen Symptomen. Er wurde stationär in der Lahn-Dill-Klinik in Wetzlar aufgenommen. Der Mann hielt sich bis Sonntag, 23. Februar, in der Lombardei (Norditalien) auf, die vom Robert-Koch-Institut inzwischen ebenfalls zum Coronavirus-Risikogebiet erklärt wurde. Ein weiterer Fall aus dem hessischen Hochtaunuskreis wurde am Freitagabend bestätigt. Die Infektion eines 29-Jährigen soll im direkten Zusammenhang mit dem Mann aus Wetzlar stehen, meldete die deutsche Presseagentur. Er „zeige milde Krankheitszeichen und sei häuslich isoliert“.

sz Siegen/Wetzlar/Lüdenscheid. Am späten Donnerstagabend wurde der erste Corona-Fall in Hessen bestätigt. Bei dem Patienten handelt es sich um einen 31 Jahre alten Wetzlarer Bürger mit milden grippeähnlichen Symptomen. Er wurde stationär in der Lahn-Dill-Klinik in Wetzlar aufgenommen. Der Mann hielt sich bis Sonntag, 23. Februar, in der Lombardei (Norditalien) auf, die vom Robert-Koch-Institut inzwischen ebenfalls zum Coronavirus-Risikogebiet erklärt wurde. Ein weiterer Fall aus dem hessischen Hochtaunuskreis wurde am Freitagabend bestätigt. Die Infektion eines 29-Jährigen soll im direkten Zusammenhang mit dem Mann aus Wetzlar stehen, meldete die deutsche Presseagentur. Er „zeige milde Krankheitszeichen und sei häuslich isoliert“.

28 Personen aus dem "Schulumfeld" unter Quarantäne

Wenige Stunden zuvor hatte auch der Märkische Kreis, der an den Kreis Olpe grenzt, bestätigt, dass ein Lehrer einer Förderschule positiv auf den Coronavirus SARS-CoV2 getestet worden sei. Der Mann hatte auf der Heinsberger Karnevalssitzung Kontakt mit dem infizierten Ehepaar. Zunächst war von einem "begründeten Verdachtsfall" die Rede gewesen. Der Mann zeigte Symptome, die auf das Virus hindeuteten. Am späten Nachmittag erhielt der Kreis das Testergebnis, am Abend wurde es bekannt gegeben. Der Lehrer war offenbar am Dienstag noch zum Unterricht gekommen.

Der Gesundheitszustand des betroffenen Lehrers sei gut, er befinde sich zurzeit unter häuslicher Quarantäne, hieß es aus Lüdenscheid. Die Kontaktpersonen des Mannes seien bekannt, 31 von ihnen unter häusliche Quarantäne gestellt worden. Unter diesen Betroffenen seien 28 Personen aus dem Schulumfeld. Die Kontaktpersonen sollten noch am Abend benachrichtigt und im Laufe des Samstages vom Kreis auf das Coronavirus hin untersucht werden.

31-Jähriger infizierte sich in der Lombardei

Zum Wetzlarer Fall informierte am Freitagmittag Sozial- und Integrationsminister Kai Klose gemeinsam mit dem Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Wolfgang Schuster. „Der Patient, der positiv getestet wurde, hat alles richtig gemacht: Nachdem er aus der Lombardei zurückgekommen war, hat er sich in dieser Woche bei unserem Gesundheitsamt gemeldet. Ein Abstrich wurde vorgenommen und seit gestern Abend (Donnerstag, 27. Februar, Anm. der Red.) wissen wir, dass der Test positiv ist“, berichtete Schuster.

Noch sei man dabei, die Kontaktpersonen zu ermitteln und zu befragen, sagte Schuster. „Ich kann Ihnen noch keine genaue Zahl sagen, aber es werden schon einige sein“, ergänzte die Leiterin des Gesundheitsamtes des Lahn-Dill-Kreises, Dr. Gisela Ballmann. Es seien mindestens 20 Personen, eher mehr.

Gesundheitssystem auf Ausbruch vorbereitet

Die Gesundheitsämter in Hessen stehen in ständigem, regelmäßigen Austausch mit dem hessischen Ministerium für Soziales und Integration. „Unser oberstes Ziel ist es, Infektionsketten zu unterbrechen, um die Weiterverbreitung des Virus einzudämmen“, erklärte Ballmann. Ihre Behörde ermittelt und befragt derzeit Kontaktpersonen des Patienten. Bei engem persönlichem Kontakt zum Erkrankten werde häusliche Quarantäne verhängt. Ballmann rief die Bevölkerung dazu auf, sich bei Fragen nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet oder Gebieten mit Fällen von Coronavirus-Infektionen telefonisch an ihr jeweiliges Gesundheitsamt zu wenden, um die persönliche Situation mit den dortigen Expertinnen und Experten zu besprechen.

Prof. Dr. Stephan Becker, Leiter der Virologie des Universitätsklinikums Marburg, betonte, dass Krankenhäuser und das gesamte Gesundheitssystem gut auf den Ausbruch vorbereitet seien, da die Verbreitung ähnlich wie bei der Influenza verlaufe. „Wir müssen uns aufgrund der leichten Übertragbarkeit jedoch darauf einstellen, dass es nicht bei diesem einen Fall bleiben wird“, so Prof. Becker. „Das Virus verursacht allerdings in den meisten Fällen eine milde Erkrankung.“

Solidarisierung mit Erkrankten gefordert

Minister Klose appellierte außerdem an die Bevölkerung, Solidarität mit Patientinnen und Patienten zu zeigen, die am neuartigen Coronavirus erkranken. „Es ist verständlich, dass Menschen besorgt sind und Angst haben. Wir werden Sie deshalb stets transparent informieren. Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir sollten uns darauf konzentrieren, diejenigen, die erkranken, zu behandeln und so die Bevölkerung zu schützen“, so Klose.

Die hessenweite Hotline zum Coronavirus lautet (08 00) 555 4 666, in NRW ist unter der Nummer (02 11) 8 55 47 74 ein „Bürgertelefon Coronavirus“ eingerichtet.

Wetzlarer an mehreren Stellen abgewiesen?

Nach Informationen des hessischen Rundfunks arbeitet der 31-Jährige Corona-Patient in einem kleinen Betrieb mit ca. 15 Mitarbeitern in Hüttenberg. Nach seiner Rückkehr aus der Lombardei sei er am Montag noch bei der Arbeit gewesen, erzählte ein Mitarbeiter dem Reporter. Die Firma ist momentan geschlossen.

Nach Medienberichten ist der Wetzlarer auf dem Flughafen in Italien negativ auf das Coronavirus getestet worden. Weil er sich krank fühlte, habe er trotzdem am Dienstag das Gespräch mit seinem Chef gesucht. Der habe ihm empfohlen, noch einmal einen Abstrich machen zu lassen. Daraufhin habe der Mann ab Dienstag versucht, sich testen zu lassen, sei aber an mehreren Stellen abgewiesen worden.

Laut Gesundheitsamt im Lahn-Dill-Kreis wurde der Test des Betroffenen am Donnerstagvormittag durchgeführt, direkt nachdem er sich beim Gesundheitsamt gemeldet habe. Ob er zuvor von mehreren Stellen abgewiesen wurde, konnte das Amt nicht sagen.

Lieferengpässe bei Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken

Unterdessen steigt die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Gesichtsmasken auch im Siegerland deutlich an (vergl. auch den Bericht "Hochbetrieb bei den Apotheken"). Bei der in Siegen ansässigen Firma Promedia A. Ahnfeldt GmbH war allerdings gestern niemand in der Lage, Auskünfte zu erteilen. Promedia hat seinen Sitz in der Marienhütte und ist in Deutschland an weiteren Standorten präsent. Unter anderem liefert das Unternehmen Desinfektionprodukte und weitere Hygieneartikel.

Der Arbeitsschutzspezialist Hugo Roth GmbH aus Wilnsdorf kann nur noch Kleinstmengen liefern. Seit vorgestern, so Geschäftsführer Timm Bendinger, sei man von einer neuen Auftragswelle überrollt worden. Die Anfragen seien massiv gestiegen. Da die Lieferungen aus dem asiatischen Raum komplett eingestellt worden seien, müsse man sich auf europäische Lieferanten konzentrieren. Die würden die Produkte ebenfalls nur zuteilen. Bendinger: „Wie verteilen nur an Bestandskunden und wollen damit dazu beitragen, dass etwa in der Autoindustrie die Bänder nicht stehen bleiben.“ Vor April sieht der Unternehmer auch keine Sicht der Besserung der Lieferfähigkeit.

Kinderklinik schränkt Besucherverkehr ein

Die DRK-Kinderklinik schränkte gestern den Besucherverkehr ein. Auf Facebook hieß es: „Als vorbeugende Maßnahme schränken wir die Besucherregelung für stationäre Patienten auf allen Stationen auf die Erziehungsberechtigten (zwei Personen) ein. Weitere Angehörige (Großeltern, Geschwister, weiterer Verwandte, Bekannte) werden gebeten, Patienten bis auf Weiteres nicht zu besuchen.“

In einem Zusatz hieß es: „Wir bitten um Beachtung: Bitte nicht kommentieren oder spekulieren. Es handelt sich um eine rein vorbeugende Maßnahme.“ Natürlich gab es trotzdem Kommentare – die meisten lobten die Entscheidung der Klinik, aber es wurde auch kritisiert, dass Geschwister die kranken Kinder nicht besuchen dürfen.

Landrat kündigt Krisenstab im Falle des Falles an

In einem Schreiben an die Bürgermeister im Kreis Siegen-Wittgenstein hat Landrat Andreas Müller angekündigt, im Falle eines bestätigten Corona-Falls den Krisenstab – Leitung: Thiemo Rosenthal – zu aktivieren. Er empfiehlt den Städten und Gemeinden, dann auch einen Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) einzurichten. Um die Verwaltungen arbeitsfähig zu halten, rät der Landrat den Bürgermeistern, „Kernprozesse zu definieren“. Immerhin sei damit zu rechnen, dass bei einer Pandemie ein nicht unbeträchtlicher Teil der Beschäftigten über einen längeren Zeitraum ausfallen könnte, weil diese selbst oder Familienangehörige erkrankt seien.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein fasst aktuelle Informationen für die Bevölkerung zum Thema Coronavirus unter der Internetadresse www.siegen-wittgenstein.de/coronavirus zusammen.

Corona-Sorgentelefon

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus: Wie bedrohlich ist das? Und wie ist der aktuelle Stand? Wie bemerke ich, dass ich betroffen bin? Welche Vorsichtsmaßnahmen sind angeraten?  Diese und andere Fragen beschäftigen die Bevölkerung.

St.-Marien-Krankenhaus und Diakonie-Klinikum richten deshalb am Wochenende ein „Corona-Sorgentelefon“ ein:

Am Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr können besorgte Bürger unter der Nummer
(02 71) 231-21 18
im St. Marien-Krankenhaus anrufen und ihre Fragen an Fachärzte stellen.

Direkt anschließend, von 12 bis 14 Uhr, stehen unter der Nummer
(02 71) 333-40 666.
Ärzte des Diakonie-Klinikums für Fragen und fachliche Auskünfte bereit.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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