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Reisen in Risikoländer laut Gesundheitsamt das Grundübel
Coronazahlen steigen deutlich

Viele neue Fälle sind auf Reiserückkehrer zurückzuführen. Neuerdings sind es hauptsächlich Menschen unter 20 Jahren, die ein positives Corona-Testergebnis erhalten.
  • Viele neue Fälle sind auf Reiserückkehrer zurückzuführen. Neuerdings sind es hauptsächlich Menschen unter 20 Jahren, die ein positives Corona-Testergebnis erhalten.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mir Siegen. Der Adler-Blick auf die Corona-Statistik vom Mittwoch macht betroffen: Zehn (!) Kitas und Schulen im Kreis Siegen-Wittgenstein sind vom Seuchenvirus betroffen, ganze Gruppen oder Grundschulklassen (weil ohne Mund-Nase-Schutz im Unterricht) sind nach Hause geschickt worden. Präventiv. Welche Strategie steckt dahinter? Was gedenken Kreis und Gesundheitsamt zu tun?
Höchste Zeit für ein direktes (Krisen)-Gespräch mit Landrat Andreas Müller und Dr. Christoph Grabe, dem Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Zwecks Orientierung blickt Müller, wie er es als Wahlkämpfer gerne tut, zurück auf die erste Phase der Pandemie mit Lockdown und einschneidenden Maßnahmen: „Wir sind da ganz gut durchgekommen, sind sehr frühzeitig aktiv gewesen, und die Bevölkerung hat verantwortungsvoll mitgemacht.

mir Siegen. Der Adler-Blick auf die Corona-Statistik vom Mittwoch macht betroffen: Zehn (!) Kitas und Schulen im Kreis Siegen-Wittgenstein sind vom Seuchenvirus betroffen, ganze Gruppen oder Grundschulklassen (weil ohne Mund-Nase-Schutz im Unterricht) sind nach Hause geschickt worden. Präventiv. Welche Strategie steckt dahinter? Was gedenken Kreis und Gesundheitsamt zu tun?
Höchste Zeit für ein direktes (Krisen)-Gespräch mit Landrat Andreas Müller und Dr. Christoph Grabe, dem Leiter des Kreisgesundheitsamtes. Zwecks Orientierung blickt Müller, wie er es als Wahlkämpfer gerne tut, zurück auf die erste Phase der Pandemie mit Lockdown und einschneidenden Maßnahmen: „Wir sind da ganz gut durchgekommen, sind sehr frühzeitig aktiv gewesen, und die Bevölkerung hat verantwortungsvoll mitgemacht.“ An anderer Stelle präzisiert Dr. Grabe, ohne Lockdown „hätten wir es nicht bis auf Null Anfang Juli geschafft“. Aber auch da sei allen bewusst gewesen, dass das Virus weiter vorhanden sei.

Alle Kontaktpersonen "absondern"

Jetzt zur aktuellen Strategie: Ziel ist es, bei bekannt gewordenen Infizierungen schnell und vorsorglich alle „abzusondern“, die vom Virus tangiert sein könnten. Müller: „Lieber ganze Gruppen oder Klassen für ein paar Tage nach Hause schicken, bis ein konkretes Testergebnis vorliegt.“ Alle bisherigen Fälle in Kitas und Grundschulen seien unterschiedlich, eine pauschalierte Aussage sei deshalb unmöglich.

Ab Klasse 5 Einzelfallentscheidungen

Ein konkreter Kita-Fall von dieser Woche sieht so aus: Eine Person ist positiv getestet worden, um die zehn enge Kontaktpersonen an mehreren Schulen sind ermittelt worden, auch dort müssen vorsorglich Maßnahmen ergriffen werden. Grabe: „Falls auch nur eine Kontaktperson eventuell infiziert sein könnte, geht die Kita geschlossen nach Hause, bis ein negatives Ergebnis kommt, bei positivem Test für 14 Tage.“ Schon ein einzelnes Ergebnis wirft auf diese Weise einen großen Schatten. Ab Klasse 5 wird im Unterricht Mundschutz getragen, da darf nach Einzelfällen entschieden werden, wer nach Hause gehen muss und wer nicht – je nach engem, losem oder überhaupt keinem Kontakt.

Über 50 Prozent auf Reiserückkehrer zurückzuführen

Dr. Grabe hat aus den Fällen der vergangenen Wochen den Schluss gezogen, dass über 50 Prozent aller neuen Coronafälle im Kreis Siegen-Wittgenstein auf Reiserückkehrer entfallen. Keine Urlauber, sondern in der Mehrzahl Leute, die aus ihren Herkunftsländern nach hier zurückgekehrt sind. Besonders auffällig sei die Häufung bei Rückreisenden aus dem Kosovo. Vielfach seien das Menschen, die per Auto oder Bus reisten. „Ob alle wirklich zum Test kommen, kann ich nicht sagen, das ist wie der Blick in eine Black Box“, sagt Grabe. Zweimal seien Erkrankte aufgefallen und hätten eingestanden, dass sie den verpflichtenden Test wegen einer Einreise aus einem Risikogebiet nicht gemacht hätten: „Die sind erst zu uns gekommen, als sie Symptome hatten.“

Viele junge Menschen mit Corona infiziert

Jeden Tag werden beim Kreis Siegen-Wittgenstein um die 70 Tests absolviert. Nicht mitgezählt sind darin die Tests bei Ärzten, in Kliniken und Heimen. „Die Test-Kapazitäten an der Uni halten wir wie gehabt vor, außerdem sind drei mobile Teams täglich startbereit.“ Die Arbeit ist mehr geworden, alle engen Kontaktpersonen sollen sofort und ein zweites Mal nach sieben Tagen getestet werden.
Auffälligkeiten gibt es auf jeden Fall: Die meisten neuen Fällen betreffen Personen unter 20 Jahren. Ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen sind kaum noch dabei. Grabe und Müller sind sich einig, dass die jüngeren Infizierten in der Regel einen schwächeren Krankheitsverlauf hätten.

Weiterhin ist Vorsicht geboten

Grabe warnt aber vor Sorglosigkeit: „Auf lange Sicht schwächen sich alle Erreger ab, das hat man bei den bekannten Kinderkrankheiten gesehen. Aber hier geht es um Jahre und Jahrzehnte.“ Wenn jetzt irgendwelche Experten in überregionalen Medien erzählten, das Virus werde im Herbst schwächer, „ist absolute Vorsicht geboten“. In medizinischen Fachkreisen sei eine solche Aussage nicht einmal ansatzweise formuliert worden.

Große Veranstaltungen meiden

Dr. Grabe sagt klar: „Hätten die Reisen in Risikoländer nicht stattgefunden, wäre uns viel erspart geblieben.“ Und weiter: „Ich rate, auch in den nächsten Monaten keine Veranstaltungen mit mehreren Hundert Menschen stattfinden zu lassen.“ Der Leiter des Kreisgesundheitsamtes hat noch eine Anti-Corona-Idee parat: „Die Kitas sollten die Kinder wie früher in Gruppen einteilen, damit nicht im Fall eines Falles die ganze Kita schließen muss.“
Wie andernorts schon vielfach betont, die Corona-Pandemie ist noch lange nicht vorbei. Müller sieht Positives. Die Kliniken seien nicht mit schweren Fällen überlastet, die Krankheitsverläufe seien zumeist gemäßigt. „Wir versuchen weiterhin, Restriktionen zu vermeiden.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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