Dankeschön für Polizeichef

 Trotz des Wechsels in den Ruhestand muss sich der leitende Polizeidirektor Wilfried Bergmann mit einem Ermittlungsverfahren gegen ihn beschäftigen. Foto: Polizei
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kalle/ch t Der Monat März geht zu Ende – und mit ihm geht der „Polizeichef” der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Der leitende Polizeidirektor Wilfried Bergmann wechselt in den Ruhestand. Mit dem Wechsel verbunden: ein Geschenk aus Düsseldorf und eine Portion Ärger. So hat das NRW-Innenministerium Bergmann, der in den vergangenen vier Jahren gerade einmal drei Untergebenen im gehobenen Polizeivollzugsdienst eine Dienstzeitverlängerung gewährte, neun andere Antragsteller aber knallhart abblitzen ließ, eine zweimonatige Verlängerung des Führungsjobs erlaubt, was in der Folge auch die Erhöhung des Ruhegehaltes bedeutet. Und: Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt gegen Bergmann.

Der Vollblutpolizist, seit 1976 als Polizeibeamter aktiv, ist in verschiedenen Funktionen unterwegs gewesen. Die Funktion des Abteilungsleiters Polizei der Kreispolizeibehörde nimmt er seit Dezember 2015 – nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Franz-Josef Hahmann – wahr. Bis zum März 2017 zunächst kommissarisch, neben seiner damaligen Aufgabe als Leiter der Direktion Gefahrenabwehr und Einsatz. Eigentlich hätte Wilfried Bergmann bereits im Januar dieses Jahres in den Ruhestand wechseln müssen, das sieht das gesetzliche Pensionsalter so vor. Es liegt bei Polizisten bei 62 Jahren.

Doch Bergmann stellte einen Antrag auf Dienstzeitverlängerung in Düsseldorf, „und wir haben ihn mit gutem Grund genehmigt”, so Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums, gegenüber der SZ. Als verantwortlicher Projektleiter für den Neubau der Kreispolizeibehörde habe Bergmann schlicht und einfach seinen Job „sinnvollerweise” zu Ende machen sollen. „Seine Aufgabe war es dabei, die grundlegende Projektausrichtung sowie die notwendigen Schritte für die komplexen juristischen und baufachlichen Vergaben entsprechend dem Zeitplan bis Ende März 2019 zu begleiten. Deshalb war es für die Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein nachvollziehbar wichtig, Herrn Bergmann in dieser zusätzlichen Funktion für einen begrenzten Zeitraum noch in seinem Amt zu belassen. Die wesentlichen Vorarbeiten durch Herrn Bergmann, die konsistente strategische Leitungsentscheidungen erforderlich gemacht haben, sind nunmehr abgeschlossen”, führte Ministeriumssprecher Beus in einer schriftlichen Stellungnahme aus.

Darüber hinaus sei zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Antrag auf Verlängerung der Lebensarbeitszeit des Siegen-Wittgensteiner Polizeichefs „die personelle Situation in den Führungspositionen der Behörde sehr angespannt” gewesen. Beus zur SZ: „Von den sechs Stellen des höheren Dienstes waren lediglich vier besetzt. Außerdem war bekannt, dass sich ein Führungsbeamter auf eine Stelle in einer anderen Behörde beworben hatte. Eine Entlastung durch die spätere Versetzung eines Führungsbeamten von Köln nach Siegen-Wittgenstein war hingegen nicht absehbar.“

Es fügte sich also, könnte man schreiben. Und diese Fügung lohnte sich für Wilfried Bergmann. Statt über die Besoldungsgruppe A 15 durfte er sich über A 16 freuen, das Ruhegehalt wird künftig auf dieser Grundlage berechnet. Die A-15-Grundvergütung nach der 2018er-Besoldungstabelle (die jüngste Erhöhung der Bezüge ist noch nicht ins Zahlenwerk eingearbeitet) weist in der geringsten Erfahrungsstufe 5069 Euro aus, die Stufe A 16 dagegen 5586 Euro. Mit der Höhe der Erfahrungsstufen wachsen die monatlichen Bezüge und die Differenz.

Was den Ärger mit der Justiz betrifft: Der stellv. Pressesprecher der Siegener Staatsanwaltschaft, Staatsanwalt Rainer Hoppmann, zeigte sich auf Anfrage der Siegener Zeitung kurz angebunden, bestätigt aber, dass die Behörde ein Ermittlungsverfahren gegen Wilfried Bergmann führe. Zu Nachfragen zum Verfahren wollte sich Hoppmann nicht äußern. Auch ein weiterer Versuch, einige Zeit später bei Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthus, blieb erfolglos. Keine Kommunikation der Staatsanwaltschaft zu Ermittlungsinhalten.

Andere hingegen sprachen. Nach Recherchen der Siegener Zeitung wird dem leitenden Polizeidirektor vorgeworfen, einen Mitarbeiter des Fahrzeugservicebereichs der Polizei dazu aufgefordert zu haben, die Reifen an Bergmanns Privat-Pkw zu wechseln. Damit wäre der Verdacht der Vorteilsnahme zu prüfen. Der Vorgang schlug intern hohe Wellen. Hört man dem polizeilichen „Flurfunk“ im Dienstgebäude an der Weidenauer Straße zu, so soll es zwischen Bergmann und dem Polizisten, der mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde das Ermittlungsverfahren ins Rollen gebracht hatte, kein gutes Miteinander geben. „Da wollte jemand dem Bergmann so richtig in die Suppe spucken“, war von einem Insider zu hören.

Die Überprüfung der Dienstaufsichtsbeschwerde ruht derzeit, bis die Staatsanwaltschaft wiederum ihre Ermittlungen abgeschlossen hat. „Das ist das übliche Verfahren”, so der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, Andreas Müller, im Gespräch mit der SZ. Er betonte, dass – entgegen anders lautenden Gerüchten – nicht eine Untergebene des Polizeichefs um Aufklärung des Sachverhalts gebeten wurde, sondern die zuständige übergeordnete Behörde eingeschaltet worden ist, die wiederum die Überprüfung des Vorfalls an eine Kreishaus-Mitarbeiterin delegiert hat.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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