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Meister Lampe blüht auf
Darum wird der Feldhase zum "Waldhasen"

Ein Feldhase (Lepus europaeus) hockt im Licht der untergehenden Sonne auf einem Feld. Die Bestände im Wald haben sich erfreulich erholt.
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  • Ein Feldhase (Lepus europaeus) hockt im Licht der untergehenden Sonne auf einem Feld. Die Bestände im Wald haben sich erfreulich erholt.
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Die Kreisjägerschaft Siegen-Wittgenstein und Naturschützer beobachten eine erfreuliche Zunahme bei "Meister Lampe". Darum blüht der Feldhase in der heimischen Region auf.

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Die Kreisjägerschaft Siegen-Wittgenstein und Naturschützer beobachten eine erfreuliche Zunahme bei "Meister Lampe". Darum blüht der Feldhase in der heimischen Region auf.

goeb Siegen. Quizmoderator Günther Jauch hat ihn neulich in seiner Rateshow recht gut imitiert, Albrecht Dürers Feldhasen. Der "Junge Feldhase", den der große Meister im Jahre 1502 so trefflich im Aquarell porträtierte, blickt uns mit seinem Charakterkopf an: etwas scheu, braune Knopfaugen, buschiges, seidig schimmerndes Fell. Er hockt mit leicht angelegten "Löffeln", dem rechten ein wenig abgeknickt, im Schnee. Der "Junge Feldhase" soll nach der Mona Lisa und dem armen Poeten von Spitzweg das beliebteste Kunstwerk in Deutschlands Küchen und Wohnzimmern sein.

Feldhase in der Region erholt sich

"Der Feldhase hat sich bei uns deutlich erholt", freut sich Henning Setzer, der 1. Vorsitzende der Kreisjägerschaft Siegen-Wittgenstein. "Nässe ist der Tod des Junghasen", berichtet er. Nasskaltes Wetter mache sie anfällig für Krankheiten. Jetzt, zur Osterzeit, werden die ersten Junghasen geboren. Der Feldhase, Symbol der Fruchtbarkeit, ist zwar in ganz Europa verbreitet, er ist aber eigentlich ein Steppenbewohner und kommt mit heißen, trockenen Sommern, wie sie sich nun häufiger ereignen, besser zurecht. "Wenn ich bei mir in Wilnsdorf morgens aus dem Fenster schaue, sehe ich meistens ein oder zwei Hasen."

"Der Hasenbesatz hat sich deutlich erholt", stellt Henning Setzer, 1. Vors. der Kreisjägerschaft Siegen-Wittgenstein, erfreut fest.
  • "Der Hasenbesatz hat sich deutlich erholt", stellt Henning Setzer, 1. Vors. der Kreisjägerschaft Siegen-Wittgenstein, erfreut fest.
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Das lässt sich auch durch aktuelle Zahlen des Landesjagdverbandes NRW erhärten. Durchschnittlich 34 Feldhasen pro Quadratkilometer lebten im Frühjahr 2021 auf Wiesen und Feldern in NRW. Das sei einer der besten Werte seit Beginn der Zählungen 2001 und liege bundesweit ganz vorn. Allerdings habe es weniger Zuwächse gegeben als noch im Vorjahr. Das liege zum Teil am Wetter im vergangenen Jahr. "2020 gab es beispielsweise einen extrem warmen Sommer“, sagt Andreas Schneider, Pressesprecher des LJV. Der April 2021 war hingegen der kälteste seit 40 Jahren, im Sommer folgten Stark- und Dauerregen. Vergleicht man die Jagdstrecken mit früher, der Feldhase zählt nach wie vor zu den jagdbaren Wildarten, fallen die Zahlen klein aus. In den 300 Siegerländer und Wittgensteiner Revieren werden kaum mehr als 100 Hasen erbeutet, 2020 beispielsweise zählte man 62 Stück Fallwild, so bezeichnen die Jäger verendet aufgefundenes Wild. Davon wiederum waren 43 von Autos überfahren worden.

Feldhase wird zum "Waldhasen"

Der Jäger und Verbandsnaturschützer Wolfgang Stock (BUND) aus Niederfischbach sieht große Unterschiede in der Verbreitung: "Der Feldhase wird zunehmend zum ,Waldhasen', er erobert sich den Wald zurück, weil es jetzt so viele Kahlschlagflächen mit Kräutern und jungen Bäumen gibt", erläutert er. Schlechte Noten gibt der Naturschützer indes unserer Feldflur. "Die Wiesen werden gedüngt, schon früh gemäht und weisen vielfach überhaupt keine Hecken oder Gehölze mehr auf", bedauert Stock. "Das bietet Feldhasen keinen Lebensraum." Hasen benötigten u.a. gute Versteckmöglichkeiten in ihrem Revier.  

Wolfgang Stock ist ebenso passionierter Jäger wie Verbandsnaturschützer im BUND.  Er sieht den Hasen im Wald wieder häufiger, mit der verarmten Feldflur kommt "Meister Lampe" allerdings nicht zurecht.
  • Wolfgang Stock ist ebenso passionierter Jäger wie Verbandsnaturschützer im BUND. Er sieht den Hasen im Wald wieder häufiger, mit der verarmten Feldflur kommt "Meister Lampe" allerdings nicht zurecht.
  • Foto: damo (Archiv)
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Lebensraumverlust, Krankheiten und Parasiten sind Ursachen für seine Bedrohung. Aber auch Nahrungsmangel, Nahrungsvergiftung und die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden machen dem Hasen zu schaffen. Dazu kommen natürliche Feinde und der störende Mensch. "Den Druck, den frei laufende Hunde ausüben, kann man gar nicht überschätzen", warnt Stock, der an gefährdeten Stellen schon Kameras aufgestellt hat. "50, manchmal 60 Hunde laufen pro Tag frei im Gelände herum. Wenn der standorttreue Hase ein paarmal gestört worden ist, ist der weg." Überhaupt: "Diese ganze Querbeet-Lauferei und -Radlerei ist Gift für die Natur."

Verödung des Lebensraums macht dem Feldhasen zu schaffen

Dass nicht die Jagd, sondern die Verödung des Lebensraums dem Feldhasen zu schaffen macht, berichtete schon 1995 der damalige Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Kurt Moll (gest. 2017), dem Autor dieser Zeilen. Die Jäger müssten zwar immer wieder als die "bösen Buben" für den Rückgang der Feldhasen herhalten, langjährige Untersuchungen der Forschungsstelle für Wildtierkunde und Wildschadensverhütung in Bonn belegten aber, dass dem Hasen neben anderen Faktoren vor allem die ausgeräumte Agrarlandschaft unserer Tage zu schaffen macht. 

Etwa 60 Kräuter- und Grasarten benötigt der Feldhase "in seiner Küche": Das sind angesichts der überdüngten Löwenzahn- und Kleefluren und der mancherorts mit Herbiziden behandelten Felder recht hohe Ansprüche. Was moderne Landwirtschaft für den Feldhasen bedeuten kann, zeigt sich nicht nur bei der Ernte. Ein moderner Mähdrescher erntet heute 100 Hektar Getreide an einem einzigen Tag. Den Tieren fehlt plötzlich jede Deckung, und sie werden somit leicht zur Beute von Füchsen und Greifvögeln. Nähert sich dem Hasen etwa ein Kreiselmäher, vertrauen die Kreaturen auf ihre Schutzfarbe und drücken sich in ihre Sasse, auf dass die Gefahr vorüberziehe. 

Die Jäger brechen auch eine Lanze für den Wildacker. Von Waldstaudenroggen, Lavendel und Buchweizen profitiere auch der Feldhase. Der Wildacker sei aber nur ein Notnagel. Langfristig müsse sich die Feldflur, der Stamm-Lebensraum des Hasen, wieder verbessern.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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