Priorisierung wird aufgehoben
Das ändert sich ab Montag beim Impfen

Ab Montag ist die Impfpriorisierung aufgehoben.
  • Ab Montag ist die Impfpriorisierung aufgehoben.
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ch/ihm/sz/ Siegen/Betzdorf/Olpe. Die Impf-Priorisierung ist ab Montag aufgehoben, die Freigabe gilt für alle zur Verfügung stehenden Impfstoffe. Ärzte und Politik bitten trotzdem um Geduld. Doch wie bekomme ich denn endlich einen Impftermin? Was ändert sich mit dem heutigen Tage? Hier die wesentlichen Fragen und Antworten:

Was ändert sich ab Montag genau?

  • Mit dem Datum 7. Juni tritt eine geänderte Impfverordnung in Kraft, in der keine feste Reihenfolge nach „höchster“, „hoher“ und „erhöhter“ Priorität mehr steht. Die Länder könnten die Priorisierung für ihre regionalen Impfzentren zwar noch beibehalten, das passiert in NRW und Rheinland-Pfalz allerdings nicht.

Können sich alle impfen lassen?

  • Theoretisch ja – doch für die allermeisten dürfte es noch Wochen bis zur Impfung dauern. Tatsächlich können sich nun aber alle um Termine bemühen, die dann über den Sommer hinweg eingetaktet werden sollen. Etwa für die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein sind derzeit über das Internetportal der KVWL keine Ersttermine zu ergattern.

Keine Impf-Empfehlung der Stiko bei Kindern

Was ist mit Impfungen für Kinder?

  • Auch alle Kinder ab zwölf Jahren können sich impfen lassen. Das Biontech-Präparat ist dafür europaweit zugelassen. Bislang gibt es keine generelle Empfehlung der ständigen Impfkommission (Stiko): Es fehlten noch Daten, um das Risiko einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern exakt gegen das mögliche Risiko einer Impfung abwägen zu können. Einige heimische Ärzte sehen dies ähnlich.

Wie sieht es mit Schwangeren aus?

  • Schwangeren wird die Impfung bisher von der Stiko nicht generell empfohlen. Seit Mai sagt das Gremium aber, Schwangere könnten nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung einen RNA-Impfstoff ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel erhalten.

Ärzte impfen auch Fremdpatienten

Wie erhöhe ich die Chance auf einen Termin?

  • Immer auch den Hausarzt kontaktieren und sich auf die Warteliste setzen lassen. War man in der Vergangenheit bei einem Allgemeinmediziner, Frauen- und Haus-Nasen-Ohren-Arzt, Orthopäden oder Unfallchirurg in Behandlung, kann man sich auch dort auf die Wartelisten setzen lassen. Empfehlung von Stefan Spieren, Hausarzt aus Hünsborn: „Viele Kollegen impfen auch Fremdpatienten. Fragen lohnt sich.“ 
  • Mehrere private Anbieter vermitteln zudem kostenlos Impftermine. Dazu zählen etwa Jameda.de, sofort-impfen.de oder Impf-Finder.

Wer bekommt welchen Impfstoff?

  • In den Arztpraxen wird der Impfstoff verabreicht, der vorhanden ist. Aussuchen kann man sich das nicht. Die Erwachsenen können alle vier zugelassenen Stoffe bekommen: Biontech, Moderna, AstraZeneca oder Johnson & Johnson.
  • Im Impfzentrum Eiserfeld werden, wie berichtet, bis auf Weiteres keine Erstimpfungen vorgenommen. Seit Freitag gilt zudem: Zweitimpfungen werden für unter 60-Jährige nicht mehr mit AstraZeneca durchgeführt. Das bedeutet: Auch wer beim ersten Mal mit AstraZeneca geimpft wurde, bekommt nun Biontech oder Moderna, in der Regel wohl Biontech. Das nennt man „heterologe Impfung“. Für die Impflinge „60plus“ bleibt es bei der Zweitimpfung mit AstraZeneca, wenn die Erstimpfung auch mit diesem Stoff erfolgt ist.

Zweittermine im Impfzentrum gesichert

Sind die Termine für die Zweitimpfungen im Impfzentrum gesichert?

  • Ja. Bisher musste kein Termin verschoben werden. Dr. Thomas Gehrke und Dr. Michael Klock als Leiter des Impfzentrums versichern, dass auch die zahlreichen über 60-Jährigen, die während der „Osteraktion“ mit AstraZeneca im Impfzentrum geimpft wurden, ihre Zweitimpfung mit AstraZeneca bekommen werden.

Wie viel Impfstoff bekommen die Hausärzte?

  • Es gibt Obergrenzen bei der Bestellung. Sie liegen in dieser Woche (23. Kalenderwoche) bei 18 Dosen Biontech und 20 Dosen AstraZeneca pro Arzt. In der Vorwoche waren es noch 24 Dosen Biontech und 20 Dosen AstraZeneca. Für Johnson & Johnson, den Stoff, bei dem eine Spitze ausreicht, gibt es keine Obergrenze. Gemessen an der bisherigen Bestellmenge würde der Vorrat für 20 Dosen pro Arzt ausreichen. Wichtig: Die Mengen beziehen sich nicht auf eine Praxis, sondern auf einen niedergelassenen Arzt. Praxen mit mehreren Ärzten können also entsprechend mehr Impfstoff bestellen.

Manche Ärzte bei Impfstoff-Bestellung zurückhaltend

Warum haben manche Hausärzte große Mengen Impfstoff, während andere nur mit einer Handvoll Dosen dastehen?

  • Das liegt zum einen an der Bestellfreudigkeit des einzelnen Arztes, ist aber auch Glücksache. Es gibt Ärzte, die stets die Maximalmengen bestellen. Bei Johnson & Johnson zum Beispiel könnten sie theoretisch auch 1000 Dosen pro Woche ordern. Andere Mediziner bestellen zurückhaltend – womöglich deshalb, weil sie den laufenden Praxisbetrieb nicht durch massenhafte Impfungen stören wollen.
  • Aber auch wer viel bestellt, bekommt in der Regel weniger als gewünscht. Denn die Apotheken, bei denen die Ärzte den Stoff bestellen, verteilen die gelieferten, in der Regel zu knappen, Impfdosen anteilig nach der Bestellmenge. Apotheken, bei denen relativ wenige Ärzte bestellen, können unter Umständen mehr liefern als stark frequentierte Apotheken.

Wie viele Hausärzte impfen gar nicht?

  • Die meisten Ärzte in Siegen-Wittgenstein und im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe impfen gegen Corona. Das ist der Eindruck vom Stefan Spieren aus Hünsborn, dem Vorsitzenden des Ärzteverbunds Südwestfalen. „Bei den älteren und alteingesessenen Praxen sind es vermutlich weniger.“ Das liege daran, dass deren Praxisorganisation noch nicht so digital aufgestellt ist. Westfalen-Lippe insgesamt liege bundesweit auf Platz 1 bei der Durchimpfungsquote.

Kreuzimpfung nicht überall als Immunisierung akzeptiert

Welche Vor- und Nachteile hat eine heterologe Impfung?

  • Die Impfung mit zwei verschiedenartigen Impfstoffen – einmal ein mRNA-Impfstoff, einmal ein Vektorimpfstoff – war ursprünglich in den Richtlinien nicht vorgesehen. Das ist jetzt geändert worden, und Dr. Thomas Gehrke hält das für sinnvoll, die Wirksamkeit der Impfung werde dadurch sogar gesteigert. Allerdings gibt er zu bedenken, dass einige Länder die heterologe Impfung (Kreuzimpfung) nicht als Immunisierung akzeptieren. Gehrke nennt Nordamerika, Israel, Australien, Neuseeland und auch England. Hier könnte es schwieriger werden mit der Einreise.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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