Das Alm-Dilemma

 Die (ehemalige) Alm im Licht eines wunderschönen Frühherbstes: Wann hier wieder ein Weizen mit herrlichem Ausblick genossen werden kann, steht derzeit in den Sternen. Foto: thor
  • Die (ehemalige) Alm im Licht eines wunderschönen Frühherbstes: Wann hier wieder ein Weizen mit herrlichem Ausblick genossen werden kann, steht derzeit in den Sternen. Foto: thor
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thor - Wäre alles nach Plan verlaufen, würden sich an dieser Stelle in Dauersberg nicht mehr nur Fuchs und Hase gute Nacht, sondern auch Schreiner und Dachdecker guten Morgen sagen. So aber wird der Schlaf der heimischen Tierwelt durch keinen einzigen Handwerker gestört. Die Alm, oder besser gesagt, das vormals unter diesem Namen weit und breit bekannte Ausflugslokal, ist in einen Dornröschenschlaf gefallen, es fehlen eigentlich nur noch die Dornenranken. Und das ausgerechnet kurz vor dem Almabtrieb, zu dem – auch ohne Alm – hunderte von Besuchern in Dauersberg erwartet werden.

Manch einer wird sich an diesem Tag in purer Schadenfreude ergehen und sich in seiner Meinung bestätigt sehen, dass die Ankündigen der neuen Besitzer nichts als leere Versprechungen waren. Wenn am kommenden Montag dann mit dem Finger Richtung Alm gezeigt wird, sind eigentlich Rüdiger Schneider und Peter Stratmann gemeint. Denn für Außenstehende sieht es derzeit so aus, als würden die beiden Investoren Däumchen drehen und ihre Ankündigen verpuffen lassen.

Gedreht wird tatsächlich, allerdings am Rad. Von Rüdiger Schneider. Wäre es nach ihm gegangen, hätten Fuchs und Hase, Feldmaus und Habicht schon längst eine Petition wegen unzumutbaren Baulärms eingereicht. Schneider will, Schneider kann aber nicht aktiv werden, was in diesem Fall nichts mit fehlenden Baugenehmigungen oder Ärger mit Behörden zu tun tun. Die Ursache für den Stillstand zu erklären, obliegt ausgerechnet Peter Stratmann: „Es liegt an mir“, gestand dieser im Gespräch mit der Siegener Zeitung unumwunden. Aufgrund seiner Trauer um den verstorbenen Pfarrer Georg Koch sehe er sich derzeit außerstande, an dem Projekt weiterzuarbeiten: „Ich glaube, dass die Betzdorfer dafür Verständnis haben.“

Dass es in Sachen Alm so etwas wie eine öffentliche Erwartungshaltung gibt, nimmt er zwar zur Kenntnis: „Damit habe ich aber kein Problem.“ Das sieht bei Rüdiger Schneider ganz anders aus, und das nicht nur, weil er viel mehr unter Menschen ist. „Wir haben auch eine Verantwortung den Leuten gegenüber“, sagt der Inhaber der „Körperwelt“ in Dauersberg. Er hatte zwischenzeitlich mit Architekt Udo Piske die die Planungen für einen Um- und Anbau des Lokales vorangetrieben und sich auch schon Gedanken über einen neuen Namen gemacht. Auch das Gelände wird weiterhin in Ordnung gehalten (die Bäume sind übrigens aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht gefällt worden).

Es ist kein Geheimnis, dass Schneider deutlich mehr Emotionen und Visionen in das Projekt investiert als Stratmann. Daher nehmen ihn auch solche Erlebnisse wie kürzlich an der Nister mit. Dort saß er eigentlich ganz entspannt, bis er von einer Spaziergängerin angeraunzt wurde: „Du hast uns die Alm kaputtgemacht.“

Schneider hat nach eigenen Angaben durchaus Verständnis für die Situation, in der sich sein Freund und Geschäftspartner befindet. Zugleich aber drängt er auf einen Fortschritt in der Sache und hat Stratmann auch schon diverse Optionen vorgeschlagen. Doch der hat bislang kategorisch abgelehnt, seine Anteile zu verkaufen. Das bekräftigte er auch im Gespräch mit der SZ: „Für mich ist das gut angelegtes Kapital.“ Eine zeitliche Perspektive, wann es hier weitergehen könnte, vermag Stratmann momentan nicht zu geben. Nächstes Jahr. Vielleicht.

Mit dieser Ungewissheit kann nun wieder Schneider nur schwer leben. Dass die frühere Alm spätestens 2017 wieder Gäste empfangen muss, steht für ihn außer Frage. Daher wolle er trotz aller Rückschläge weiter das Gespräch mit Stratmann suchen – auch die Freundschaft soll darunter nicht leiden. Eventuell sei es ja möglich, das Grundstück von den gastronomischen Plänen zu trennen, sodass hier eine separate Lösung verwirklicht werden könnte.

So werden die Besucher beim Almabtrieb also nicht bei der Namensgeberin einkehren können, dafür aber beim früheren Pächter Stefan Acher. Denn der hat bekanntlich in Dauersberg seine neue Gaststätte „Zum Öli“ hergerichtet – über deren Gestaltung Schneider übrigens voll des Lobes ist. Das heißt im Umkehrschluss freilich nicht, dass zwischen den Parteien Frieden und Ruhe eingekehrt ist. So fordert Acher über seinen Anwalt noch eine Abstandszahlung im hohen fünfstelligen Bereich von den neuen Besitzern. Eine gütliche Einigung erscheint dabei erneut ausgeschlossen, zumal Schneider auf den katastrophalen baulichen Zustand der Alm verweist: „Eigentlich müsste sie komplett abgerissen werden.“ Doch so weit wird es nicht kommen. Bis Schneider und Piske ihre Umbaupläne aber aus der Schublade holen können, muss erst einmal Stratmann eine Entscheidung treffen – wie immer diese auch ausfallen wird. Thorsten Stahl

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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