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Verkehrskonzept für die Stadt Siegen
Das Auto dominiert die Straßen

Noch drängt das Automobil das Fahrrad zur Seite, beherrscht das Blechvehikel die Straßen des Oberzentrums. Das soll sich langfristig ändern.
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mir Siegen. Er ist (endlich) da, der lange erwartete erste Entwurf eines Verkehrskonzepts für die Stadt Siegen. Offiziell trägt das über 60 Seiten fassende Papier den Namen „Klimaschutzkonzept Mobilität und Verkehrsmodell für die Universitätsstadt Siegen“. Wobei sogleich ein Akzent ins Auge springt: Klimaschutz.
Kfz-VerkehrWer in die Bestandsanalyse einsteigt und erste Einschätzungen liest, wird beim fließenden Verkehr sofort fündig: „Bei den Kfz-Wegen ist ein Verlagerungspotenzial auf den Umweltverbund zu erkennen.“ Wohlgemerkt, diese Aussage wird als „Stärke“ genannt. Bei den „Schwächen“ fällt dieser Satz auf: „Hohe Kfz-Dominanz (73 Prozent aller Wege mit Kfz, Kfz-Nutzung steigt mit Volljährigkeit an und bleibt bis ins hohe Alter).

mir Siegen. Er ist (endlich) da, der lange erwartete erste Entwurf eines Verkehrskonzepts für die Stadt Siegen. Offiziell trägt das über 60 Seiten fassende Papier den Namen „Klimaschutzkonzept Mobilität und Verkehrsmodell für die Universitätsstadt Siegen“. Wobei sogleich ein Akzent ins Auge springt: Klimaschutz.

Kfz-Verkehr

Wer in die Bestandsanalyse einsteigt und erste Einschätzungen liest, wird beim fließenden Verkehr sofort fündig: „Bei den Kfz-Wegen ist ein Verlagerungspotenzial auf den Umweltverbund zu erkennen.“ Wohlgemerkt, diese Aussage wird als „Stärke“ genannt. Bei den „Schwächen“ fällt dieser Satz auf: „Hohe Kfz-Dominanz (73 Prozent aller Wege mit Kfz, Kfz-Nutzung steigt mit Volljährigkeit an und bleibt bis ins hohe Alter).“ Was wollen uns die Autoren (BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH in Aachen) damit sagen? Stimmt, Siegen ist eine Autofahrerstadt mit vorzugsweise auf den Bergen gelegenen Wohngebieten.Überlastete Talachsen zu den Hauptverkehrszeiten werden genannt, und das Potenzial zur Verdrängung des Kfz-Verkehrs sei begrenzt. Noch eine Unsitte wird als „Schwäche“ aufgeführt: Probleme mit dem Bring- und Holverkehr an Schulen.
Beim ruhenden Autoverkehr gibt es nicht so viel zu sagen. Parkhäuser und Parkleitsystem werden als positiv bewertet. Punktuell seien Knotenpunkte durch Parken auf der Fahrbahn eingeschränkt, es gebe Konflikte zwischen Kfz, Bus und Rad bzw. ruhendem Verkehr, halbseitiges Gehwegparken wird als negativ eingestuft.

ÖPNV

In der Analyse nimmt der ÖPNV breiten Raum. Gepaart mit einer Fülle konkreter Punkte, die der Politik als Handlungsempfehlung dienen könnten. Die Lage der Fernbushaltestelle wird als kritisch eingestuft, Geschäftsleute und Volksbank haben dies in der Vergangenheit oft angeprangert.
Für Kaan-Marienborn und das Weißtal wünscht man sich einen Bahnhaltepunkt mit P+R-Anlage. Auch auf dem Lindenberg wäre P+R ein Thema, die bestehende Anlage am Leimbachstadion sollte ausgebaut und besser angebunden werden. Auch der Bahnhof Eiserfeld könnte einen P+R-Parkplatz gebrauchen. Am Seelbacher Weiher freuen sich meist nur Badefreunde über den P+R-Platz, Pendler sieht man dort nur wenige. Ausführlich werden die Stärken im ÖPNV aufgelistet, der ZOB Weidenau und der ZOB Siegen als definierte Mobilstationen werden genannt. Die VWS hätten in umweltfreundliche Fahrzeuge investiert, der Taxibus und die Bus-Apps werden explizit aufgeführt, ebenso die dichte Taktung von Bussen und Bahnen im Berufsverkehr. Lob gibt es fürs schnelle Bahnfahren nach Frankfurt und einen Tadel für die 1,5-fache Fahrzeit per Zug nach Köln und Hagen gegenüber dem Auto. Der ÖPNV hat demzufolge auch Schwächen. Busse seien zu den Hauptzeiten zum Teil überfüllt, Elektro- oder Hybridbusse gebe es nicht. Das Fahrplanangebot in den Abendstunden werde bemängelt, heißt es weiter in der Expertise, einen attraktiven Busverkehr auf den Hauptachsen zu erhöhen, habe aufgrund der Eigenwirtschaftlichkeit Vorrang.

Radverkehr

100 km Radwege haben die Gutachter festgestellt, davon elf Kilometer auf der Vorrangroute mit moderaten Steigungen von Nord nach Süd entlang der HTS und der Sieg. Positiv erwähnt werden das klar definierte Radwegenetz und der Fahrradstadtplan (überarbeitungswürdig), überdurchschnittlich sei die Ausstattung der Siegener Haushalte mit E-Bikes
(13 Prozent). Fahrradboxen seien an sechs Standorten vorhanden.
Schwächen hat der Radverkehr laut Gutachterbüro natürlich auch: „Der Radverkehrsanteil von 4 Prozent heute ist noch ohne Bedeutung.“ Der Radverkehr finde überwiegend im Mischverkehr statt, ein Teil der Bürger fühle sich unwohl. Besonders in warmen Jahreszeiten werde die Vorrang-route von Radfahrern und Fußgängern gleichermaßen benutzt, das gebe Beeinträchtigungen. Man denke nur an die Jogger in der Siegarena. Noch ein Makel: „Es gibt keine öffentliche Ladeinfrastruktur für E-Bikes.“

Fußgänger

Fußgänger gibt es auch in Siegen, sehr viele sogar. Fußgängerzonen, Nahversorgungszentren in allen Stadtteilzentren und gestaltete Straßenräume nennen die Gutachter als Stärken, ebenso die immer wieder angepassten Ampelschaltungen. Punktuell fehlten Überwege, verfügbare Seitenraumflächen seien beschränkt.

Noch drängt das Automobil das Fahrrad zur Seite, beherrscht das Blechvehikel die Straßen des Oberzentrums. Das soll sich langfristig ändern.
Er ist (endlich) da, der lange erwartete erste Entwurf eines Verkehrskonzepts für die Stadt Siegen.
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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