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IHK und Kreishandwerkerschaft ziehen erste Bilanz
Das Azubi-Ticket floppt (noch) in SI und OE

Autofahren ist unter jungen Leuten nach wie vor sehr beliebt. Beim Azubi-Ticket hinken allerdings die Nutzerzahlen hinter den Erwartungen zurück. 700 Fahrkarten sind bisher verkauft worden, 10 000 Auszubildende und Berufsschüler wären in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe bezugsberechtigt.  Archivfoto: djd/CVC Tuning
  • Autofahren ist unter jungen Leuten nach wie vor sehr beliebt. Beim Azubi-Ticket hinken allerdings die Nutzerzahlen hinter den Erwartungen zurück. 700 Fahrkarten sind bisher verkauft worden, 10 000 Auszubildende und Berufsschüler wären in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe bezugsberechtigt. Archivfoto: djd/CVC Tuning
  • hochgeladen von Michael Roth (Redakteur)

mir  Siegen/Olpe. Die Fakten liegen auf dem Tisch: 10 000 Azubis (und Berufsschüler) wären in Siegen-Wittgenstein und Olpe anspruchsberechtigt, das seit 1. August angebotene Azubi-Ticket zu nutzen. Ganze 700 Monatsfahrkarten (62 Euro im Westfalen-Tarif, 82 Euro für ganz NRW) sind bisher im Umlauf. Am Mittwoch nahmen Kreishandwerkerschaft und IHK Stellung: „Mehr Strecken und ein höherer Takt sind die Grundvoraussetzungen, damit das Angebot funktionieren kann.“
Angebot für Metropolen gut, nicht für SüdwestfalenJürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, sieht in dem Ticket ein attraktives Angebot, die landesweite Gültigkeit für gerade einmal 20 Euro mehr, sei ein bedeutender Mehrwert. Aber: „Das Azubi-Ticket kommt in unserem Wirtschaftsraum faktisch nicht an.

mir  Siegen/Olpe. Die Fakten liegen auf dem Tisch: 10 000 Azubis (und Berufsschüler) wären in Siegen-Wittgenstein und Olpe anspruchsberechtigt, das seit 1. August angebotene Azubi-Ticket zu nutzen. Ganze 700 Monatsfahrkarten (62 Euro im Westfalen-Tarif, 82 Euro für ganz NRW) sind bisher im Umlauf. Am Mittwoch nahmen Kreishandwerkerschaft und IHK Stellung: „Mehr Strecken und ein höherer Takt sind die Grundvoraussetzungen, damit das Angebot funktionieren kann.“

Angebot für Metropolen gut, nicht für Südwestfalen

Jürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, sieht in dem Ticket ein attraktives Angebot, die landesweite Gültigkeit für gerade einmal 20 Euro mehr, sei ein bedeutender Mehrwert. Aber: „Das Azubi-Ticket kommt in unserem Wirtschaftsraum faktisch nicht an. Wir hier im ländlichen Raum spüren die Nachteile.“ Sein Pendant auf IHK-Seite, Klaus Gräbener (IHK-Hauptgeschäftsführer) sieht erneut Rhein und Ruhr im Vorteil, nicht Südwestfalen: „Das Angebot wird den Metropolen nutzen, nicht uns.“

212 Unternehmen haben sich an einer Umfrage zum Azubi-Ticket beteiligt. Mit ernüchternden Zahlen. 64 Prozent der Auszubildenden hätten nur ein geringes oder gar kein Interesse. Schlecht erreichbar, zeitlich ungeeignet und lange Wartezeiten seien als hinderliche Faktoren genannt worden.

72 Prozent der jungen Leute fahren Auto

Das größte Hemmnis: das Auto. 72 Prozent der Azubis kommen mit dem eigenen Pkw, Mofa oder Moped zur Arbeit. Nur 16 Prozent nutzen den gängigen ÖPNV, 7 Prozent greifen auf Mitfahrgelegenheiten zurück. Und gerade einmal 1,4 Prozent fahren mit dem Rad zum Betrieb. Haßler: „Vier Fünftel der Befragten haben gesagt, die Infrastruktur des ÖPNV müsse besser werden, um eine höhere Akzeptanz zu erreichen.“ Gräbener hat Zweifel, ob sich der Trend umkehren lässt: „Junge Leute vom Auto wegholen, kann man das erreichen?“

Eine Grundskepsis bei den Unternehmen sei vorhanden, sagt Gräbener . Gerne werde man die Umfrage in einem Jahr wiederholen, um zu sehen, ob sich die Lage vielleicht doch gebessert habe.

Das Land NRW fördert das Ticket in Westfalen 2019 und 2020 mit 6,5 Mill. Euro, für das Upgrade auf ganz NRW kommen noch einmal 7 Mill. Euro hinzu. Gräbener: „Es ist ärgerlich, dass in unserer Region nicht zunächst die bestehenden Defizite in der Anbindung behoben werden. So wird der zweite vor dem ersten Schritt getan.“

Dabei sind die Unternehmen durchaus positiv gestimmt. 59 Prozent finden dieses Instrument sinnvoll, 43 Prozent wollen sich an den Kosten beteiligen, also den Azubis einen Teil der monatlichen Kosten erstatten. Die meisten Geschäftsleitungen (58 Prozent) hegten Zweifel, ob das Azubi-Ticket Nachwuchskräfte vom eigenen Unternehmen überzeugen könne. Klaus Fenster: „Das Ticket dient also nicht der Fachkräftesicherung.“ Die Fahrtkosten an sich spielten bei jungen Leuten keine Rolle, wenn sie sich für diesen und nicht einen anderen Ausbildungsbetrieb entschieden.

Hindernis: Morgens früh um 6 Uhr beginnt die Schicht

Klaus Fenster hat noch ein bedeutendes Hemmnis ausgemacht: „In unseren vielen Metallbetrieben beginnt die morgendliche Schicht um 6 Uhr in der Frühe, da ist der Bus kein passendes Transportmittel.“ Und noch etwas: Die IHK vermutet ganz stark, dass die 700 Azubi-Tickets in Südwestfalen fast durchweg von Vollzeitberufsschülern und kaufmännischen Auszubildenden gekauft und genutzt werden. In Gesprächen mit Personalverantwortlichen, zum Beispiel dem größten Betrieb in Geisweid, sei sinngemäß klar gesagt worden: „Minderjährige, ja die fahren mit Bus und Bahn, weil sie es müssen. Wenn die Azubis 18 Jahre alt werden, steigen die aufs eigene Auto um.“

Ein Problemfeld: das südliche Siegerland, Teile der Region sind mit Bussen und Bahnen schlecht zu erreichen. Dort gibt es eine besondere Initiative: das Mitfahren überbetrieblich organisieren. Und zwar mit einer App. Der IHK ist aufgefallen, dass genau dazu eine Dissertation an der Uni Siegen erstellt wird. Die Info fand den Weg zum Arbeitskreis Burbacher Unternehmen.

App soll das Mitfahren im Süd-Siegerland forcieren

Jetzt laufen Gespräche, die App im nächsten Frühjahr an den Start zu bringen. Fenster: „Wenn es klappt, und davon gehe ich aus, werden wir die App größer aufzuziehen.“ Wer fürs Mitfahren sein Auto zur Verfügung stellt, könnte mit Tankgutscheinen oder anderen Vergünstigungen gelockt werden. Fenster: „Man sollte den Fahrern was gönnen.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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