Das Ende einer Ära

Den Blumendank des Film- und Video-Club Siegerland überreicht Hans-Peter Gebhardt an Wirtin Ursula Peikert, in deren Gaststätte der Verein für 48 Jahre sein Clublokal hatte. Foto: Verein
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sz Siegen. Nun ist es soweit – leider: Das langjährige Clublokal des Film- und Video-Club Siegerland, die „Gaststätte Diesel“ an der Leimbachstraße schließt Ende Juli für immer ihre Pforten. Wehmut lag jetzt am letzten Clubabend in den Gesichtern der Clubmitglieder, als Vorsitzender Hans-Peter Gebhardt der Wirtin Frau Ursula Peikert zum Dank einen besonderen Blumenstrauß überreichte. „Einen so großen Strauß, wie Sie ihn verdient haben, kann man gar nicht binden!“ Dabei unterstrich er besonders die sehr freundliche Art, mit der Frau Peikert mit Menschen umzugehen versteht. „Wir Filmer sind schon manchmal recht eigenwillige Individualisten, aber Sie haben das alles bestens gemeistert“.

Und dann begann die Rückschau: Nicht lange nach Bau und Eröffnung 1960 durch den Vater der jetzigen Betreiberin, Kurt Diesel, fand sich der damalige Schmalfilmclub Siegerland unter dem Vorsitz von Kurt Gerhard ein und zeigte jeweils am ersten Mittwoch im Monat Filme für die Clubmitglieder, aber vor allem auch für die Siegerländer Öffentlichkeit. Für 48 Jahre war die Gaststätte, die 1965 von Ursula Peikert, der Tochter, übernommen wurde, das Clublokal. Da in den Anfangsjahren auch ein Clubstudio für Arbeitsabende fehlte, war dort auch der Treffpunkt für die Mitglieder, wo sich der Zusammenhalt festigen konnte, wo der Club gewachsen ist. Ohne die Gaststätte Diesel wäre das alles viel schwieriger gewesen.

Wie viele Filme in der Zeit über die Leinwand geflimmert sind, kann man beim besten Willen nicht sagen, aber die Veränderungen der Zeit sind den immer noch aktiven Gründungsmitgliedern Harald Frank (der 30 Jahre den Vorsitz hatte und heute Ehrenvorsitzender ist) und Peter Ungethüm – und nicht nur diesen beiden – sehr gut in Erinnerung: Anfangs war es der 16-mm-Film, den sich aber nur wenige leisten konnten. Aber noch heute sind einige dieser Filme aus der Anfangszeit vorhanden. Dann war es der 8-mm-Film, der das Geschehen bestimmte. Dabei wurde der Film langsam farbig, auch der Ton sollte nun nicht fehlen. Und dann kam der Super-8-Film, mit größerem Bildfenster, dank schlankerer seitlicher Perforation und damit verbunden mehr Brillanz in noch schärferen Filmbildern. Als dann die magnetische Bildaufzeichnung im Amateurbereich nutzbar wurde, dauerte es nicht lange, bis auch im Amateurfilmclub Siegerland das neue Medium Einzug hielt. Lange noch behauptete sich aber auch der S-8-Film daneben, bis auch das letzte Clubmitglied auf Video umstieg. Da war die Videoaufzeichnung schon lange digital geworden.

Der Name wurde abermals den neuen Gegebenheiten angeglichen: Heute ist es der Film- und Video-Club Siegerland, aber immer ist das Motto gleich geblieben: Mach was, mach Filme. Und das haben die Mitglieder ausgiebig getan und bei Diesels den Zuschauern präsentiert. Gelegentlich wurden auch Gäste eingeladen, um ihre Filme dort zu zeigen, aber das war die Ausnahme. Meist waren es „Siegerländer Filme“, die von dem vielfältigen Schaffen der hiesigen Filmer zeugten.

Beim letzten Clubabend musste manche einer heftig gegen feuchte Augen ankämpfen. „Wir werden Sie vermissen, wenn wir uns am ersten Mittwoch im September in der Jahn-Gaststätte zusammenfinden,“ meinte auch der zweite Vorsitzende, Paul Riedel.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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