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Weihnachten im Januar
Das Fest der russisch-orthodoxen Christen

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ap Niederschelden. Viele von uns dekorieren noch vor Silvester den Baum ab, räumen Lichterketten, Dekosternchen & Co. in den Keller und verbannen das Spritzgebäck nach all der Festtags-Völlerei in die Tiefen der Schränke, wenn es nicht längst schon im Bauch gelandet ist. Doch ein kleiner Teil der Christen kommt dann erst so richtig in Weihnachtsstimmung – so wie die russisch-orthodoxe Gemeinde der Hl. Neumärtyrerin Zarin Alexandra. Die rund 100 Mitglieder der Glaubensgemeinde in der Dreisbach zelebrieren das Weihnachtsfest nämlich genau 13 Tage später als die katholische oder evangelische Kirche. Grund dafür sind unterschiedliche Zeitrechnungen.
Fastenzeit beginnt 40 Tage vor Heiligabend
„Wir orientieren uns an dem julianischen Kalender“, erklärt Priester Kirill Kreps.

ap Niederschelden. Viele von uns dekorieren noch vor Silvester den Baum ab, räumen Lichterketten, Dekosternchen & Co. in den Keller und verbannen das Spritzgebäck nach all der Festtags-Völlerei in die Tiefen der Schränke, wenn es nicht längst schon im Bauch gelandet ist. Doch ein kleiner Teil der Christen kommt dann erst so richtig in Weihnachtsstimmung – so wie die russisch-orthodoxe Gemeinde der Hl. Neumärtyrerin Zarin Alexandra. Die rund 100 Mitglieder der Glaubensgemeinde in der Dreisbach zelebrieren das Weihnachtsfest nämlich genau 13 Tage später als die katholische oder evangelische Kirche. Grund dafür sind unterschiedliche Zeitrechnungen.

Fastenzeit beginnt 40 Tage vor Heiligabend

„Wir orientieren uns an dem julianischen Kalender“, erklärt Priester Kirill Kreps. Die meisten Christen in Europa hielten sich hingegen an das „neue“ gregorianische Kalendarium. Und nicht nur in diesem Punkt unterscheiden sich die „Altkalendarier“ von anderen Kirchen.

40 Tage vor Heiligabend beginnt bei ihnen die Fastenzeit – am 11. November. „Wir ernähren uns in dieser Zeit vegan, also ganz ohne tierische Produkte“, erläutert der russisch-orthodoxe Priester und Vater von drei Kindern. Von dieser Tradition leitet sich im Übrigen auch der Begriff Karneval (lateinisch: carne vale) ab, der übersetzt so viel heißt wie: „Fleisch, leb wohl.“

Beim Betreten des Gotteshauses fallen direkt die vielen bunten goldverzierten Darstellungen von Jesus und den Heiligen ins Auge, die Priester Kirill Kreps sowie die Mitglieder der russisch-orthodoxen Gemeinde in diesen Tagen besonders ehren.
  • Beim Betreten des Gotteshauses fallen direkt die vielen bunten goldverzierten Darstellungen von Jesus und den Heiligen ins Auge, die Priester Kirill Kreps sowie die Mitglieder der russisch-orthodoxen Gemeinde in diesen Tagen besonders ehren.
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Die Gläubigen sollen in dieser Zeit ihren Körper reinigen, um dann am 6. und 7. Januar die Menschwerdung Christi angemessen würdigen zu können. Anders als wir feiern die orthodoxen Russen nicht die Geburt Christi, sondern das Fest der „Erscheinung des Herrn“, der sein allwissendes Wesen für die Menschheit geopfert hat. „Dieser Gedanke ist für uns das Wichtigste an Weihnachten. Alles andere ist zweitrangig“, betont Kreps und veranschaulicht die russisch-orthodoxe Auffassung mit einem Beispiel.

Wenn man seine Kinder schon damit betrügt,
macht man es dann auch mit Christus?
Priester Kirill Kreps
über den Weihnachtsmann

Keine große Bescherung

„Stellen Sie sich vor, Sie haben eine neue Stelle. Ein absoluter Traumjob, tolle Kollegen, die Arbeit macht Spaß. Und dann fragt Sie jemand, ob es eine gute Kaffeemaschine im Büro gibt.“ Der 43 Jahre alte Siegener stockt für einen Moment. „Natürlich ist es gut, wenn man eine hat. Aber darum geht es in erster Linie doch gar nicht.“

Aus diesem Grund fielen auch die Präsente in der Regel nicht so groß aus. „Nach dem Gottesdienst bekommen die Kinder von der Gemeinde ein kleines Geschenk.“ Kreps gewährt einen kurzen Blick in die gepunkteten Papiertüten: eine Flasche Apfelsaft, Mandarinen, Nüsse und ein bisschen Schokolade. Zu Hause liege für die Sprösslinge dann meistens aber auch noch eine Kleinigkeit unter dem Weihnachtsbaum. „Die Tradition mit dem Baum haben wir übernommen.“

Brot und Wein von ein und demselben Löffel

Welche weiteren Gemeinsamkeiten oder Unterschiede es zu anderen Christen gibt, könne er aber nicht genau sagen. „Ich kenne ja nur unsere Art, Weihnachten zu feiern.“ In seiner Gemeinde findet am 6. Januar, dem „Sochelnik“ – so heißt der Heilige Abend auf Russisch – ein Abendgottesdienst statt. Am nächsten Tag beginnt morgens um halb zehn die zweieinhalbstündige Heilige Liturgie. „Das ist das Kürzeste, das wir haben.“ Der Priester schmunzelt. Für ihn startet der Tag schon deutlich früher um 7 Uhr mit Vorbereitungen im Gotteshaus. Vor der Messe kämen erfahrungsgemäß noch einige zur Beichte.
Danach werde gebetet, gesungen – und eigentlich auch gemeinsam gespeist. „Wegen Corona geht das ja leider nicht“, sagt Kreps mit bedauerndem Blick. Auch die Kommunion, bei der er normalerweise allen Gläubigen ein Brotstückchen mit Wein von ein und demselben Löffel reicht, müsse momentan ein wenig abgewandelt werden. Die Übergabe von „Blut und Leib“ findet ohne Löffel-Lippen-Kontakt statt – und jede Familie sitzt zum Essen nur im kleinen Kreis zusammen.

Es geht nicht um die Geschenke

„Bei uns zu Hause wird es ein Geflügelgericht und Salate geben“, freut sich der 43-jährige Familienvater schon jetzt. Danach findet die kleine Bescherung für die Kinder statt. Die Geschichte vom Weihnachtsmann, sagt er, werde in vielen Familien an die Sprösslinge weitergegeben, andere verzichteten darauf aber lieber. „Wenn man seine Kinder schon damit betrügt, macht man es dann auch mit Christus?“ Diese Frage könne beim Nachwuchs möglicherweise dann irgendwann einmal aufkommen. Seine Kinder wüssten jedenfalls, dass er es ist, der die Geschenke bringt. „Aber darum geht es ja gar nicht.“

Beim Betreten des Gotteshauses fallen direkt die vielen bunten goldverzierten Darstellungen von Jesus und den Heiligen ins Auge, die Priester Kirill Kreps sowie die Mitglieder der russisch-orthodoxen Gemeinde in diesen Tagen besonders ehren.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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