Das Fläschchen ins Täschchen

Parfüm- und Pulloverdiebstahl wurde gegen eine Geldbuße eingestellt

pebe Siegen. Nur der Anklagevorwurf war anrüchig, nicht aber das mutmaßliche Diebesgut: Zwei Fläschchen Parfüm, 64 und 49 e teuer, und ein Pullover für 99 e sollten in den Taschen eines 27-jährigen Doktoranden verschwunden sein, klagte Oberamtsanwalt Benjamin Schneider vor Richterin Claudia Neumann an. Die schaute zum angehenden Titelträger hinüber: »Sie haben bei der Polizei unterschrieben, dass Sie es gewesen sind.« Der Promotionsstudent, von Finanzengpässen geplagt, nickte. Das habe er aber nur getan, weil er kurz vor Beginn der Schicht gestanden und Angst gehabt habe, dass er seinen Job verlieren könne. In Wirklichkeit sei alles ja ganz anders gewesen. Aufmunternd blickt die Richterin ihn an.

Er habe einen Kommilitonen getroffen, der ihm seinerzeit beim Einleben geholfen habe. Und der habe ihm beim Verlassen des Bekleidungsgeschäfts einen Pulli in die Hand gedrückt, »den sollte ich einstecken, der sei bezahlt«. Dann habe er noch zwei Parfüms gebraucht, »die hatte ich in der Hand, aber nicht eingesteckt«, als der Kaufhausdetektiv ihn angesprochen habe. Nein, Zeugen habe er nicht für diese Version der Geschichte, und einen Namen nannte er auch nicht, aber: »Ich bin verantwortlich für die Sache, was soll ich machen?«

Der Kaufhausdetektiv erinnerte sich noch genau an den Vorfall. Der Angeklagte habe zwei Flaschen Parfüm aus dem Regal genommen, in einer anderen Abteilung die Sicherheitsetiketten entfernt und die Fläschchen dann eingesteckt. »Hätte die Entfernung der Etiketten ein Versehen sein können?« fragte die Richterin. Der Detektiv verneinte. Die Etiketten seien aufgeklebt, da müsse man sich schon Mühe geben, um die abzubekommen. »Warum entfernen Sie die Etiketten, wenn Sie die Ware kaufen wollen?« fragte Neumann nun den Angeklagten. Der blieb die Antwort schuldig. Die Kriminalbeamtin, die den Titelkandidaten vernommen hatte, bestätigte, er habe die Diebstähle zugegeben.

»Das find’ ich sehr schade, dass Sie das gemacht haben«, wandte sich die Richterin an den 27-Jährigen und fragte dann den Anklagevertreter, ob er denn wohl eine Einstellung gegen eine Geldbuße vorschlagen könne. Nach einigem Überlegen nickte Schneider: »Wenn die Auflage hoch genug ist«; außerdem sei der Angeklagte nicht vorbestraft.

So stellte die Richterin das Verfahren gegen eine Geldbuße von 600 e und eine Ermahnung ein: »Wenn Sie nicht zahlen, geht es von vorn los.« die Einstellung sei eine Chance für ihn, denn so bleibe ihm die Eintragung ins Vorstrafenregister erspart – eine wichtige Voraussetzung, um mit dem Doktortitel einen Job zu bekommen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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