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Drohnen-Piloten müssen ab sofort Neuerungen beachten
Das Fliegen wird komplizierter

Das Fliegen mit Multikoptern ist seit dem 1. Januar EU-weit in vielen Bereichen einheitlich geregelt. Für Drohnenpiloten ändert sich einiges.
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  • Das Fliegen mit Multikoptern ist seit dem 1. Januar EU-weit in vielen Bereichen einheitlich geregelt. Für Drohnenpiloten ändert sich einiges.
  • Foto: Jörg Winkel
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

win Siegen/Olpe/Betzdorf. Es ist wie mit der Rechtschreibreform: Wenn etwas oft genug falsch gemacht wird, kann es vorkommen, dass es irgendwann für richtig befunden wird. So bei den Drohnen. Fast jeder weiß, dass damit heutzutage in erster Linie nicht die männlichen Bienen oder Wespen gemeint sind, sondern ferngesteuerte Fluggeräte, die einen wahren Siegeszug angetreten haben. Dabei heißen die eigentlich nicht „Drohne“, sondern „Multikopter“. Inzwischen hat sich der Begriff „Drohne“ aber durchgesetzt, sodass auch hier beide Bezeichnungen analog verwendet werden.

win Siegen/Olpe/Betzdorf. Es ist wie mit der Rechtschreibreform: Wenn etwas oft genug falsch gemacht wird, kann es vorkommen, dass es irgendwann für richtig befunden wird. So bei den Drohnen. Fast jeder weiß, dass damit heutzutage in erster Linie nicht die männlichen Bienen oder Wespen gemeint sind, sondern ferngesteuerte Fluggeräte, die einen wahren Siegeszug angetreten haben. Dabei heißen die eigentlich nicht „Drohne“, sondern „Multikopter“. Inzwischen hat sich der Begriff „Drohne“ aber durchgesetzt, sodass auch hier beide Bezeichnungen analog verwendet werden.

Neuer Hobbyzweig entstanden

Anders als bei herkömmlichen ferngesteuerten Flugzeug- oder Helikoptermodellen ist für die computer-unterstützt fliegenden Multikopter kein enormes Fachwissen und Können von den Bedienerinnen oder Bedienern erforderlich. Einige nutzen die neuartigen Fluggeräte zum Sport – die meisten aber haben sich Multikopter angeschafft, weil diese oft über eingebaute Kameras verfügen und so die Möglichkeit bieten, eigene Luftaufnahmen zu machen – ein neuer Hobbyzweig ist daraus entstanden. Bei rund 300 Euro beginnt der Spaß, für diese Summe sind brauchbare kleine Multikopter mit einer mehr als nur schnappschussfähigen Kamera zu haben.

Immer neue Verwendungszwecke

Doch auch vom reinen Spaß abgesehen, finden Multikopter immer neue Verwendungszwecke: Windkraftbetreiber fliegen damit ihre Anlagen ab, um sich einen Überblick über den Zustand zu verschaffen. Dachdeckerbetriebe setzen Drohnen ein, um ohne Leiter und Gerüst rasch von oben auf ein Haus schauen zu können und nötige Arbeiten einschätzen zu können. Architektinnen und Architekten fotografieren Grundstücke oder Gebäude mit Hilfe von Drohnen, um Draufsichten zu bekommen, die früher für viel Geld via Flugzeug oder Satellit angefertigt werden mussten. Landwirte nutzen spezielle Drohnen mit Wärmebildkameras, um vor der Mahd im tiefen Gras liegende Rehkitze aufzuspüren.
Doch seit dem 1. Januar ist vieles neu, was den Betrieb von Multikoptern angeht. Denn mit Anbruch des Jahres 2021 gelten EU-weit einheitliche Verordnungen, und die sorgen dafür, dass sich für fast alle Drohnenpiloten in Deutschland etwas ändert.

Neuerungen für Nutzer von Kamera-Drohnen

Von den Neuerungen durch die EU-Drohnenverordnung praktisch nicht betroffen sind Nutzer sogenannter Spielzeugdrohnen. Diese müssen leichter als 250 Gramm und dürfen zudem nicht mit einer Kamera ausgestattet sein. Auf diese Geräte wird hier nicht weiter eingegangen. Für alle Nutzer von Kamera-Drohnen indes gelten Neuerungen.

  • Zum einen gibt es nun ein Mindestalter. Ab sofort darf nur an den Steuerknüppel der Drohnen-Fernbedienung, wer mindestens 16 Jahre alt ist. Zum anderen müssen sich alle Drohnen-Pilotinnen und Piloten beim Luftfahrtbundesamt registrieren lassen und die dabei zugeteilte Nummer sichtbar an ihrer Drohne anbringen. Hier gilt eine Übergangsfrist bis Ende April, bis dahin muss aber ersatzweise und ab sofort ein Schild mit Name und Adresse des Drohnenpiloten fest an der Drohne angebracht sein, auch bei solchen Fluggeräten, bei denen das bisher noch nicht vorgeschrieben war.
  • Künftig wird gleich doppelt mit Klassen gearbeitet. Zum einen erfolgt eine Einteilung neu auf den Markt kommender Drohnen in fünf Risikoklassen: von C0 bis C4, wobei die Klasse C0 Drohnen unter 250 Gramm und C3/C4 bis 25 Kilogramm schwere Profi-Geräte umfasst. Alle derzeit auf dem Markt befindlichen oder schon im Einsatz befindlichen unbemannten Fluggeräte können nicht nachträglich zertifiziert werden, sondern sind als „Bestandsdrohnen“ unter Übergangsregelungen gestellt (siehe Extrakasten).
  • Drei sogenannte Anwendungsszenarien wurden geschaffen, von denen für Hobbypiloten aber nur die Kategorie „open“ (offen) von Relevanz ist, die strengeren Szenarien „specific“ und „certified“ werden hier außen vor gelassen.
  • Alle Drohnen ab 250 Gramm Abfluggewicht machen ab sofort einen von zwei verschiedenen „Führerscheinen“ nötig. Recht einfach, weil online abzulegen, und derzeit noch kostenlos ist der „Kenntnisnachweis A1/A3“. Wer Drohnenflüge der Unterkategorie A2 unternehmen will, benötigt den „großen Drohnenführerschein“, der zwar auch im Selbststudium erarbeitet werden kann, aber erst nach einer Theorieprüfung bei einer vom Luftfahrtbundesamt anerkannten Stelle verliehen wird und mehrere hundert Euro kostet. A2 wird beispielsweise nötig, wenn mit einer mehr als 250 Gramm schweren Drohne in Wohngebieten geflogen werden soll.
  • Einige wenige Regeln sind künftig weniger streng als bisher. So gilt ab nun eine Flughöhe von bis zu 120 Metern – 20 mehr als bisher.
  • Größter Vorteil der Neuerungen: Ab sofort ist das Drohnenfliegen nicht mehr als Ländergrenzen gebunden. Der in Niederschelden registrierte Drohnenpilot darf nun auch in Schelderhütte fliegen und fotografieren. Sogar der Aufstieg der deutschen Drohne in einem anderen EU-Land ist künftig kein Problem mehr – allerdings gelten weiterhin landesspezifische Gesetze, die zum Teil strenger sein können als die EU-Vorschriften und die im Einzelfall geprüft werden sollten.
  • Bisher nur geplant ist die Einrichtung fester Flug- und Flugverbotszonen. Die Drohnenpiloten sollen sich dann über ein Online-System informieren können, wo sie ihr Fluggerät aufsteigen lassen dürfen und wo nicht. Vermutlich wird dies dann über eine App des Smartphones geregelt, das in den meisten Fällen zur Steuerung des Multikopters verwendet wird. Bis dieses GEO genannte System zur Verfügung steht, gelten die alten Regelungen weiter, also 1,5 Kilometer Abstand zu Flugplätzen, 100 Meter seitlicher Abstand zu Autobahnen oder Bahnstrecken. Weiterin dürfen Privatgrundstücke nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Eigentümers überflogen werden.
Zahlreiche Übergangsregelungen für vorhandene Multikopter Noch gibt es keine zertifizierten Drohnen, die in die neuen Klassen C0 bis C4 eingeteilt sind. Für Bestandsdrohnen gelten daher abweichende Regelungen. Am besten dran sind Besitzer von Fotodrohnen unter 250 Gramm Abfluggewicht, etwa der beliebten DJI Mavic Mini: Sie dürfen unbegrenzt weiterhin genutzt werden, und zwar ganz ohne „Führerschein“ und unter allen Betriebsbedingungen (A1 bis A3). Drohnen von 250 bis 499 Gramm dürfen bis Ende 2022 mit dem kleinen „Führerschein“ auch in der Kategorie A1 genutzt werden. Ab 2023 dürfen diese Geräte nur noch in der Kategorie A3 starten. Drohnen von 500 bis 1999 Gramm Abfluggewicht erfordern ab sofort das EU-Fernpiloten-Zeugnis – mit einer Ausnahme: Flüge der Unterkategorie A3 dürfen auch ohne dieses Zeugnis erfolgen, hierfür genügt der EU-Kompetenznachweis. Dies sind Flüge weit weg von Menschen und mindestens 150 Meter von Wohn-, Gewerbe-, Industrie- oder Erholungsgebieten entfernt. Will ein Drohnenpilot aber beispielsweise mit seiner DJI Phantom 4, einem der meistverkauften Multikopter, in der Unterkategorie A2 (Flug in sicherer Entfernung zu unbeteiligten Personen) aufsteigen, muss der „große Drohnenführerschein“ vorliegen. Anders als bei leichteren Drohnen gilt dann hier aber ein Mindestabstand von 50 statt 30 Metern. Die Kategorie A1 (Flug in der Nähe von Menschen ohne Überflug unbeteiligter Personen) bleibt untersagt. Auch diese Ausnahmeregelung endet 2023, dann gilt auch für diese Drohnen: Start nur noch in der Unterkategorie A3. Weiterhin gilt für alle diese Drohnen eine Versicherungspflicht – auch für die unter 250 Gramm, wenn sie mit einer Kamera ausgestattet sind. Für die allen Pilotinnen und Piloten künftig vorgeschriebene Registrierung soll bald eine Gebühr erhoben werden, die Rede ist von 30 bis 40 Euro. Weil aber der entsprechende Erlass noch nicht vorliegt, ist dieser Schritt bis auf weiteres kostenlos. Er kann via Internet unter https://kurzelinks.de/t3e0 vorgenommen werden.
Das Fliegen mit Multikoptern ist seit dem 1. Januar EU-weit in vielen Bereichen einheitlich geregelt. Für Drohnenpiloten ändert sich einiges.
Wer die Drohnen-Fernbedienung in der Hand hält, muss ab sofort mindestens 16 Jahre alt sein.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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