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Forschungskolleg Siegen nach zehn Jahren aufgelöst
Das Fokos macht dicht

Voll besetzte Reihen im Fokos: das wird es in Zukunft nicht mehr geben.
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  • Voll besetzte Reihen im Fokos: das wird es in Zukunft nicht mehr geben.
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ihm Weidenau. Als Gesundheitsminister Jens Spahn vor zwei Jahren über die innovativen Ansätze digitaler Gesundheitsforschung in Siegen staunte, war die Fokos-Welt noch intakt. Im ehemaligen Sparkassengebäude an der Weidenauer Straße drängten sich die Siegener, um den prominenten Gast aus Berlin zu sehen und zu hören. Die vielen Gäste sonnten sich auch ein wenig in dem Glanz, den das Forschungskolleg „Zukunft menschlich gestalten“ weit über die Grenzen der Region ausstrahlte.

Nun gibt es das Fokos als universitäre Einrichtung nicht mehr. Senat und Hochschulrat haben die Aufhebung der Ordnung beschlossen, auf der das ehrgeizige Projekt fußte. Den für das Gebäude in Weidenau bis 2024 laufenden Mietvertrag wird die Universität erfüllen. Die Mitarbeiter sind versetzt worden. Direktor Prof.

ihm Weidenau. Als Gesundheitsminister Jens Spahn vor zwei Jahren über die innovativen Ansätze digitaler Gesundheitsforschung in Siegen staunte, war die Fokos-Welt noch intakt. Im ehemaligen Sparkassengebäude an der Weidenauer Straße drängten sich die Siegener, um den prominenten Gast aus Berlin zu sehen und zu hören. Die vielen Gäste sonnten sich auch ein wenig in dem Glanz, den das Forschungskolleg „Zukunft menschlich gestalten“ weit über die Grenzen der Region ausstrahlte.

Nun gibt es das Fokos als universitäre Einrichtung nicht mehr. Senat und Hochschulrat haben die Aufhebung der Ordnung beschlossen, auf der das ehrgeizige Projekt fußte. Den für das Gebäude in Weidenau bis 2024 laufenden Mietvertrag wird die Universität erfüllen. Die Mitarbeiter sind versetzt worden. Direktor Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Kopf des Forschungskollegs, spricht etwas euphemistisch von „institutioneller Reorganisation“, die inhaltlich keine Beeinträchtigung bedeute.

Drei Ziele formuliert

De facto ist das auf zehn Jahre angelegte Projekt aber zu Ende. Das Fokos hatte vor allem drei Ziele:

  • die Forschung an der Universität Siegen interdisziplinär zu vernetzen,
  • die Forschungsaktivitäten an der Hochschule zu stärken,
  • den Transfer der Forschungsergebnisse in die Region und den Austausch mit der Öffentlichkeit zu fördern.

Mit zahlreichen großen und kleinen Veranstaltungen verfolgten zunächst Prof. Dr. Carsten Hefeker als Gründungsdirektor und ab 2016 sein Nachfolger Björn Niehaves diese Ziele. Die Forschungsthemen waren breit gestreut. Es ging um die Stadt der Zukunft, um Ökonomie, um die Gestaltung der Arbeitsplätze von morgen, um Gründerkultur, Datenschutz und Raucherentwöhnung, um bedingungsloses Grundeinkommen und Virtual Reality, die man bei Fokos einfach mal ausprobieren konnte.

Medizin rückt in den Fokus

In den letzten Jahren standen immer stärker medizinische Themen im Vordergrund. Selbstbestimmt leben im hohen Alter, digitale Unterstützung für Mediziner, die digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck, Telemedizin – für all das fanden Forscher im Fokos offene Türen. Und stets suchte man den Austausch mit der Öffentlichkeit und der Stadtgesellschaft.

Volles Haus hatte das Forschungskolleg Siegen im Mai 2019, als Gesundheitsminister Jens Spahn sich von Fokos-Direktor Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves die Siegener Ideen zu „Medizin neu denken“ erläutern ließ.
  • Volles Haus hatte das Forschungskolleg Siegen im Mai 2019, als Gesundheitsminister Jens Spahn sich von Fokos-Direktor Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves die Siegener Ideen zu „Medizin neu denken“ erläutern ließ.
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Finanziert hat sich das Forschungskolleg nicht nur über die Universität und projektbezogene Forschungsmittel, sondern auch das Land und die Sparkasse gaben je 5 Millionen Euro für die Arbeit. Die zusätzliche Finanzbasis lief im vergangenen Jahr allmählich aus – und es zeichnete sich ab, dass die Hochschule allein den Aufwand nicht würde stemmen können.

Die Evaluation, an der zahlreiche Akteure beteiligt waren, hat nach Informationen der SZ zutage gefördert, dass man nicht alle Erwartungen im Bereich der Forschung erfüllt sah. Die gewünschte Breite sei nicht überall erreicht worden, hieß es. Dabei hätten die Fakultäten der Hochschule eine gewisse Konkurrenz durch das Fokos gespürt – Drittmittel, die für Projekte des Forschungskollegs akquiriert wurden, flossen eben nicht in die Fakultäten. Die Verantwortlichen wollen nun die Forschung wieder in die Fakultäten verlagern – ob die angestrebte Interdisziplinarität darunter leidet, wird sich zeigen.

"Alle Projekte laufen nun mit Fakultätszuordnung an verschiedensten Stellen in der Universität weiter."
Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves
Fokos-Direktor ab 2016

Björn Niehaves beurteilt den Einschnitt als nicht so drastisch: „Ich kann nachvollziehen, dass die Veränderungen von außen als größer wahrgenommen werden, als wir sie von innen empfinden. Alle Projekte laufen nun mit Fakultätszuordnung an verschiedensten Stellen in der Universität weiter. Inhaltlich hat es uns also nicht beeinträchtigt.“ Niehaves selbst ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und wird seine Forschung in der Fakultät III betreiben.

Die Strahlkraft in die Öffentlichkeit hinein soll nicht verloren gehen, sagte Uni-Kanzler Ulf Richter der SZ: „Dafür haben wir das Haus der Wissenschaft und das Haus der Innovation.“ Das Projekt „Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck“, das vom Fokos vorangetrieben wurde und das im südlichen Siegerland praktisch erprobt werden soll, endet nicht, sondern wird in der Lebenswissenschaftlichen Fakultät weitergeführt Die personelle Kontinuität ist durch den ehemaligen Fokos-Geschäftsführer Olaf Gaus gesichert.

Voll besetzte Reihen im Fokos: das wird es in Zukunft nicht mehr geben.
Volles Haus hatte das Forschungskolleg Siegen im Mai 2019, als Gesundheitsminister Jens Spahn sich von Fokos-Direktor Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves die Siegener Ideen zu „Medizin neu denken“ erläutern ließ.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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