Das Grün musste einige Blätter lassen

BUND stellte Verwaltung Studie zur weiteren Begrünung von Siegener Plätzen vor

Siegen. „Unsere Stadt soll grüner werden”, hätte das Motto der Präsentation einer Studie des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND) zur weiteren Begrünung von Siegener Plätzen im Rathaus lauten können. Vorgestellt wurde die Studie jetzt der Siegener Stadtverwaltung. „Bei der Studie handelt es sich um gemeinsame Überlegungen”, betonte Stadtbaurat Joachim Brune. So „gemeinsam” können diese jedoch nicht (gewesen) sein. Denn hinter verschlossenen Türen wurde zunächst noch längere Zeit über die – noch zu präsentierenden – Ergebnisse diskutiert. „Erst in den nächsten Tagen soll das Ganze in Vorlagen umgesetzt werden”, fuhr Brune fort. Wenn möglich, sollten fertige Beschlüsse am 20. Dezember auf der Tagesordnung im Rat stehen.

„Grundsätzlich handelt es sich hier um eine Konsenslösung”, betonte der Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe, Prof. Dr. Eberhard Seidel. Man habe sich untereinander abgestimmt. „Eines vorweg: Der BUND will natürlich viel Grün. Aber wir stecken gegebenenfalls auch zurück”, ergänzte BUND-Geschäftsführerin Hannelore Schardt gegenüber Bürgermeister und Stadtbaurat.

Erstellt wurde die Studie ehrenamtlich von Martin Zapletal, von Beruf Landschaftsarchitekt. „Die gesamte Studie wurde vor dem Hintergrund der Machbarkeit und Bezahlbarkeit erstellt”, so Zapletal, zugleich stellv. BUND-Kreisvorsitzender. „Erst dann folgte die Frage der Umsetzung.” So habe man sich die Außensitzflächen zweier Restaurants am Bahnhofsvorplatz mit ihren beweglichen, grünen Holzzäunen vorgeknöpft. „Wir schlagen vor, in diesen Bereichen drei je fünf Meter lange, im Abstand von je sechs Metern parallel zueinander und senkrecht zu der Bebauung verlaufende Hainbuchenhecken wie schon im Sparkassenbereich zu pflanzen.” Vorteil: Fußgänger aus Richtung Bahnhof- und Berliner Straße sähen auf grüne Bereiche und erlebten eine grüne Begrenzung des Platzes. „Und die Linie bleibt durchlässig, so dass keine optische Trennung entsteht.” Außerdem plädierte der BUND für eine Berankung der Stützen zwischen den beiden Dächern des Busbahnhofes mit Kletterpflanzen.

„Warum ist die Verwaltung nicht auf die Hecken gekommen?”, fragte sich Brune. „Der Wiedererkennungswert ist sehr, sehr sinnvoll.” Vor allem verberge die Hecke das sehr unterschiedliche Mobiliar der Gastronomen, was dem Stadtbaurat ein Dorn im Auge ist. Einzige Einschränkung der Bepflanzung: „Erstmal sollten wir die Hecke jedoch nur in Töpfe pflanzen, um Reaktionen zu sondieren.” Jedoch sei die vorgeschlagene Berankung der beiden Stützpfeiler technisch nicht machbar.

Auch der Untere Schlossplatz ist den BUND-Vertretern zu kahl. So sollten laut Zapletal Bäume „als grüne Wegführung” den gesamten Platz einrahmen. „Ganz ausgeschlossen”, entgegnete der Stadtbaurat. „Unter dem Platz liegt die Tiefgarage, so dass wir nur 60 cm zur Verfügung haben. Deshalb stehen die bisherigen Bäume auch in so genannten Pflanzkavernen.” Bleibt ein Baum übrig, der an der Ecke des Museums für zeitgenössische Kunst in Richtung Justizvollzugsanstalt gepflanzt werden soll. „Das Denkmal Unteres Schloss”, so Brune weiter, „soll ohnehin nicht in der zweiten Reihe stehen.” Der Platz sei mit Ausnahme der Zeit der Bismarckstatue immer leer gewesen. So auch 1750, die Zeit, zu der das Schloss komplett fertiggestellt wurde, was auch der jetzige Zustand darstellen soll. „Einig sind wir uns über die Begrünung des Aufzugkopfes zur Tiefgarage. Der soll mit den gleichen Pflanzen berankt werden wie die Schlossflügel.”

Zum Thema Kornmarkt schlug Martin Zapletal vor, die seitlichen Begrenzungen der Treppen mit einer Begrünung entweder durch Pflanzcontainer oder durch direkten Anschluss zum gewachsenen Boden aufzulockern. „Um das durchgängige Grau des Betons insbesondere im Bereich der Stufen auf der Westseite des Platzes etwas aufzuheben.”

Aber auch hier legte Stadtbaurat Brune sein Veto ein. Besonders das Aufbrechen der Stufen stelle einen zusätzlichen Aufwand dar. Über den einen oder anderen Kübel könne man aber reden. „Den Teil der Stufen direkt gegenüber der Gasse Spruthswende, also dem Durchgang zum Parkhaus Heeserstraße, wollen wir bewusst frei halten, da wir ein Dach am Anfang der Gasse planen, das berankt werden soll.” Durch die Gesamtmaßnahme solle das Parkhaus besser in die Oberstadt integriert werden. „Zusätzlich planen wir die Begrünung durch Ranken an verschiedenen Hausecken rund um das Rathaus.”

Zum „Provisorium Scheinerplatz” (Brune) hatte der BUND kein Konzept vorgelegt. Jedoch zeigte sich der Stadtbaurat mehr als skeptisch, dass die Studie des „Stadtreparierers” Dieter Magnus, die den Abriss der Siegplatte und des Erdmann-Gebäudes beinhaltete, nicht möglich sei. „Die Stadt müsste die Immobilie für rund 21 Mill. DM kaufen”, schaltete sich Bürgermeister Ulf Stötzel ein. „Das ist finanziell nicht machbar. Zumal mit dem Abriss der Siegplatte und der Renaturierung der Sieg weitere Kosten entstehen. Außerdem kann keiner erwarten, dass wir Substanz vernichten.” Joachim Brune ergänzte: „Wenn das Apollo-Theater wie erhofft den Rat passiert, haben wir statt des Erdmann-Gebäudes vielleicht demnächst eine Theater-Passage.” Dann präsentiert die Stadt das Gebäude potentiellen Investoren auf dem Silbertablett.

Fazit der Präsentation: Beide Seiten waren mit den Ergebnissen zufrieden – auch wenn das vorgeschlagene Grün einige Blätter lassen musste. Der BUND habe eben nicht mit so vielen technischen Schwierigkeiten gerechnet, ließ Martin Zapletal durchblicken. Bürgermeister Stötzel fand es vor allem „gut, wenn Leute außerhalb der Verwaltung Ideen einbringen”. matz

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.