SZ

Sattlermeister Frank Peter aus Siegen
Das Handwerk verändert sich

Sattlermeister Frank Peter gibt sein Wissen an die Auszubildende Kim Grünberg weiter. Mit der SZ sprechen beide über die Entwicklung ihres Handwerks.
  • Sattlermeister Frank Peter gibt sein Wissen an die Auszubildende Kim Grünberg weiter. Mit der SZ sprechen beide über die Entwicklung ihres Handwerks.
  • Foto: Sarah Panthel
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Siegen. Es riecht nach Leder, an den Wänden hängen Sattel und Zaumzeug für Pferde, in der Mitte der Halle in Siegen ist mit ein paar Elementen ein Stall angedeutet, Nähmaschinen und andere große Geräte stehen drumherum. Eine der Maschinen „stammt noch aus DDR-Zeiten“, sagt Frank Peter – und sie tut noch immer ihren Dienst.
Frank Peter ist Sattlermeister. Er machte seine Lehre 1985 bis 1988 in Hannover und legte 1992 seine Meisterprüfung ab. Seine Eltern gründeten 1974 in Weidenau das Geschäft „Reitsport Peter“. 1996 übernahm Frank Peter gemeinsam mit seiner Frau Carola das Geschäft. Seine Eltern waren Kaufleute, keine Sattler.
Pferde sind durch Zucht viel sensibler geworden
Das sei damals noch nicht so gefragt gewesen, sagt Peter.

sp Siegen. Es riecht nach Leder, an den Wänden hängen Sattel und Zaumzeug für Pferde, in der Mitte der Halle in Siegen ist mit ein paar Elementen ein Stall angedeutet, Nähmaschinen und andere große Geräte stehen drumherum. Eine der Maschinen „stammt noch aus DDR-Zeiten“, sagt Frank Peter – und sie tut noch immer ihren Dienst.
Frank Peter ist Sattlermeister. Er machte seine Lehre 1985 bis 1988 in Hannover und legte 1992 seine Meisterprüfung ab. Seine Eltern gründeten 1974 in Weidenau das Geschäft „Reitsport Peter“. 1996 übernahm Frank Peter gemeinsam mit seiner Frau Carola das Geschäft. Seine Eltern waren Kaufleute, keine Sattler.

Pferde sind durch Zucht viel sensibler geworden

Das sei damals noch nicht so gefragt gewesen, sagt Peter. Die Kunden probierten die Sättel aus, ohne Anpassung und ohne Kontrolle. Erst nachdem geritten wurde, schaute man, ob alles passt. Das sei heute nicht mehr möglich, weiß der Sattlermeister. „Die Pferde waren früher nicht so empfindlich.“ Durch die Zucht seien sie viel sensibler geworden und zeigten, wenn ihnen der Sattel nicht passe, zum Beispiel indem sie verspannten.
Peter vermutet, dass vor etwa 15 oder 20 Jahren ein Umdenken stattgefunden habe. Seitdem wollen Pferd und Reiter mehr Komfort, mehr Individualität. Sie sind anspruchsvoller geworden. „Die Kunden sind nicht mehr so kompromissbereit. Sie wollen 200 Prozent. Es ist ein hoher Anspruch, der an uns Handwerker gestellt wird.“ Pferd und Reiter müssen am Ende zufrieden sein. Und wenn es gewünscht wird, dann werden Zaumzeug und Co. auch mit Glitzersteinen verschönert. „Das hat es früher nicht gegeben“, wirft Carola Peter ein.

Von der Service- zur produzierenden Sattlerei

Die größte Veränderung kam mit den 2000er-Jahren. Mit dem Aufkommen des Internetverkaufs konnten Kunden ihre Waren für den Reit- und Voltigiersport billig bestellen. „Wir waren ein Reitsportfachgeschäft mit einer kleinen Service-Sattlerei. Jetzt sind wir eine produzierende Sattlerei mit einem kleinen Showroom. Die Nachfrage nach der Sattlerei als Handwerk ist stärker geworden.“ Mittlerweile führe er in einem Umkreis von 300 Kilometern Sattelanpassungen durch, sagt Peter.
Deutlich gestiegen sei die Nachfrage nach Reparaturen. „Dass wir nicht mehr in so einer Wegwerfgesellschaft leben, das kam so vor zehn Jahren“, sagt Peter. Der bequeme Sattel, die guten Stiefel oder das beliebte Zaumzeug werden wieder funktionstüchtig gemacht – wenn es möglich ist. Die Qualität der Produkte sei häufig nicht mehr so gut, weil sie aus dem Fernen Osten kämen. Sie seien nicht mehr so haltbar und damit nicht mehr so leicht zu reparieren, sagt Peter. „Das Leder ist oft viel zu spröde und zu trocken“, weiß auch die Auszubildende Kim Grünberg. Sie ist im dritten Lehrjahr.

In Sachen Maschinen hat sich bei "Reitsport Peter" wenig verändert

Die 21-Jährige reitet selbst, wollte einen Job machen, der mit Pferden zu tun hat. „Dass es so einen Umfang hat, wusste ich am Anfang nicht“, sagt sie zu den vielfältigen Aufgaben, die sie jetzt ausführt. Sie hört zu, wie ihr Chef von „früher“ erzählt, von seinen Aufgaben. Dass sie etwas von dem, was er in seinen Anfangszeiten gemacht hat, heute nicht ausführt, kann sie nicht erkennen. Sie vermisse nichts, sagt sie. Im Gegenteil. Die Aufgaben sind vielfältiger geworden. Längst geht es nicht mehr nur um den Pferdesport. Kunden kommen und wollen das Wassertrampolin für das Freibad repariert bekommen, dass der Reißverschluss am Campingzelt wieder funktioniert oder das Verdeck eines 100 Jahre alten Kinderwagens neu beledert wird. Sogar ein Projekt mit einer Künstlerin wurde vergangenes Jahr durchgeführt. Nicht mehr hergestellt wird Geschirr für den Fahrsport. Das werde in Osteuropa günstiger produziert, sagt Peter: „Der Markt ist weggebrochen.“
In Sachen Maschinen hat sich bei „Reitsport Peter“ relativ wenig verändert. „Wir haben hier eigentlich alles“, sagt Kim Grünberg, die über die Berufsschule den Vergleich zu anderen Unternehmen hat. Sie habe von einer Nähmaschine gehört, die mittlerweile alles von alleine könne und fragt: „Ist das dann überhaupt noch Handwerk?“

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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