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24. Türchen im SZ-Adventskalender
Das Herzstück jeder Kirche

 Barbara Schröder ist die Küsterin von St. Peter und Paul. In der Sakristei werden alle Vorbereitungen für die Messe getroffen.
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  • Barbara Schröder ist die Küsterin von St. Peter und Paul. In der Sakristei werden alle Vorbereitungen für die Messe getroffen.
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goeb Siegen. Es gibt Orte im Berichtsgebiet, die sieht auch ein Reporter das erste Mal, vermutlich, weil sich das vorher noch nie ergeben hat. Die Sakristei in der katholischen Kirche sieht gemütlich aus, ganz anders, als er sie sich vorgestellt hat.
In der Sakristei herrscht Behaglichkeit pur
Nicht mit Marmor oder poliertem Stein ist sie ausgekleidet, wie man das oft in sakralen Räumen in Kirchen vorfindet, sondern mit Holz. Ein riesiges Sideboard dominiert die Fensterseite, Papst Franziskus lächelt auf einem gerahmten Bild an der Wand, Erzbischof Hans-Josef Becker schaut auch freundlich, gegenüber mannshohe Schränke in warmer Holzfarbe, dazu gediegenes Stäbchenparkett, alles womöglich Jahrzehnte alt, aber von edler, zeitloser Qualität.

goeb Siegen. Es gibt Orte im Berichtsgebiet, die sieht auch ein Reporter das erste Mal, vermutlich, weil sich das vorher noch nie ergeben hat. Die Sakristei in der katholischen Kirche sieht gemütlich aus, ganz anders, als er sie sich vorgestellt hat.

In der Sakristei herrscht Behaglichkeit pur

Nicht mit Marmor oder poliertem Stein ist sie ausgekleidet, wie man das oft in sakralen Räumen in Kirchen vorfindet, sondern mit Holz. Ein riesiges Sideboard dominiert die Fensterseite, Papst Franziskus lächelt auf einem gerahmten Bild an der Wand, Erzbischof Hans-Josef Becker schaut auch freundlich, gegenüber mannshohe Schränke in warmer Holzfarbe, dazu gediegenes Stäbchenparkett, alles womöglich Jahrzehnte alt, aber von edler, zeitloser Qualität. Vor allem: Hier ist es wohlig warm an diesem eiskalten Tag. „Im Hauptschiff ist die Heizung abgestellt“, ergänzt Küsterin Barbara Schröder. Nur wenn eine Messe, ein Gottesdienst oder eine Veranstaltung stattfindet, stellt sie sie vorher an. Das Gewölbe ist riesig.

Ein Weihrauchfässchen gehört zum kirchlichen Festtag dazu.
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Küsterin Barbara Schröder hat den Überblick

„Ja, eine Küsterin hat immer viel zu tun“, sagt Barbara Schröder. Seit 2004 ist sie für St. Peter und Paul in Siegen tätig, deren Gotteshaus ganz in der Nähe der Siegerlandhalle steht. In einer Sakristei, erzählt sie, sind alle Utensilien untergebracht, die der Priester für eine Messe braucht, von den Gewändern, die er trägt, bis hin zu Büchern, aus denen er während der Liturgie vorträgt, dicke Wälzer ebenso wie schmale Bändchen. Auch Organisten und Lektoren treffen sich hier, die Kommunionhelfer und Messdiener sind nebenan. Barbara Schröder blickt oft auf den liturgischen „Einsatzplan“ des Pastoralen Raums Siegen-Freudenberg, zu dem auch die neue Pfarrei Christkönig Siegen (mit den Gemeinden St. Peter und Paul, St. Marien Eiserfeld, St. Liborius Niederschelden, Heilig Geist Seelbach und St. Lukas Fischbacherberg) zählt. Er hängt an einer Wand.

Kleidungsstücke mit exotischen Namen

Was sich in „ihrer“ Kirche abspielt, ist mit gelbem Textmarker hervorgehoben. Drei Messen bzw. Gottesdienste pro Woche können es sein. „Manchmal auch mehr.“ Die Küsterin ist schon eine Stunde vor Beginn der Messe da, denn es gibt viel vorzubereiten. „Je nach Anlass lege ich die entsprechenden Gewänder raus, es gibt rote, grüne, weiße, violette und schwarze für Beerdigungen“, beschreibt die Küsterin, die praktischerweise nur einen Steinwurf vom Gotteshaus entfernt wohnt. Die Geistlichen legen in der Sakristei auch ihre Gewänder an, es gibt weitere Kleidungsstücke, die exotisch klingende Namen tragen wie Albe oder Zingulum. Mit dem jeweiligen Geistlichen hat sie vorher bereits besprochen, welche Bibeltexte gelesen werden. „Es gibt auch ein Direktorium, in dem steht drin, welche Schriftlesung, welches Evangelium drankommt.“ Sie schlägt auf, legt die Lesebändchen ein.

Gewänder gibt es in der katholischen Kirche reichlich. Dies ist nur eine Auswahl der hellen.
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Wann der Priester kommt ist unklar

Teilweise ergibt sich das auch aus dem Datum im kirchlichen Jahreskalender. „Das hier zum Beispiel ist das Lektionar, ein liturgisches Buch, das die Lesungen enthält.“ Das Lektionar trägt sie auf den Ambo, so nennt sich ein erhöhtes Pult, das Messbuch hat seinen Platz auf dem Altar. Sie lässt den Priester aber nochmal drüberschauen, ob alles in Ordnung ist. „Die Fürbitten bringt der Priester mit.“ Wie früh die Priester erscheinen, ist unterschiedlich. „15 Minuten vorher, an Festtagen auch schon mal eine halbe Stunde vorher“, erklärt sie. Zu den Geistlichen, die in St. Peter und Paul Messen halten, zählen Dechant Karl-Hans Köhle, die Pastoren Wilfried Loik, Prof. Dr. Wypadlo, Wolfgang Winkelmann, Markus Püttmann, Ludwig Reffelmann (zurzeit erkrankt) sowie Pater Ruben und Pater Anthony.

Ich bin immer die
Erste, die kommt, und
die Letzte, die geht.
Barbara Schröder
Küsterin St. Peter und Paul

Wie wird man Küsterin?

Von der Sakristei aus steuert sie auch die Elektronik des Gebäudes, also die Heizung und die Beleuchtung sowie die Mikrofonanlage. Die Schaltkästen sind älter, aber auch sie sehen solide aus, wie alles hier. „Und die Glocken natürlich“, ergänzt Küsterin Schröder. „Die lassen sich auch von hier aus steuern.“ Jahrzehntealt schaut der massive Tresor in der Sakristei aus. Da drin sind Dinge von Wert, wie Kelche und edle Schalen, auch eine wertvolle Monstranz und die Kollekte. Einiges davon kommt auf den Altar. Sind denn immer genügend Hostien da? Frau Schröder verweist auf den Tabernakel, einen Altarüberbau. Da sei stets eine Reserve vorhanden. Wie wird man Küsterin? „Ich wurde angesprochen“, lacht sie. „Und habe sofort ja gesagt. Das ist was für mich.“ Zwei zweiwöchige Kurse hat sie besucht und ist drei Monate lang als Praktikantin bei ihrer Vorgängerin mitgegangen.

„Ich bin immer die Erste, die kommt, und die Letzte, die geht“, sagt Küsterin Barbara Schröder zum Abschluss. Sie hat nicht nur ein heiteres Naturell, sie denkt auch immer für alle mit. Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste. Ein großer Schlüsselbund mit allen Schlüsseln, das ist ihr zu riskant. „Ich habe sie lieber alle separat“, sagt sie schmunzelnd, als sie die die Tür zur Sakristei abschließt. „Man kann ja nie wissen.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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