Das Hören wurde zur ungetrübten Freude

Chormusik, Sologesang und Orgelmusik in der Weidenauer St.-Joseph-Kirche

sz Weidenau. In der St.-Joseph-Kirche sind bisher selten gehörte geistliche Werke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Aufführung gekommen. Am Anfang und am Ende des durchdachten Programms beim Konzert am Sonntag standen je drei Teile der „Misericordias- Domini”-Messe von Josef Gabriel Rheinberger. Zwischen diese Messeteile schoben sich – etwas ungewöhnlich, etwas gewagt, aber durchweg überzeugend – zwei Orgelwerke, zweimal geistliche Lieder mit Orgelbegleitung und in der spiegelbildlichen Mitte die Canzonetta für Orgel aus den „Meditationen” op. 167 von Rheinberger.

Franz-Josef Breuer traf hier und in den anderen Werken sehr schön den eigentlich durch das gesamte Programm sich ziehenden lyrischen Tonfall, der häufig ins Meditative oder ins Melancholische changierte. Bemerkenswert war seine Interpretation von César Francks Orgel-Choral in a-Moll, ein insgesamt subtiles, ruhiges und nachdenklich stimmendes Orgelwerk, das Breuer mit viel Sinn für den Farbenreichtum und die etwas geheimnisvollen Passagen spielte.

Unterstützt wurde Breuer vom gut einstudierten und flexibel agierenden Kammerchor Weidenau und Gabriel Isenberg als Orgelbegleiter, wenn er den Kammerchor ruhig, konzentriert und zweckdienlich dirigierte. Die Messe von Rheinberger weicht erheblich von den bekannten Messen der Tradition ab, da sie schlanker, luftiger, lyrischer wirkt, auf zähes Pathos verzichtet. Zudem wird der Chor nur auf der Orgel begleitet, was allein schon einen unerwarteten Eindruck hinterlässt.

Die anderen Werke des Programms reihten sich nahtlos in diesen Klang ein, vertieften das in der Messe Gehörte und bereiteten auf die drei das Konzert abschließenden Teile der Messe vor. Insgesamt sechs geistliche Lieder von Rheinberger und von Max Reger unterstrichen mit leisen Anklängen an Schubert, Schumann oder Brahms in der Melodienfindung die Atmosphäre innig-spröder Geistlichkeit, einer Geistlichkeit ohne auftrumpfenden Triumph.

Gesungen wurden diese unaufdringlichen Preziosen, darunter „Meine Seele ist still zu Gott” und „Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria” von Max Reger, von der Mezzosopranistin Regula Lieb, die ihren gut textverständlichen Vortrag ganz im Rahmen des Gesamtprogramms hielt und zu einfacher, ruhiger Orgelbegleitung etwa bei Rheinbergers „Wenn alle untreu werden” sehr schön den Tonfall des in Text und Ausdruck Biedermeierlichen und Naiven traf.

Der schlanke Kammerchor mit teilweise jugendlich-frischen Stimmen und leuchtenden Sopranen, etwa im Gloria der Rheinberger-Messe, machte das Hören bis zum wunderschönen Schluss des abschließenden „Agnus Dei” zur ungetrübten Freude. ars

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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