"Das ist das falsche Signal"

Am Freitag ging es vor dem Siegener Schöffengericht um die Himmelslaterne, die an Pfingsten 2009 für einen Hausbrand mit Todesfolge gesorgt hatte. Foto: Archiv
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ch - Es sollte eigentlich ein schöner Abschied der Mutter in die Kur werden. Doch was Pfingsten 2009 mit einer kleinen Feier auf dem Balkon eines Hauses in der Siegener Donzenbachstraße begann, endete gestern vor dem Schöffengericht: Adrian K., 23 Jahre alt, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, musste sich wegen fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Tötung verantworten. Er hatte vor anderthalb Jahren eine sogenannte Himmelslaterne in den Nachthimmel aufsteigen lassen. Der Flugkörper - eigentlich ein leuchtender Glücksbringer aus Asien - landete unglücklicherweise auf dem Wintergarten eines Mehrfamilienhauses, nur wenige Dutzend Meter entfernt am Gerbereiweg gelegen. Das Kunststoffdach des Anbaus entzündete sich, das Feuer griff auf das Haus über, welches komplett ausbrannte. Ein tödliches Inferno. Aufgrund der starken Rauchgase starb der kleine Dominik Scholl (10, die SZ berichtete mehrfach).

 

Richter sah "tragische Verkettung"

Der Vorsitzende Richter, Uwe Stark, sah in der zügig vorangetriebenen Verhandlung zwar eine "individuelle Schuld" des Angeklagten, weil der junge Mann die Himmelslaterne, die damals in Nordrhein-Westfalen noch nicht verboten war,  "am verkehrten Ort viel zu nah an den Häusern angezündet hat und den weiteren Verlauf des Fluges völlig falsch abgeschätzt hat!" Doch zugleich habe sich aber genau dieser Verlauf als "tragische Verkettung" verschiedener Ereignisse erwiesen - Fehlstart des Lampions, Windrichtung, plötzliches Aufgehen der Laterne in Flammen und zufälliger Absturz der Laterne auf den Wintergarten des Hauses, in dem Dominik in jener Nacht für ein paar Minuten unbeaufsichtigt schlief. Richter Stark schlug deshalb vor, das Verfahren nach Paragraf 153 der Strafprozessordnung einzustellen. Auch deshalb "weil das Strafrecht dem passierten Leid nicht genüge tun kann und kein Urteil das Kinder wieder lebendig macht." 

Verteidigung protestiert

Außerdem habe der Angeklagte offenbart, wie sehr ihn die traurige Geschichte beschäftige und wie sehr er sich seiner Schuld bewusst sei. Adrian K. muss nun gemeinnützige Arbeit in einem Siegener Kinderheim ableisten. Am Wochenende, 200 Stunden. Außerdem trägt er die Verfahrenskosten, auch die Kosten der Nebenklage. Die wehrte sich für die Eltern vehement gegen die Einstellung des Verfahrens. Der Wilnsdorfer Rechtsanwalt Ottfried Mießner erklärte: "Das ist das falsche Signal!" Sein Mandant, der Vater des Zehnjährigen - Torsten Scholl -, versuche derzeit mit "allen verbliebenen Kräften", zum einen die Himmelslaternen bundesweit zu untersagen und die Einfuhr der asiatischen Fluglaternen aus Reispapier generell verbieten zu lassen. Und zugleich durch Aufklärung präventiv aktiv zu werden, "damit niemals wieder so etwas passieren kann!" Ein Urteil, etwa mit einer Bewährungsstrafe analog zu Beschlüssen in der Rechtssprechung bei tödlich verlaufenen Verkehrsunfällen, hätte Mießners Meinung nach nicht nur Gerechtigkeit gebracht, sondern entsprechend abschreckend und damit präventiv gewirkt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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