„Das ist eine Traumgeschichte”

Zehnjährige Erfolgsstory des Kultur!Büros – „Weichen” Standortfaktor ausgebaut

sz Siegen. „Was wir brauchen, ist Erfolg.” Mit derart knapp gefasster Arbeitsaufforderung schickte Oberkreisdirektor Karlheinz Forster „seinen” Kulturreferenten ins Rennen. Man schrieb den 1. August 1990, den Tag, an dem Wolfgang Suttner sein Amt als Leiter des Kultur!Büros des Kreises Siegen-Wittgenstein antrat. Damit begann die mittlerweile zehnjährige Erfolgsstory des Kultur!Büros, dessen Gründung auf die so genannte „Zukunftsinitiative Montanregion” (ZIM) zurückgeht, in deren Zusammenhang ein hochkarätig besetztes Gutachtergremium (u.a. mit Professor August Everding) ein weitreichendes Kulturförderkonzept erarbeitete. Langfristig sollte die Kultur als Standortfaktor die Region im (inter-)nationalen Wettbewerb stärken.

Wesentliche Eckpunkte für die Entwicklung einer eigenständigen kulturellen Infrastruktur nannte bei der gestrigen „Jubiläumspressekonferenz” – vor ziemlich genau zehn Jahren stellte Wolfgang Suttner seine, wie die Siegener Zeitung damals schrieb, „originellen Ideen” der Öffentlichkeit vor – einer, der die Gutachterempfehlungen damals moderierte: Rudolf Stilcken vom Büro für Kommunikation in Hamburg.

Die Einrichtung eines Kultur!Büros, ein Projekt mit dem Arbeitstitel „Licht und Musik in der Landschaft”, ein Kulturforum – das seien drei der insgesamt neun Empfehlungen gewesen. Was wurde daraus? Das Kultur!Büro als „etablierte Einrichtung, die keinesfalls dem Establishment zuzuordnen ist”, das publikumswirksame Gillerfestival „KulturPur”, das Medien- und Kulturhaus Lÿz. Aus dem Werbeversprechen „Provinz voll Leben” sei eine Tatsachenbeschreibung geworden. Der Weg dorthin sei über „methodisches Vorgehen, engagierte Persönlichkeiten und entscheidungsfreudige Offizielle” begangen worden, sagte Stilcken.

Das Kultur!Büro als „Erfolgsmodell” – so würdigte Landrat Elmar Schneider die zehnjährige Arbeit des Teams um Wolfgang Suttner. Mit gutem Grund habe diese Einrichtung daher im Februar dieses Jahres den Deutschen Standortpreis 2000 in Köln entgegen nehmen können. „Beim Kultur!Büro werden mit Kreativität, Mut und beispielhaftem Engagement abseits der großen Metropolen Erfolgskonzepte für gemeinsames Handeln von Kultur, Kommunen und Wirtschaft entwickelt”, zitierte Schneider aus der Laudatio.

Dabei, ergänzte Rudolf Stilcken, spiel(t)e die Region in Sachen Kultur-Management und auch in Sachen Wirtschaftsförderung auch mit Hilfe der Kultur bundesweit eine Vorreiterrolle. „Sie hat das Erstgeburtsrecht für solches Regionalmarketing.” Der Dezernent für die Wirtschaftsförderung im Kreis, Horst Schneider, erinnerte sich: „Als wir 1985 begannen, die Wirtschaftsförderung für den Kreis zu reorganisieren, hatten wir auch die weichen Standortfaktoren im Blick. Wir kamen dann sehr schnell auf die Kultur.”

Und die machte alsbald mächtig von sich reden. Schon im Mai 1991 mit der „Sommerbühne Siegen-Wittgenstein”, der Nummer 1 von KulturPur, mit der ersten Auflage des soeben in der dritten Auflage erschienenen Kulturhandbuchs (ab heute auch auf CD-ROM!), mit Kunstprojekten wie „Einblick” oder „Rassismus besiegen”, mit einem ersten Großprojekt „100 Jahre erster Motor-Omnibus” (1994), das über 100000 Menschen aus der gesamten Republik in die Region lockte, mit der Geburt des Kleinen Theaters Lÿz.

1993 war das, als Organisationsleiter Georg Klein den eine Spielstätte suchenden Siegener „Widerha(r)ken”-Kabarettisten ein Stück Kreide in die Hand drückte, um sie im nackten Raum des Technologiezentrums an der St.-Johann-Straße eine Bühne skizzieren zu lassen. Aus dieser improvisierten Bühne wuchs das Lÿz, Kern des heutigen Medien- und Kulturhauses, Kern der so lebendigen heimischen Kleinkunstszene, „Schauplatz” vieler Events auch von überregionaler, wenn nicht gar – wie im Fall von „Paul McCartney paintings” – weltweiter Bedeutung. Wolfgang Suttner: „Es ist wirklich eine Traumgeschichte.” Deren Ende natürlich ziemlich offen ist. Denn das Kultur!Büro arbeitet weiter. Initiierend, integrierend, koordinierend: bei KulturPur noch mehr internationale Qualität bieten, das Lÿz zum kulturellen, wirtschaftlichen Gründerzentrum werden zu lassen, vielleicht noch einmal ein großes regionales Kunstprojekt auf den Weg bringen, dem Wittgensteiner Waldskulpturenweg zu einem internationalen Erfolg verhelfen, das Siegener Apollo-Theater auch weiterhin „wohlwollend kritisch” (Landrat Schneider) begleiten...

Der vor zehn Jahren eingeforderte Erfolg hat sich eingestellt. Mit Geschick und Glück und auch mit Fleiß. Das Resümee des Kultur!Büro-Teams: „Erfolg ist schön – macht aber auch viel Arbeit.”

ciu

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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