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Klinikclowns wollen nach Corona zurück in Kliniken
"Das ist unsere Berufung"

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sabe Siegen. Einen zweiten Blick braucht es allemal, wenn „Lulu“ und „Michel“ ihre Kostümierung gegen Alltagskleidung tauschen. Die roten Nasen fehlen, der Schlapphut und die Gurke im Haar. Aber das Lachen ist noch da, die Leichtigkeit, die Lebendigkeit. „Es ist ja unser Job, Atmosphäre umzudrehen, das sehen wir jetzt als große Bereicherung.“ Tina Reuter und Michael Wibbelt sind Klinikclowns in heimischen Krankenhäusern, im Hospiz und in Pflegeheimen.
Zwangspause durch Corona-PandemieMit Gefühlen wie Angst und Not, sagt Tina Reuter, seien sie in ihrer Arbeit oft konfrontiert worden. Es sei in ihrer Rolle wichtig, den Blick für das Gute zu transportieren. „Wenn wir das nicht hätten, würden wir jetzt vielleicht untergehen.

sabe Siegen. Einen zweiten Blick braucht es allemal, wenn „Lulu“ und „Michel“ ihre Kostümierung gegen Alltagskleidung tauschen. Die roten Nasen fehlen, der Schlapphut und die Gurke im Haar. Aber das Lachen ist noch da, die Leichtigkeit, die Lebendigkeit. „Es ist ja unser Job, Atmosphäre umzudrehen, das sehen wir jetzt als große Bereicherung.“ Tina Reuter und Michael Wibbelt sind Klinikclowns in heimischen Krankenhäusern, im Hospiz und in Pflegeheimen.

Zwangspause durch Corona-Pandemie

Mit Gefühlen wie Angst und Not, sagt Tina Reuter, seien sie in ihrer Arbeit oft konfrontiert worden. Es sei in ihrer Rolle wichtig, den Blick für das Gute zu transportieren. „Wenn wir das nicht hätten, würden wir jetzt vielleicht untergehen.“ Seit der Corona-Pandemie können die beiden Solo-Selbständigen mit ihren Kunstfiguren – Tina Reuter als Lulu und Michael Wibbelt als Michel – in der DRK-Kinderklinik Siegen, dem Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe und verschiedenen Senioreneinrichtungen, auf unbestimmte Zeit nicht mehr auftreten.
Die Ungewissheit plagt die beiden freischaffenden Kleinkünstler sehr –„wie alle“, sagt Michael Wibbelt. Zwar gebe es Soforthilfe für Künstler, aber dieser einmalige Zuschuss werde nicht genügen, um die Kosten zu decken. „Über Events im Veranstaltungsbereich brauchen wir dieses Jahr nicht mehr reden.“ Rücklagen seien da schnell aufgebraucht und eigentlich für Krankheit oder Alter gedacht.
Für das Duo ist die Krisenzeit allerdings längst nicht nur ein finanzielles Fiasko. Eierlegend, jonglierend oder singend haben es sich ‚Lulu‘ und ‚Michel‘ zum Auftrag gemacht, mit Humor zu heilen. Für Michael Wibbelt mehr als ein Job: „Das ist unsere Berufung, das ist, was zu uns gehört.“

Clowns in schweren Zeiten wichtiger denn je

Clowns, so findet Tina Reuter, seien in schweren Zeiten wichtiger denn je. „Wir verwandeln die Atmosphäre in bunt.“ Gerne blicken die beiden zurück auf leuchtende Augenblicke, auf strahlende Kinderaugen und lachende Senioren sowie viele kleine Anekdoten. „Die Kinder haben ein richtiges, informelles System entwickelt“, erinnert sich Michael Wibbelt lachend. „Die wussten immer genau, wann die Clowns kommen.“ Manche, sagt er, seien sogar einen Tag länger im Krankenhaus geblieben, um den Auftritt nicht zu verpassen.“ Man wisse es ja aus eigener Erfahrung, wieviel besser es einem gehe, mit einem Anlass zum Lachen. „Da passiert was Besonderes, Lebensfreude und Lebensgeister werden geweckt“, ergänzt Tina Reuter nickend.

Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen

„Die Clowns waren für die Kinder Highlights“, spiegelt Arnd Dickel, Pressereferent der DRK-Kinderklinik, den Eindruck. Momentan seien die externen Angebote ausgesetzt und „alles konzentriert sich den Umständen entsprechend auf die jeweiligen Patientenzimmer.“ So könnten beispielsweise Bücher oder Spiele mit auf die Zimmer genommen werden, auf zwei Kontaktpersonen ist das Besuchsrecht zur Zeit beschränkt. „Wir müssen von Woche zu Woche und von Tag zu Tag schauen. Das ist für alle ein großer Lernprozess.“ Mit der Krise umgehen lernen, das wollen auch Wibbelt und Reuter. So haben die beiden ein Crowdfunding-Projekt zur Rettung der Klinikclowns angeschoben und erste Auftritte via Skype organisiert. „Das war toll“, erinnern sich die beiden Clownkollegen. Das Klinikpersonal habe richtig mitperformed. „Wir haben auf der einen Seite Seifenblasen gen Handy gepustet und die Mitarbeiterin auf der anderen, das waren richtige 4-D Effekte“, lachen die beiden. Rührend dabei die Reaktion der Kinder: „Die haben richtig mitgemacht, unsere Stimmen erkannt, der Raum war voll mit Lachen.“
Die Videotelefonie haben die beiden jetzt noch ausgebaut. „Lachen, Humor und Lebendigkeit ist gerade wichtiger denn je.“ So schauen ‚Lulu‘ und ‚Michel‘ auf Wunsch auch gerne virtuell im heimischen Wohnzimmer vorbei. Und: Noch mehr ist in Planung: „Was für Möglichkeiten gibt es außerhalb von Skype? Life-Situationen, das Spielen in einem Innenhof mit weitreichend Abstand…“ Man sei in einem ständigen Denkprozess, wie man soziale Nähe bei körperlicher Distanz arrangieren könne – denn: „Gesundheit besteht nicht nur daraus, kein Virus zu haben“.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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