Das Leben und darüber hinaus

Ola Onabule und China Moses waren Gäste der WDR-Bigband. Sie entführten die Besucher musikalisch in die 20er und 30er Jahre, nach Harlem und New Orleans.
  • Ola Onabule und China Moses waren Gäste der WDR-Bigband. Sie entführten die Besucher musikalisch in die 20er und 30er Jahre, nach Harlem und New Orleans.
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zel Siegen. „Up“ and „down“ wie im richtigen Leben ging es am Donnerstagabend im Schauplatz Lÿz, himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt führte die WDR-Bigband die begeisterten Besucher durch die amerikanische Musik der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, nahm sie mit in die Kneipen New Yorks und runter in den Süden, nach New Orleans, zelebrierten das „Jazz Age“, in dem alles frisch und neu gewesen sei, wie Dennis Mackrel sagte, in dem jeder das sein konnte, was er wollte. Prohibition? Ja. Aber Spaß hatten sie trotzdem, oder gerade deshalb, weil verbotene Früchte ja bekanntlich am besten schmecken. Mackrel, selbst Drummer, u. a. bei Count Basie, hatte das wunderbare Songmaterial aus dieser Zeit für die WDR-Bigband arrangiert und führte sie sanft und mit wenigen Fingerzeigen durch das dreistündige Programm.

Sehr schön gelang es der Sängerin China Moses, der Tochter von Dee Dee Bridgewater, diese Stimmung aufzunehmen und das Erbe der großen Jazz-Sängerinnen, etwa Billie Holiday, zu bewahren und neu zu interpretieren. Ihr „Gimme Pigfoot And A Bottle Of Beer“ führte mitten hinein nach Harlem und war ein einziges Fest, „Gee, Baby, Ain‘t I Good To You“ flirtete supersexy mit den Herren im Publikum, und „On Revival Day“ war purer Gospel. Die fetten Bläsersätze und der treibende Rhythmus der Bigband schienen China, die als Amerikanerin in Paris lebt und gerade für ihr Dinah-Washington-Album hochgelobt wurde, selbst hier und da umzuhauen – sie arbeitete aber auch mit einem ganz großen Orchester zusammen, das im Ensemble ebenso wie solistisch seine Klasse bewies. Besonders bejubelt: die spielfreudige kleine New-Orleans-Jam-Besetzung. „Ain’t Nobody‘s Business If I Do“ klang herrlich frech und rotzig und trotzig und selbstbestimmt.

Für ganz zarten Schmelz hingegen sorgte der englische Sänger Ola Onabule, dessen Stimme ein eigenes Instrument und dem alles machbar zu sein schien. Gershwins „Our Love Is Here To Stay“ gelang ihm supersoft, ebenso „Sophisticated Lady“ mit einem feinen, meditativen Piano zu Beginn, „When Your Smiling“ ließen sich die Damen von ihm gern als Liebeserklärung – in Vertretung all der Männer, denen die berühmten drei Worte nicht so leicht über die Lippen kommen – gefallen, und sein „St. James Infirmary Blues“ war voll des Schmerzes über sein totes Baby, wenngleich „Geheimwaffe“ Klaus Osterloh mit seiner gedämpften Trompete das Klagen und Weinen noch ein bisschen inniger gelang – absolut rührend!

Die Bigband und ihr Leiter beschworen einen Abend lang die Kraft der Musik, die einen durch Höhen und Tiefen tragen kann – und die, so Dennis Mackrel, in Zeiten knapper Kassen das letzte sein sollte, wo gekürzt wird. Diese famose „night at the Lÿz“ gab Zeugnis für seinen Appell. Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum die immer wieder gern gehörte „Hausband“ des Jazzclubs Oase und erhielt dafür als Zugabe den „Mackie Messer“ auf Deutsch, Französisch und Englisch gesungen. What a blow!

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