Das Leid ist angekommen

Layla (21) und Ramses (22) Kilani sind im Internet auf den Spuren ihres Vaters unterwegs. Ibrahim al-Kilani starb mit seiner zweiten Frau und den fünf Halbgeschwistern der beiden bei einem Bombenangriff in Gaza. Foto: kalleDie siebenköpfige Familie Kilani starb bei einem Bombenangriff. Foto: privat
  • Layla (21) und Ramses (22) Kilani sind im Internet auf den Spuren ihres Vaters unterwegs. Ibrahim al-Kilani starb mit seiner zweiten Frau und den fünf Halbgeschwistern der beiden bei einem Bombenangriff in Gaza. Foto: kalleDie siebenköpfige Familie Kilani starb bei einem Bombenangriff. Foto: privat
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

kalle - Noch am Sonntag hatten Layla und Ramses Kilani mit ihrem Vater in Gaza telefoniert. Am Dienstag kam die schreckliche Nachricht aus dem krisengeschüttelten Nahen Osten in Siegen an. Ihr Vater, der 53-jährige Ibrahim al-Kilani, ist gemeinsam mit seiner zweiten Frau und fünf Halbgeschwistern der beiden Siegener vermutlich bei einem israelischen Luftangriff in Gaza getötet worden.

Die 21-jährige Tochter Layla steht unter Schock. Eine Freundin ist bei ihr Zuhause. Gibt ihr Unterstützung. „Mein Vater war ein unpolitischer Mensch, es ist so schrecklich, dass es ihn und die neue Familie so getroffen hat. Wir werden ja nicht bei der Beerdigung dabei sein können, wollen aber Zuhause eine kleine Gedenkfeier ausrichten.“

Ibrahim al-Kilani hat in Siegen studiert, wohnte im Studentenwohnheim am Oberen Schloss und heiratete seine Mitstudentin Kerstin. Nach seinem Studium der Architektur arbeitete er in Köln, blieb dann aber in der Krönchenstadt, kaufte ein am Witschert gelegenes Haus und arbeitete einige Jahre als freier Architekt. Die Ehe scheiterte. Kilani zog es vor 13 Jahren zu seinen Eltern nach Palästina. Hier heiratete er zum zweiten Mal und gründete eine neue Familie. Doch den Kontakt nach Siegen zu seinen Kindern aus erster Ehe hat er nie aufgegeben.

Eine Nachbarin, die die Siegener Familie bei ihrer Trauerarbeit unterstützt: „Ich habe mit Ibrahim gemeinsam studiert. Er war ein herzensguter Mensch, war weder religiös noch politisch fanatisch. Die beiden Kinder Ramses und Layla wurden konfirmiert.“

Das Auswärtige Amt in Berlin geht aufgrund mehrfacher Hinweise davon aus, dass es sich bei den Toten um die Familie Kilani handelt. Neben dem Vater, der die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hatte, starben dessen Ehefrau Taghrid (47) sowie die fünf Kinder, unter ihnen zwei Mädchen und drei Jungen im Alter von vier bis zwölf Jahren. Offiziell bestätigt wird der Tod von Deutschen im Ausland erst, wenn ein deutscher Beamter oder Diplomat die Toten gesehen hat.

Eigentlich lebte die Kilani-Familie im nördlichen Teil von Gaza in Beit Lahija. Im Rahmen der Auseinandersetzungen flüchteten die Kilanis in Gaza auf der Suche nach Sicherheit und zogen umher. Jetzt haben die beiden Kilanis ihren Vater verloren. Das fürchterliche Leid, das in Gaza durch die aktuelle Auseinandersetzung zwischen der Hamas und dem israelischen Militär ausgelöst wird, ist nun auch in Siegen angekommen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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