SZ

Der Lachs soll wieder in die Weiß
Das letzte Wehr muss weichen

Noch rauscht das Wasser rund drei Meter in die Tiefe. Das soll sich im Laufe des Jahres ändern. An gleicher Stelle wird eine Rampe entstehen, die Fischen den Aufstieg ermöglicht. Technisch ist das anspruchsvoll.
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  • Noch rauscht das Wasser rund drei Meter in die Tiefe. Das soll sich im Laufe des Jahres ändern. An gleicher Stelle wird eine Rampe entstehen, die Fischen den Aufstieg ermöglicht. Technisch ist das anspruchsvoll.
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schn Siegen. "Noch vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert war das Gebiet der oberen Sieg ein Laichgebiet für den atlantischen Lachs”, gibt Gerhard Kötter, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft an der Weiß, zu Protokoll. Er hat die Hoffnung, dass in eben jenem Fluss in einigen Jahren wieder Lachse ihre Kinderstube haben werden. 
Das letzte Wehr in Siegen
Damit das möglich ist, nimmt die Stadt Siegen viel Geld in die Hand. Seit etwa 20 Jahren werden die Flüsse der Stadt nach und nach umgestaltet und wieder zu Lebensräumen für Fische und andere Wasserlebewesen. Ufer werden renaturiert, Hindernisse beseitigt und Wehre, einst zur Energiegewinnung genutzt, werden zurückgebaut. Für die Weiß begann am Mittwoch das letzte Kapitel auf diesem Weg.

schn Siegen. "Noch vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert war das Gebiet der oberen Sieg ein Laichgebiet für den atlantischen Lachs”, gibt Gerhard Kötter, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft an der Weiß, zu Protokoll. Er hat die Hoffnung, dass in eben jenem Fluss in einigen Jahren wieder Lachse ihre Kinderstube haben werden. 

Das letzte Wehr in Siegen

Damit das möglich ist, nimmt die Stadt Siegen viel Geld in die Hand. Seit etwa 20 Jahren werden die Flüsse der Stadt nach und nach umgestaltet und wieder zu Lebensräumen für Fische und andere Wasserlebewesen. Ufer werden renaturiert, Hindernisse beseitigt und Wehre, einst zur Energiegewinnung genutzt, werden zurückgebaut. Für die Weiß begann am Mittwoch das letzte Kapitel auf diesem Weg. Von vormals drei Wehren ist nur noch eines vorhanden und auch das soll bald Geschichte sein. Mit dem offiziellen Spatenstich an der Lothar-Irle-Straße  begann der umfangreiche Umbau – in einer ziemlich komplexen Umgebung. 

Dem Anlass angemessen, hatte sich eine illustre Runde eingefunden, um dem historischen Moment den Rahmen zu geben. Siegens Bürgermeister Steffen Mues präsentierte die Maßnahme sichtlich stolz: "Das ist das letzte Wehr in Siegen und das letzte Wehr an der Weiß. Das ist ein großer Schritt.” Gleichzeitig erinnerte er daran, dass man sich an gleicher Stelle schon 2015 getroffen hatte, um mit den Bauarbeiten zu beginnen. In der Folge stellte sich dann heraus: So einfach ist die Sache nicht. Zwischen Lothar-Irle-Straße und Bahnbrücke liegen etwa 120 Meter, rechts und links wird der Fluss von einem Bahndamm und den Aufschüttungen für ein Gewerbegebiet eingerahmt.

Kosten betragen 1,2 Millionen Euro

Nicht viel Platz für einen Umbau, der Fischen gerecht wird. "Wir haben die Erfahrung gemacht: Sobald die Bahn ins Spiel kommt, verzögern sich die Dinge”, scherzte Mues. Den Punkt griff Stephan Roth, Geschäftsführer der Entsorgungsbetriebe (ESi) Siegen, auf, der daran erinnerte, dass im Zuge der ersten Umplanungen die Bahn ihre Zustimmung geben musste, man sich über die Zeit bis zur Genehmigung aber ausschwieg. Man musste also Geduld haben. 

Gerhard Kötter, Steffen Mues, Stephan Roth, Eckhard Vetter und Stephan Klein stellten sich zum "Spatenstich". Gearbeitet wird mit allerdinsg mit großem Gerät.
  • Gerhard Kötter, Steffen Mues, Stephan Roth, Eckhard Vetter und Stephan Klein stellten sich zum "Spatenstich". Gearbeitet wird mit allerdinsg mit großem Gerät.
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Die endgültige Vorgehensweise stellte Planer Stephan Klein vor. Bis Ende Oktober soll der Rückbau, oder besser gesagt der Umbau der Weiß, abgeschlossen sein. Kostenpunkt: 1,2 Millionen Euro. Konkret ist am alten Wehr ein Höhenunterschied von etwa drei Metern zu überwinden. Das soll mit einer Rampe geschehen, die nicht so flach sein kann, wie die Ingenieure sie gerne hätten. Da der Platz bis zur nächsten Brücke der Lothar-Irle-Straße nicht ausreicht, wird das Bauwerk so gestaltet, dass die Fließgeschwindigkeit des Wassers verringert wird und so die Fische aufsteigen können.

Die Prioritäten seien eindeutig

Einfach das alte Wehr abreißen und eine Rampe aufschütten, das geht auch nicht. "Wir sind davon ausgegangen, dass wir es mit Schwergewichtsmauern zu tun haben. Es hat sich aber herausgestellt, dass dort ein U-Profil vorhanden ist. Darauf mussten wir achten”, so Stephan Roth. Planer Klein erklärte auch hier das Vorgehen: Die alte Bodenplatte aus Beton wird Stück für Stück durch Fertigteile der neuen Aufstiegsrampe ersetzt. Das Wasser der Weiß muss in dieser Zeit umgeleitet werden. Etwa 1,5 Kubikmeter pro Sekunde sollen dann durch eine Rohrleitung fließen, ohne Pumpen, rund 120 Meter weit.

Die gesamte Maßnahme wird mit 90 Prozent der Kosten gefördert. Die Wiederherstellung eines naturnahen Zustands ist politischer Wille des Landes NRW. Natur und Wasserlebewesen haben Vorrang. Das könnte auch der Grund sein, warum das Wehr nicht zur Energiegewinnung genutzt wird. Stephan Roth sagte auf Nachfrage der Siegener Zeitung, dass solche Gedanken bei der aktuellen Maßnahme keine Rolle spielten. Die Prioritäten seien da eindeutig. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen geht Roth aber davon aus, dass sich die Diskussion in Zukunft in eine andere Richtung entwickeln könnte. Aber klar ist auch: Naturschutz und Energiegewinnung müssen immer in Einklang miteinander gebracht werden. Ob eine Turbine dann noch wirtschaftlich zu betreiben wäre? "Das ist die große Frage”, so Roth. 

Es sollen wieder Lachse in der Weiß schwimmen

Den Artenreichtum hat die Fischereigenossenschaft im Blick. Gerhard Kötter: "Die Lebewesen zu schützen, das ist unsere Aufgabe. Deshalb unterstützen wir das Projekt mit 10.000 Euro und werden auch in den kommenden Jahren Überschüsse aus den Pachterträgen dafür ausschütten." In ein paar Jahren sollen wieder Lachse in der Weiß schwimmen. Vorher müssen aber noch an der Sieg Aufstiegsmöglichkeiten an zwei Wasserkraftwerken in Rheinland-Pfalz geschaffen werden. Wann es dort soweit ist, das bleibt noch abzuwarten.

Noch rauscht das Wasser rund drei Meter in die Tiefe. Das soll sich im Laufe des Jahres ändern. An gleicher Stelle wird eine Rampe entstehen, die Fischen den Aufstieg ermöglicht. Technisch ist das anspruchsvoll.
Gerhard Kötter, Steffen Mues, Stephan Roth, Eckhard Vetter und Stephan Klein stellten sich zum "Spatenstich". Gearbeitet wird mit allerdinsg mit großem Gerät.
Autor:

Guido Schneider aus Siegen

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