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Vormwald-Mord-Prozess
Das sagen die Polizisten

Der Tatort in Vormwald, fast sieben Monate danach: Im rechten Haus entdeckte die Polizei den Leichnam des 74-jährigen Opfers, in der unbewohnten weißen Villa direkt nebenan fand sie eine Marihuana-Plantage.
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js Siegen/Vormwald. Dieser vierte Verhandlungstag im Mordprozess gegen den 20-jährigen Max M. gehört der Polizei. Gleich neun Beamte sind hintereinander weg von der 2. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts geladen. Sie sollen dabei helfen, das Bild einer Tat weiter zu vervollständigen, bei der im August vergangenen Jahres ein 74-Jähriger auf brutale Weise in seinem eigenen Haus getötet wurde. Sie alle waren an jenem Sommermontag nach Hilchenbach gekommen, nachdem eine Sparkassenmitarbeiterin Alarm geschlagen hatte.

Mit drei Mann ist der erste Streifenwagen besetzt – zwei Beamte und ein Praktikant.

js Siegen/Vormwald. Dieser vierte Verhandlungstag im Mordprozess gegen den 20-jährigen Max M. gehört der Polizei. Gleich neun Beamte sind hintereinander weg von der 2. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts geladen. Sie sollen dabei helfen, das Bild einer Tat weiter zu vervollständigen, bei der im August vergangenen Jahres ein 74-Jähriger auf brutale Weise in seinem eigenen Haus getötet wurde. Sie alle waren an jenem Sommermontag nach Hilchenbach gekommen, nachdem eine Sparkassenmitarbeiterin Alarm geschlagen hatte.

Mit drei Mann ist der erste Streifenwagen besetzt – zwei Beamte und ein Praktikant. In der Bankfiliale am Markt erfahren sie von dem verdächtigen jungen Mann, der versucht hat, mit einem blutverschmierten Überweisungsträger zwei E-Bikes für einen fünfstelligen Eurobetrag zu bezahlen. Ein Standbild aus der Überwachungskamera wird per Polizei-Messenger zur Fahndung an die Kollegen geschickt, das uniformierte Trio begibt sich zum Wohnort des Kontoinhabers an der Vormwalder Straße.
„Das Haus wirkte ungepflegt“, erinnert sich der erfahrene 58-jährige Polizist an den Tatort. Auf Klingeln und Klopfen habe niemand reagiert, dann sei die geöffnete Terrassentür auf der Hausrückseite aufgefallen. Der Fernsehapparat sei eingeschaltet und zu hören gewesen. „Alles war völlig überladen.“

Bett mit einem Leichnam

Raum für Raum durchsuchen die Polizisten das Haus; Erdgeschoss, Keller, dann das Obergeschoss, in dem auf dem Boden verteilt Kontoauszüge liegen. Erst die letzte Tür ist verschlossen, weist Blutspuren auf, wird vom 30-jährigen Kollegen eingetreten. Ein kleines, ebenfalls mit allerlei Dingen und Kleidungsstücken vollgestopftes Zimmer kommt zum Vorschein, darin ein Bett mit einem Leichnam. „Man konnte den Tod des Mannes definitiv feststellen.“ Die vielen Stichwunden sind unübersehbar.

Der 20-jährige Max M. muss sich derzeit vor dem Siegener Landgericht wegen der Anklage wegen Mordes verantworten.
  • Der 20-jährige Max M. muss sich derzeit vor dem Siegener Landgericht wegen der Anklage wegen Mordes verantworten.
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Vor dem Haus steht der goldene Subaru des Bewohners – mit eingeschlagener Scheibe und Blutspuren, daneben liegen Klamotten. Im Nachbarhaus steht die Haustür einen Spalt breit auf, scheinbare Blutspuren an der Eingangstreppe lassen aufmerken. Auch hier sehen sich die Beamten um. Keine Menschenseele ist in der weißen Villa zu finden, sie ist offenbar unbewohnt – aber nicht ungenutzt. In einem der Zimmer entdeckt die Polizei eine Cannabis-Plantage mit mehr als 100 Pflanzen.

Fahndung von schnellem Erfolg gekrönt

Die Fahndung nach dem Täter ist derweil von schnellem Erfolg gekrönt. Zwei zur Verstärkung hinzugezogene Polizisten werden von Kollegen informiert, dass ein Verdächtiger auf dem Rad über die B 508 gefahren sei und kurz vor dem Tatort, beim Anblick der Streifenwagen, flugs umgedreht habe. Die Verfolgung beginnt, auf Lautsprecheransprache tritt der Verdächtige nur noch schneller in die Pedale, bis die Polizei ihm den Weg absperrt und es zur Kollision kommt. M. verkeilt sich mit dem Rad unter dem Streifenwagen und wird festgenommen. In seinen Taschen und im Rucksack befinden sich Drogen – auch frische Pflanzen, mutmaßlich aus der Plantage.

Die Beteiligten versuchen die Geschehnisse der Tatnacht aufzuarbeiten.
  • Die Beteiligten versuchen die Geschehnisse der Tatnacht aufzuarbeiten.
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„Ruhig, vielleicht sogar zu ruhig“ habe der junge Mann gewirkt, sagt der eine Polizist (46). Seine Kollegin (25) beschreibt ihn als „recht abwesend“ und apathisch. Ganz anders erleben ihn die beiden Polizisten, die für den Abtransport zur Polizeiwache in Weidenau zuständig sind. „Er war unangemessen redselig“, erinnert sich der 30-jährige Beamte an eine „bizarre“ Fahrt. „Es sprudelte aus ihm heraus.“ Zusammenhanglos habe er geplaudert, am Ende immer wieder das Geburtsdatum seines Opfers wiederholt.

Keine Emotionen, keine Reue, kein Mitgefühl

Im Weidenauer Gewahrsam angekommen, habe der Festgenommene unaufgefordert die Tötung des Mannes gestanden. Ein langer Kampf sei es gewesen in der Nacht zuvor, von 36 Stichen habe M. gesprochen. Lange habe es gedauert, bis das Opfer tot gewesen sei. „Wirres Zeug“, das nichts mit der Tat zu tun hat, habe er von sich gegeben, sagt der 26-jährige Beamte, der mit im Auto saß. Dabei sei er ruhig und gefasst geblieben, habe keine Emotionen gezeigt, keine Reue, kein Mitgefühl mit dem Getöteten. „Er wirkte auf uns, als sei er zufrieden mit seiner Tat“, berichtet ein 37-jähriger Beamter, der auf der Weidenauer Wache hinzustößt. M. habe „nicht gewusst, dass man die nicht umbringen“ dürfe.

Mit „die“, das berichten gleich mehrere Polizisten, meint der Beschuldigte „Kinderschänder“. Dem 20-Jährigen sei zu Ohren gekommen, dass das Opfer ein solcher sei und Kinderpornos besitze, das hasse er. „Er war sich keiner Schuld bewusst“, unterstreicht ein 26-jähriger Beamter. Empört sei M. nur darüber gewesen, dass er sich beim Kampf mit dem Senior selbst Verletzungen zugezogen habe.

Die Hauptverhandlung wird am 17. März fortgesetzt.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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