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Corona-Pandemie
Das sagen niedergelassene Mediziner zu den Hausarzt-Impfungen

„Die Patienten warten alle sehnlichst drauf, dass ich sie endlich impfen kann“, sagt die Siegener Hausärztin Dr. Claudia Langer.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ap Siegen/Olpe. Influenza, Masern, Tetanus – bei Impfungen sind Hausärzte meist die ersten Ansprechpartner. Wieso dann nicht auch bei der Schutzimpfung gegen das Coronavirus? Diese Frage diskutierten am Mittwoch auch die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Ab spätestens Mitte April sollen Arztpraxen beim Impfen helfen – vorausgesetzt, es gibt genügend Dosen. Auch der genaue Starttermin und Details zur Umsetzung bleiben derweil noch offen. Die Belieferung der Hausärzte in Nordrhein-Westfalen mit dem Corona-Impfstoff soll ab Ende März starten. Das kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf an. Die SZ sprach mit heimischen Medizinern - und die Ärzte formulieren klare Forderungen.

Hausärzte hätten sc

ap Siegen/Olpe. Influenza, Masern, Tetanus – bei Impfungen sind Hausärzte meist die ersten Ansprechpartner. Wieso dann nicht auch bei der Schutzimpfung gegen das Coronavirus? Diese Frage diskutierten am Mittwoch auch die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Ab spätestens Mitte April sollen Arztpraxen beim Impfen helfen – vorausgesetzt, es gibt genügend Dosen. Auch der genaue Starttermin und Details zur Umsetzung bleiben derweil noch offen. Die Belieferung der Hausärzte in Nordrhein-Westfalen mit dem Corona-Impfstoff soll ab Ende März starten. Das kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf an. Die SZ sprach mit heimischen Medizinern - und die Ärzte formulieren klare Forderungen.

Hausärzte hätten schon viel früher auf Corona-Impfungen vorbereitet werden sollen

„Das wäre ein Riesenschritt in Richtung Durchimpfen. Denn so wie es jetzt läuft, geht es zu langsam“, findet der Siegener Hausarzt Dr. Jens Nalop. „Das alles hätte schon viel früher passieren müssen“, findet er, „aber das war ja wegen der Menge an Impfstoffen nicht möglich.“ Zwischen 20 und 50 Patienten pro Tag kann der niedergelassene Arzt laut eigener Aussage problemlos in seiner Praxis am Löhrtor gegen das Virus impfen. In der Praxis am Imberg in Olpe ist sogar noch eine höhere Zahl denkbar. „Wir können schon so 200 Patienten an einem Nachmittag impfen“, erklärt Jan Patrick Goebel, Hausarzt und Facharzt für Innere Medizin, auf SZ-Anfrage.

Ein echter Kraftakt

Der Olper Mediziner äußert jedoch erste Bedenken im Hinblick auf den bürokratischen Aufwand und die Nachbeobachtung. „Zeit und Räumlichkeit sind in Impfzentren schon besser“, räumt er ein. Auch der Siegener Hausarzt Dr. Mathias Buschhaus gibt zu: „Die Bürokratie ist eine Belastung, das ist gar keine Frage. Aber ich denke, das nehmen alle Praxen gerne auf sich.“ Routinetermine müssten nach hinten verschoben werden, um Zeiträume für die Corona-Impfungen zu schaffen. „Man muss dann eine Gewichtung vornehmen“, erklärt Buschhaus. Dafür brauche es eine gewisse (Vorlauf-)Zeit.

Kühlkette für den Impfstoff als Herausforderung

Weitere Hürden in der praktischen Umsetzung sieht Nalop in der Art des gelieferten Impfstoffes: „Wenn wir den Impfstoff von Biontech bekommen, ist es mit der Kühlkette schwierig.“ Denn das Biontech-Vakzin sei nur fünf Tage im Kühlschrank haltbar. Praxen, in denen AstraZeneca verimpft werden würde, hätten demnach einen gewissen Wettbewerbsvorteil – darauf hatte Dr. Thomas Gehrke, Leiter des Eiserfelder Impfzentrums, bereits im Zuge der SZ-Berichterstattung über die Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffs hingewiesen.
Viel diskutiert wird auch der Einfluss auf die Impfreihenfolge, sofern niedergelassene Hausärzte selbst einschätzen können, bei welchem Patienten ein besonders hohes Risiko besteht. „Die Priorisierung ist in meinen Augen nicht in Gefahr“, sagt Nalop. Hochrisikopatienten seien bis Mitte April weitestgehend durchgeimpft und chronisch Kranke würden sich ohnehin als erstes in den Praxen melden. Dadurch ergebe sich ganz automatisch eine Impfreihenfolge. Seitens des NRW-Gesundheitsministers Laumann heißt es, die Hausärzte wüssten, wer geimpft werden müsse.

"Wir kennen unsere Patienten"

Goebel nennt auch einen Vorteil der Priorisierung durch Hausarztpraxen: „Wir kennen unsere Patienten und können sie sogar besser filtern und priorisieren als ein Impfzentrum.“ Gleichzeitig sei es aber für Hausärzte schwieriger, eine Impfanfrage zu verweigern. „Ein anonymes Impfzentrum hat es da leichter, keine Frage.“ Der Olper Mediziner schlägt vor: Abwarten, bis genügend Impfdosen da sind und dann die Priorisierung „extrem lockern“. Das sei aus seiner Sicht das Praktikabelste. Buschhaus sieht das etwas anders. Er appelliert: „Wir brauchen eine klare Richtlinie.“ Nur so sei der hohe Bedarf an Impfungen für niedergelassene Ärzte zu „händeln“.

Nüsse und Dukaten

Genügend Anfragen von Patienten gebe es jedenfalls schon jetzt, wie die Siegener Allgemeinmedizinerin Dr. Claudia Langer berichtet. „Ich habe unheimlich viele Patienten, die bei den Impfungen vorgezogen werden wollen“, erzählt Langer. „Die Patienten warten alle sehnlichst drauf, dass ich sie endlich impfen kann.“ Viele wollten zudem nicht ins Impfzentrum und würden lieber von der Hausärztin geimpft werden, so ihr Eindruck. „Die Patienten haben dann einen direkten Ansprechpartner.“

Forderung nach Infos durch die Landesregierung

Um schnellstmöglich auch in den Praxen zu impfen, braucht es jedoch zeitnahe Informationen seitens der Landesregierung – da sind sich alle Mediziner einig. „Entscheidend für uns ist, dass wir von der Politik frühzeitig informiert werden“, fasst Buschhaus zusammen. Er fordert einen verbindlichen Starttermin, Angaben über die Priorisierung und die Menge der Impfdosen, klare Aussagen über den Ablauf sowie genügend Vorlaufzeit. „Sonst gibt das eine Katastrophe.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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