Das Schicksal junger Flüchtlinge

Wenn junge Menschen alleine auf der Flucht sind, dann ist das für sie oft eine besonders belastende Situation. Foto: privat
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db Sie sind oft die Schwächsten der Schwachen und tragen nicht selten eine zentnerschwere Last auf ihren Schultern: minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, kurz MUF. Um 30 von ihnen kümmert sich das Jugendamt der Stadt Siegen aktuell – und erfüllt damit weit mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Quote. 

„In den letzten Jahren war das für Siegen überhaupt kein Thema“, erklärte jetzt der Abteilungsleiter Soziale Dienste, Georg Ritter. Erst seit Juli habe sich die Zahl an minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen deutlich erhöht. Ritter musste auch eingestehen, dass man im Siegerland auf diese Situation wohl nicht umfassend genug vorbereitet gewesen sei. So habe man eben in der Praxis gelernt.

Das Jugendamt ist verpflichtet, alleinreisende Minderjährige aufzugreifen und in Obhut zu nehmen – selbst dann, wenn diese es eigentlich gar nicht wollen. Denn für viele ist die Krönchenstadt nicht das Ziel, sondern höchstens eine Durchreisestation zu Verwandten, in andere Städte oder gar Länder. Natürlich haben sie jederzeit die Möglichkeit heimlich zu verschwinden und weiterzureisen. Oder, wie es Fachbereichsleiter André Schmidt formulierte: „Wir machen ihnen ein fürsorgliches und helfendes Angebot.“ Aber dies müsse natürlich niemand annehmen.

Die Jugendlichen, die meistens in der Notunterkunft auf dem Haardter Berg ankommen, sind wie fast alle Flüchtlinge erkältet, leiden unter wunden Füßen und waren den seelischen Belastungen der Flucht ausgesetzt. Doch bei den Minderjährigen kommt oft noch eine ganz andere Last dazu: Die Aufgabe, schnell Geld zu verdienen und es nach Hause zu schicken, um möglichst zeitnah der Familie ebenfalls die – dann sicherere – Flucht zu ermöglichen. Die Jugendlichen werden also als Hoffnungsträger auf eine lebensgefährliche „Reise“ geschickt: Ein Druck, der vielen Jugendlichen genauso zusetzt wie die kilometerlangen Fußmärsche und die traumatischen Erlebnisse der Flucht.

Darum ist nach der Inobhutnahme der MUF nicht unbedingt der erste Schritt, die Traumata therapeutisch zu behandeln, wie Frank Becker von der ev. Jugendhilfe des Freudenberger Friedenshorts aus der Praxis berichtete. Vielmehr ginge es darum, dass die jungen Menschen erst einmal ankommen, durchatmen und sich zurechtfinden könnten.

Ein großes Problem sei, da waren sich alle handelnden Akteure einig, das tatsächliche Alter der Flüchtlinge herauszufinden. Viele verlören ihre Pässe auf der Flucht – oder würden schlicht von Älteren ausgeraubt. Umso wichtiger sei es, dass eine offizielle Stelle nicht voller Misstrauen agiere, sondern Vertrauen vermittle. Vielen sehe man an, dass sie noch minderjährig seien. Nichtsdestotrotz versucht das Jugendamt, an „irgendeine Art von Dokumenten“ aus der Heimat der Jugendlichen zu kommen, wie André Schmidt versicherte. Da helfe manchmal schon ein abfotografiertes und per Whatsapp verschicktes Zeugnis.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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