Das Schwarzfahren leicht gemacht

 Schwarzfahren kostet – seit dem 1. Juli sogar nicht mehr „nur“ 40 Euro, sondern schon 60 Euro. Eine Frau aus Bad Berleburg wird derzeit für mehrere Schwarzfahrten zur Kasse gebeten, obwohl sie überhaupt nicht in dem Zug gesessen hat. Foto: Archiv
  • Schwarzfahren kostet – seit dem 1. Juli sogar nicht mehr „nur“ 40 Euro, sondern schon 60 Euro. Eine Frau aus Bad Berleburg wird derzeit für mehrere Schwarzfahrten zur Kasse gebeten, obwohl sie überhaupt nicht in dem Zug gesessen hat. Foto: Archiv
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bw - Es ist sicher eine Geschichte, die letztlich nur zum Kopfschütteln animiert. Im Mittelpunkt steht eine Bad Berleburgerin, allerdings ohne eigenes Zutun. Vor einigen Wochen erhielt die Dame mittleren Alters einen Brief der Deutschen Bahn. Es war eine Zahlungsaufforderung zur Fahrgeld-Nacherhebung. Sie sei im Rhein-Sieg-Express beim Schwarzfahren erwischt worden. Dumm nur, dass die Berleburgerin in diesem Zug an besagtem 29. Juni gar nicht gesessen hat. Diesen Einwand akzeptierte die Bahn auch – zunächst. Allerdings gab es eine Fortsetzung, denn die Berleburgerin erhielt weitere Schreiben. Sie sei auch am 11. Juli, am 13. Juli und am 21. August ohne gültiges Fahrticket im Zug erwischt worden. Nun erhielt sie bereits Mahnungen von einem Inkassounternehmen. Nur war die Berleburgerin wieder nicht im jeweiligen Zug. „Sie fährt höchstens mal bis nach Siegen“, verrät ihr Rechtsanwalt Jochen Zumbroich im SZ-Gespräch.

Klar ist: Die wirkliche „Schwarzfahrerin“ nennt immer wieder den Namen und die Adresse der Berleburgerin, die beteuert, mit den Delikten aber auch gar nichts zu tun zu haben. Ein Missverständnis, wie es auch die Bahn nach ihrem ersten Brief zunächst bezeichnete, ist dies schon lange nicht mehr. Aus Sicht des Rechtsanwalts muss es sich immer um die gleiche Person handeln, die den Namen der Berleburgerin missbraucht und mit diesem die Bahn betrügt. „Die Person muss ziemlich dreist sein“, sagt Jochen Zumbroich, der zudem befürchtet, dass auch noch weitere Mahnungen im Briefkasten seiner Mandantin landen werden. Freilich wundert sich der Jurist darüber, wie leicht jemand mit dem Namen und der Adresse einer ganz anderen Person solch ein Schindluder treiben könne.

Freilich ist es überhaupt nicht die Regel, dass sich ein Zugbegleiter die Papiere eines Schwarzfahrers zeigen lässt, wie die Siegener Zeitung von einem Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage erfährt. Zur Fahrgeld-Nacherhebung nimmt der Zugbegleiter natürlich die Personalien auf, so dass der „Schwarzfahrer“ einen Bescheid bekommt. Wenn der aber glaubhaft versichert, sich nicht ausweisen zu können, da er oder sie die Papiere vergessen habe, ist es die Ermessenssache des Zugbegleiters, ob er diese Aussage anzweifelt oder eben nicht, erläutert der Bahnsprecher. Und: „Heute sind die Trickbetrüger immer gewiefter – sie lernen Dienstpläne und wissen, wie sie nicht auf den gleichen Zugbegleiter zweimal treffen. Und die Zugbegleiter können den Menschen ja auch immer nur vor den Kopf schauen.“ Ein solcher Fall, wie jener der Berleburgerin, sei sehr selten.

Es sind Erklärungen, die der Frau aus Bad Berleburg gerade nicht sonderlich weiterhelfen. Die Deutsche Bahn rät dazu, Anzeige zu erstatten. Immerhin: Auf Anfrage der SZ sichert der Konzern zu, den Sachverhalt prüfen zu wollen, um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Dann könnte die Berleburgerin endlich aufatmen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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