Dickes Minus bei Konsum und Einzelhandelsumsätzen
Das Sparen in Corona-Zeiten hat fatale Folgen

Auch wenn das Weihnachtsgeschäft in Attendorn – alte Hanse- und heutige Millionärsstadt – ebenfalls weggebrochen ist (hier ein Bild mit stimmungsvollem Markttreiben aus der Vor-Corona-Zeit), steht der Standort nach wie vor ausgesprochen gut da.
  • Auch wenn das Weihnachtsgeschäft in Attendorn – alte Hanse- und heutige Millionärsstadt – ebenfalls weggebrochen ist (hier ein Bild mit stimmungsvollem Markttreiben aus der Vor-Corona-Zeit), steht der Standort nach wie vor ausgesprochen gut da.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ch/sz Siegen/Olpe. Jeder Lockdown bremste im vergangenen Jahr den Großteil des stationären Einzelhandels aus, das Weihnachtsgeschäft fand weder in der Wirklichkeit noch in der Statistik statt, und der Onlinehandel boomt. Das ist die Zusammenfassung des bitteren Pandemie-Jahres 2020 aus Sicht des heimischen Handels, gut nachzuvollziehen mittels der gerade vorgelegten Kaufkraftanalyse der IHK Siegen. Eine paradoxe Situation: „Zwar konnte der Einzelhandel in Teilen insgesamt die stärksten Umsatzzuwächse seit 26 Jahren verbuchen, zugleich ist die Lage etlicher heimischer Händler dramatisch. Die Branche teilt sich in Gewinner und Verlierer auf. Geht es so weiter, wird sich auch das Gesicht unserer Innenstädte schneller verändern, als uns lieb sein kann”, so Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Kammer.

Im NRW-Vergleich wird gut eingekauft

Noch ist es dabei um die Einzelhandelsstandorte in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe relativ gut bestellt, gerade im bundesweiten bzw. landesweiten Vergleich. Gräbener: „Die Kaufkraftbindung Siegens ist weiterhin bemerkenswert gut. Bundesweit weisen nur fünf Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern bessere Werte auf als das heimische Oberzentrum!” Auch der Blick auf Attendorn, der Stadt der Einkommensmillionäre, macht Mut: Dort verfügten die Bürger im vergangenen Jahr mit 29 382 Euro über die höchste allgemeine Kaufkraft im IHK-Bezirk, also in den beiden Kreisen. Sie erzielten um mehr als 6000 Euro höhere Einkünfte als der Bundes- und Landesdurchschnitt. In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es nur drei Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern, die besser dastehen als Attendorn.

Es wird mehr gespart

Die 2020er-Zahlen konkret: Im vergangenen Jahr belief sich das sogenannte Kaufkraftvolumen (das Geld privater Haushalte für Konsumzwecke) in Siegen-Wittgenstein und Olpe auf etwa 9,7 Milliarden Euro. Je Einwohner ergibt sich somit ein verfügbares Einkommen von 23 574 Euro. Das sind immerhin 329 Euro mehr als der Bundes- und 613 Euro mehr als der Landesdurchschnitt. Gegenüber dem Vorjahr ging jedoch die Kaufkraft um etwa 1,3 Prozent zurück; das entspricht einem Minus von etwa 160 Millionen Euro. „Erhebliche Unsicherheit, Kurzarbeit und sinkende Beschäftigung führen dazu, dass die Leute ihr Geld vermehrt beisammenhalten”, so Gräbener zu den Gründen.

200 Millionen Euro minus

Mit fatalen Folgen. Hier die Zurückhaltung, dort die von Staats wegen geschlossenen Geschäfte, in denen nahezu ausschließlich Kosten produziert, jedoch keine Erträge generiert werden – der Einzelhandelsumsatz ging daher im gesamten stationären Handel laut derzeit vorliegenden Prognosen um 8 Prozent zurück. Wurde er im IHK-Bezirk für 2019 noch auf 2,6 Milliarden Euro beziffert, lag der Umsatz 2020 bei 2,4 Milliarden Euro. Ein dickes Minus von 200 Millionen Euro.
Und: Den rund 411 000 Einwohnern im IHK-Bezirk – vom Baby bis zum Senior – standen insgesamt 2,76 Milliarden für den Einzelhandel zur Verfügung. Mit anderen Worten: Es wurden etwa 360 Millionen Euro nicht in den Geschäften der Region ausgegeben, sondern flossen in den Online- und Versandhandel bzw. in Kommunen außerhalb des IHK-Bezirkes.

Krönchenstadt zieht an Die „IHK-Kaufkraftanalyse 2020“ liegt vor. Sie gibt Aufschluss über das Konsumpotenzial sowie die Attraktivität des Einzelhandels in den 18 Städten und Gemeinden in Siegen-Wittgenstein und Olpe. Die Analyse verdeutlicht, dass 2020 erstmals nach etlichen Jahren sowohl die Kaufkraft als auch der Einzelhandelsumsatz in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe zurückgingen. Die Kaufkraftbindungsquote sank von 89 Prozent im Jahr 2019 auf 87 Prozent. Bundes- bzw. landesweit ging diese Quote sogar um 4 Prozentpunkte zurück. Erneut gelingt es dem Einzelhandel nur in Siegen, Olpe und Freudenberg, rein rechnerisch die vorhandene Kaufkraft vor Ort zu binden und sogar Kaufkraft aus anderen Kommunen zu gewinnen. Den Spitzenplatz belegt der Einzelhandelsstandort Siegen. Etwa 197 Millionen Euro werden von Einwohnern anderer Kommunen in der Krönchenstadt umgesetzt. Damit liegt die Kaufkraftbindungsquote des Siegener Einzelhandels bei 130 Prozent; bundesweit ein Spitzenwert, der darauf schließen lässt, dass hier in den vergangenen Jahren sehr viel richtig gemacht wurde.
Autor:

Christian Hoffmann aus Siegen

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