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Wohin mit den Klamotten?
Das Verfallsdatum der Mode

C & A wirbt mit der Aktion "Call & Collect“, bei der Kunden für 15 Euro eine Tüte mit sieben Artikeln bekommen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

goeb Siegen/Betzdorf. Die Branche ist gestiefelt und gespornt und blickt mit großen Erwartungen auf Mittwoch, wenn die Regierenden (wieder einmal) die Weichen stellen werden für die nächste Corona-Schutzverordnung – auch für den Textilhandel geht es dabei um viel. Denn: Zwei Drittel der Artikel finden noch immer in den Läden neue Besitzer. Dabei tut man seit Wochen schon alles, um auf anderen Wegen Käufer zu finden für Ware aus den übervollen Lagern.
Eine Tüte mit sieben Teilen„Bestelle jetzt deine Überraschungstüte“, wirbt die Textil-Kaufhauskette C & A auf ihrer Website und in den sozialen Medien um Schnäppchenjäger. Die dürften, wenn sie Geduld und Ausdauer mitbringen, den „Deal des Jahres“ machen, denn C & A verspricht mit seiner „Call &

goeb Siegen/Betzdorf. Die Branche ist gestiefelt und gespornt und blickt mit großen Erwartungen auf Mittwoch, wenn die Regierenden (wieder einmal) die Weichen stellen werden für die nächste Corona-Schutzverordnung – auch für den Textilhandel geht es dabei um viel. Denn: Zwei Drittel der Artikel finden noch immer in den Läden neue Besitzer. Dabei tut man seit Wochen schon alles, um auf anderen Wegen Käufer zu finden für Ware aus den übervollen Lagern.

Eine Tüte mit sieben Teilen

„Bestelle jetzt deine Überraschungstüte“, wirbt die Textil-Kaufhauskette C & A auf ihrer Website und in den sozialen Medien um Schnäppchenjäger. Die dürften, wenn sie Geduld und Ausdauer mitbringen, den „Deal des Jahres“ machen, denn C & A verspricht mit seiner „Call & Collect“-Aktion für nur 15 Euro eine Tüte mit sieben Artikeln drin: eine Hose, Jeans oder Freizeithose, zwei Sweatshirts oder Pullover plus vier Produkte aus der Winter-Kollektion.
Legt die Kundin – denn in erster Linie sind es Frauen, die am Siegufer in der Schlange stehen – noch 10 Euro drauf, gibt es eine propere Winterjacke bzw. einen -mantel obendrauf. Solange der Vorrat reicht, teilt das Warenhaus mit.
C & A macht aus der Not eine Tugend und versucht wie viele Läden im stationären Handel, Platz zu schaffen für die Frühjahrskollektion und damit die Lager zu entlasten.

Nachlasse bis 70 Prozent

Auf mehr als eine halbe Milliarde Kleidungsstücke, die allein während des derzeitigen Shutdowns in den Geschäften liegengeblieben sind, schätzt der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels den „Überhang“ im Land. Was tun damit?
Die Rabattschlachten toben bereits, bevor der stationäre Handel geöffnet hat. Manche Geschäfte wie C & A stellen das über Click & Collect sicher. Auch im Online-Handel vieler Modegeschäfte werden zuweilen Nachlässe von 50 bis 70 Prozent gegeben.

Ware wird verschleudert

„Ich halte diese Geschäftspraxis für ruinös“, sagt Christoph Burghaus von Modehaus Burghaus in Betzdorf, ein Bekleidungsgeschäft für gehobene Ansprüche. „Die Branche hat ein Problem“, räumt er ein. Über viele Jahre habe man Marken aufgebaut, und nun werde Ware zum Teil verschleudert. „Wir verbrennen damit viel Erde“, lässt er sich weiter ein.
Burghaus: „Eine Jacke, die man für 5 Euro verkauft, kann man im nächsten Jahr nicht für 50 verkaufen“, kritisiert er eine gängige Praxis vieler Fast-Fashion-Ketten. Das habe weder etwas zu tun mit Wirtschaftlichkeit noch mit Nachhaltigkeit, denn so niedrige Preise prägten auch das Bewusstsein der Kunden. Mode verkomme zum Billigprodukt, sei dann auch „gefühlt“ nichts mehr wert.

Mode mit Verfallsdatum

Manche Modeketten lagern die nicht verkaufte Ware ein, doch Lagerkapazität ist teuer. Und: „Mit der Mode gehen“ lautet ein geflügeltes Wort, was bereits impliziert, dass auch Textilien ein Verfallsdatum haben, ähnlich wie verderbliche Ware. Zwar kann man im nächsten Jahr eine schwarze Jacke auch wieder als schwarze Jacke verkaufen, meint Burghaus, bei trendabhängigen Produkten geht das allerdings nicht.
Es ist kein Geheimnis, dass gerade Billigmode in großem Stil vernichtet wird, also im Schredder landet oder in der Müllverbrennungsanlage, auch wenn das Kreislaufwirtschaftsgesetz das verbietet. Kontrollen sind aber schwierig.

Greenpeace klinkt sich ein

Anfang des Jahres informierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace die Abfallbehörden über mögliche Pläne in der Branche, neue Ware zu vernichten, und drohte mit Klage, sollte dagegen nicht vorgegangen werden.
Nicht an die große Glocke hängen Modehändler zwischen Passau und Flensburg das Abstoßen von Ware ins Ausland, wenn diskret der Laster vorfährt. Bis nach Afrika und in die USA geht die Ware, die hier keine Abnehmer mehr gefunden hat – in „normalen“ Jahren, wohlgemerkt. Corona ist indes eine weltumspannende Seuche und die Probleme, die sie anrichtet, sind allerorten ähnlich.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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