SZ

SZ-Interview-Serie zum Jahreswechsel (6) - Thorsten Doublet, M+E-Verband
„Das wird noch eine heiße Phase“

Auch wenn der Druck in der Produktion steigt: Die Kurzarbeit hat dafür gesorgt, dass die Beschäftigten vieler Unternehmen nicht entlassen werden mussten, als für sie keine ausreichende Arbeit mehr vorhanden war. Wie schon in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren habe sich das Instrument bewährt, sagen die Arbeitgeber.
2Bilder
  • Auch wenn der Druck in der Produktion steigt: Die Kurzarbeit hat dafür gesorgt, dass die Beschäftigten vieler Unternehmen nicht entlassen werden mussten, als für sie keine ausreichende Arbeit mehr vorhanden war. Wie schon in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren habe sich das Instrument bewährt, sagen die Arbeitgeber.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ch Siegen/Bad Berleburg. Glück im Corona-Unglück, so könnte man das Interview mit Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände der hiesigen Metall- und Elektroindustrie mit Blick auf die Pandemie zusammenfassen. Dabei bescheinigt er den heimischen Betrieben in erster Linie Tatkraft, wertet die Erfahrung, wie die Unternehmen auf die Krise reagiert haben, überaus positiv.
Herr Dr. Doublet, wie groß ist der Corona-Schaden insgesamt für die heimischen M+E-Unternehmen bislang?
Der Schaden für die Wirtschaft in Siegen-Wittgenstein ist groß. Das gilt auch für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, hier vor allem für den Maschinen- und Anlagenbau. Innerhalb kürzester Zeit sind die Auftragseingänge vieler Unternehmen eingebrochen.

ch Siegen/Bad Berleburg. Glück im Corona-Unglück, so könnte man das Interview mit Dr. Thorsten Doublet, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände der hiesigen Metall- und Elektroindustrie mit Blick auf die Pandemie zusammenfassen. Dabei bescheinigt er den heimischen Betrieben in erster Linie Tatkraft, wertet die Erfahrung, wie die Unternehmen auf die Krise reagiert haben, überaus positiv.
Herr Dr. Doublet, wie groß ist der Corona-Schaden insgesamt für die heimischen M+E-Unternehmen bislang?

  • Der Schaden für die Wirtschaft in Siegen-Wittgenstein ist groß. Das gilt auch für die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, hier vor allem für den Maschinen- und Anlagenbau. Innerhalb kürzester Zeit sind die Auftragseingänge vieler Unternehmen eingebrochen. Bereits erteilte Aufträge wurden storniert. Auslieferungen waren aufgrund der Reisebeschränkungen nicht mehr möglich. Lieferketten wurden unterbrochen. Das hat sich bei unseren Betrieben besonders stark ausgewirkt, weil sie zu einem sehr großen Teil im Exportgeschäft tätig sind. Entsprechend sind auch die Umsätze zurückgegangen. Das wieder aufzuholen, wird lange dauern.

Welche besonderen Herausforderungen wird die pandemische Lage im Allgemeinen und der harte Lockdown im Besonderen bringen?

  • Die Folgen werden wir auch 2021 weiterhin spüren, das wird noch eine heiße Phase. Auf der anderen Seite hat die Pandemie mit ihren Auswirkungen den Digitalisierungsprozess in den Unternehmen beschleunigt. Viele Beschäftigte mussten ins Homeoffice wechseln, was in den meisten Fällen sehr gut funktioniert hat. Inbetriebnahmen von bereits ausgelieferten Maschinen und Anlagen erfolgten in einigen Fällen per Videokonferenz. Damit konnten auch Kundenkontakte gehalten werden. Vieles davon wird sicherlich auch nach der Pandemie Bestand haben. Insgesamt gesehen hat sich der Stellenwert der Digitalisierung und der damit verbundenen Möglichkeiten in den Unternehmen deutlich erhöht. Die größte Herausforderung für die Unternehmen wird aber darin bestehen, die Verluste aus der Krise wett zu machen und so Beschäftigung dauerhaft zu sichern.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang das Instrument der Kurzarbeit aus Arbeitgebersicht?

  • Die Kurzarbeit hat dafür gesorgt, dass die Beschäftigten vieler Unternehmen nicht entlassen werden mussten, als für sie keine ausreichende Arbeit mehr vorhanden war. Wie schon in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren hat sich das Instrument bewährt. Die Unternehmen profitieren ebenfalls, weil sie ihre qualifizierten Fachkräfte nicht verlieren. Sobald wieder genügend Arbeit da ist, können sie wieder auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen. Viele Länder beneiden uns um dieses Instrument.

Wie wird sich mittelfristig die Arbeit für die Beschäftigten der M+E-Branchen, angetrieben durch den Druck aus den Bereichen Corona und Digitalisierung, verändern?

  • Die Pandemie hat sich als Antreiber für die Beschleunigung von Digitalisierungsprozessen in den Unternehmen erwiesen. Die Arbeit vieler Beschäftigter hat sich ins Homeoffice verlagert. Man hat festgestellt: auch von zu Hause aus kann man gut und effizient arbeiten. Konferenzen und Besprechungen müssen nicht unbedingt immer in Präsenz stattfinden. Sie können auch als Videokonferenz durchgeführt werden. Alleine diese Dinge verändern das Arbeiten. In den Werkstätten selber ist der Einfluss der Digitalisierung noch nicht so ausgeprägt. Das liegt unter anderem daran, dass im Maschinen- und Anlagenbau kaum in Serie gefertigt wird. Hier überwiegt die kundenspezifische Einzelfertigung. Da kann man den qualifizierten Werkzeugmechaniker nur schwer durch eine Maschine ersetzen. Dennoch nutzen auch die Maschinen- und Anlagenbauer digitale Prozesse, vor allem in der Steuerungstechnik und im Kundenservice. 

Wie schwer werden die nächsten Monate für junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen?

  • Glücklicherweise haben wir in unserer Region einen relativ stabilen Ausbildungsmarkt. Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist auch jetzt noch höher als die Zahl der Bewerber. Natürlich haben sich Unternehmen in der Krise auch bei der Einstellung von Auszubildenden zurückgehalten, weil sie überhaupt nicht absehen konnten, wie sich die weitere Entwicklung gestaltet. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das Ausbildungsplatzangebot gerade in der Metall- und Elektroindustrie in der Zeit nach der Pandemie wieder stabilisieren wird. Die Unternehmen brauchen qualifizierte Nachwuchskräfte und bilden nach wie vor in einem hohen Maße aus. Insofern sehe ich gute Perspektiven für junge Menschen in der Metall- und Elektroindustrie.

Frage zum Abschluss: Welche Erkenntnisse nehmen Sie als Verband aus den vergangenen Monaten der Pandemie mit?
Die einschneidendste Erkenntnis aus dieser Zeit ist sicherlich die Erfahrung, wie schnell ein mikroskopisch kleiner Virus die Welt fast vollständig zum Stillstand bringen kann. Ein solches Szenario hätte sich vor der Pandemie wohl kaum jemand von uns ausmalen können.
Wir leben glücklicherweise in einem reichen und industriestarken Land, sodass unser Staat viele Auswirkungen der Pandemie finanziell abfedern konnte, aber es ist schon erschreckend, mit welcher Geschwindigkeit das öffentliche und wirtschaftliche Leben eingeschränkt werden musste.
Positiv werte ich die Erfahrung, wie unsere Unternehmen auf die Krise reagiert haben. Viele Beschäftigte wechselten in kürzester Zeit ins Homeoffice und konnten so trotz Pandemie weiter arbeiten. Die notwendige Infrastruktur dafür war weitestgehend vorhanden. Viele Unternehmen haben auch den medizinischen Bereich mit Hilfsleistungen und Spenden unterstützt. Auch das ist eine gute Erfahrung.

Auch wenn der Druck in der Produktion steigt: Die Kurzarbeit hat dafür gesorgt, dass die Beschäftigten vieler Unternehmen nicht entlassen werden mussten, als für sie keine ausreichende Arbeit mehr vorhanden war. Wie schon in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren habe sich das Instrument bewährt, sagen die Arbeitgeber.
Dr. Thorsten Doublet.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen