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Klimaschutzkonzept Mobilität
Das Ziel: Weniger Autos in Siegen

Siegen ist eine Autofahrerstadt, wie das Foto an Kochs Ecke belegt. Nicht zuletzt wegen der sieben Hügel allein in der Kernstadt ist das so. Wer klemmt sich schon seinen Sechser-Pack Mineralwasser auf den Buckel und läuft den Giersberg hoch?
  • Siegen ist eine Autofahrerstadt, wie das Foto an Kochs Ecke belegt. Nicht zuletzt wegen der sieben Hügel allein in der Kernstadt ist das so. Wer klemmt sich schon seinen Sechser-Pack Mineralwasser auf den Buckel und läuft den Giersberg hoch?
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mir Siegen. Der Blick auf die stark befahrene HTS täuscht nicht, das Auto ist und bleibt die Nr. 1 als Verkehrsmittel. Siegen will das jetzt ändern, zumindest der Versuch dazu ist im Gang. Hilfsmittel ist ein Klimaschutzteilkonzept Mobilität mit einer 62-seitigen Expertise des Aachener Ingenieurbüros BSV.
Genau dieses Papier hat die Autorin Dr.-Ing. Katja Engelen jetzt in der Bismarckhalle der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Mammutsitzung über zwei Stunden mit gerade einmal 35 Teilnehmern, unter ihnen auffallend viele Lokalpolitiker mit Interesse am Rad- und Busfahren.

mir Siegen. Der Blick auf die stark befahrene HTS täuscht nicht, das Auto ist und bleibt die Nr. 1 als Verkehrsmittel. Siegen will das jetzt ändern, zumindest der Versuch dazu ist im Gang. Hilfsmittel ist ein Klimaschutzteilkonzept Mobilität mit einer 62-seitigen Expertise des Aachener Ingenieurbüros BSV.
Genau dieses Papier hat die Autorin Dr.-Ing. Katja Engelen jetzt in der Bismarckhalle der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Mammutsitzung über zwei Stunden mit gerade einmal 35 Teilnehmern, unter ihnen auffallend viele Lokalpolitiker mit Interesse am Rad- und Busfahren.

Weniger Autos in Siegen

Als ganz zum Schluss der Sauerstoff fast zur Neige geht, kommt das Wichtige zur Sprache: Ziel allen Handelns der Stadt Siegen bis 2030 soll es sein, den Autoanteil bei der Mobilität von aktuell 73 auf 68 Prozent zu reduzieren. Eine Variante, die bewusst die Trägheit der Menschen bei Verhaltensänderungen berücksichtigt. Der ÖPNV sollte von 10 auf 12 Prozent steigen, der Fußgängeranteil fast gleich bleiben (13 Prozent).

Nur ein paar mehr Radfahrer erwartet

Beim Radfahren sieht die Studie lediglich ein steigendes Potenzial von 3,9 auf 6,3 Prozent. Kann das sein? Ja, alle Zahlen basieren auf Haushaltsbefragungen von 2017, der „Kaufrausch“ in den Fahrradländen seit Beginn der Corona-Pandemie findet sich darin nicht wieder. Mehrere Teilnehmer monieren genau diesen Umstand. Die Referentin lässt sich nicht beirren: „Die Zahl der Autofahrer hat dadurch nicht oder nur kaum nachgelassen. Ganz bewusst haben sich ÖPNV-Kunden für den Kauf eines Rades entschieden, um nicht in vollen Bussen und Bahnen mit dem Virus angesteckt zu werden.“

Siegener formulieren Wünsche

Dr.-Ing. Katja Engelen spricht in der Bismarckhalle noch ein paar Fakten an, die den vielen Autofahrern in der Siegener Politik nur bedingt gefallen werden: „Den Umweltverbund fördern, das steht im Vordergrund; nicht mehr das Auto dominiert.“ Anfang 2021 sollen konkrete Handlungsempfehlungen formuliert werden. Ein begleitender Arbeitskreis wird daran beteiligt sein. Ein Blick zurück: Vergangenen Herbst durften die Siegener per Online-Befragung ihre Ideen, Wünsche und Sorgen artikulieren. Ungenügende Park-and-ride-Möglichkeiten wurden genannt, fehlende Radwege, schlechte Fußgängerquerungen an Hauptstraßen. Die Fernbushaltestelle sollte verlegt werden, mehr Busspuren sind erwünscht. Der schnelle HLB-Zug nach Frankfurt kann mit dem Auto mithalten, die lahmen Zugverbindungen nach Köln und Hagen sind dem Kfz nicht gewachsen.

Leitziele festgesetzt

Leitziele bis 2030 stehen im Raum: „Lebenswertes Siegen“ gehört dazu. Mit weniger Lärm, weniger Schadstoffen in der Luft und vom Verkehr entlasteten Wohnstraßen. „Stadt der kurzen Wege“, noch so ein Arbeitsfeld mit Potenzial. Mehr Fuß- und Radverkehr ist ausdrücklich erwünscht, „der Pkw soll nicht mehr dominant im Vordergrund stehen“, sagt Engelen.
Ganz Deutschland kauft Schnäppchen im Internet: Schuhe, Blazer, Teppiche und Waschmaschinen, einfach alles. Als Folge rasen gestresste Paketboten durch die Wohnviertel, offiziell sind das KEP-Dienstverkehre. Auch da heißt es vom Gutachterbüro: „Diese Verkehre sollten so verträglich wie möglich abgewickelt werden.“ Aber wie? Engelen: „Die Waren könnten zu zentralen Sammelpunkten gebracht und von dort mit Lastenrädern nach Hause geliefert werden.“

Berge in Siegen bedenken

Spätestens an der Stelle fällt dem Chronisten ein Zwischenrufer ein, der sich zu Anfang der Veranstaltung beschwert hatte: „Ist bei allen diesen Überlegungen an die Topografie der Stadt Siegen gedacht worden.“ Die offizielle Antwort: „Ja.“
Zwei weitere Ziele für 2030: 10 Prozent der innerörtlichen Pkw-Fahrten könnten auf den ÖPNV verlagert werden. Und: Fahrten kürzer als fünf Kilometer sollten zur Hälfte nicht mehr mit dem Auto absolviert werden, sondern zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Plötzlich gibt es noch einen Zwischenruf: „Auch die Berge rauf und runter? Wie soll das gehen?“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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