De-Bruyne-Transfer vor dem Abschluss - Perisic-Absprung?

Wolfsburg (dpa) - Der irre Poker um Kevin De Bruyne stellt beim VfL Wolfsburg selbst das Bundesligaspiel gegen Schalke 04 in den Schatten. Am Donnerstagabend stand das Feilschen mit Manchester City um die höchste Ablöse der Bundesliga-Geschichte endgültig vor dem Abschluss.

«Wir haben uns angenähert, soviel kann ich verraten», berichtete VfL-Sportchef Klaus Allofs am Rande der Champions-League-Auslosung in Monte Carlo. Angesichts des zu erwartenden 75-Millionen-Deals war Allofs der gefragteste Mann und antwortete geduldig auf die Fragen sämtlicher internationaler Journalisten. «Ich hoffe, dass wir heute Abend oder spätestens morgen früh etwas vermelden können», fügte Allofs lächelnd hinzu.

In Wolfsburg strich Trainer Dieter Hecking fast zeitgleich Deutschlands Fußballer des Jahres aus dem Kader für das Schalke-Spiel, obwohl De Bruyne zuvor noch am Abschlusstraining teilgenommen hatte. Auch Ivan Perisic wird am Freitag nicht für den Vizemeister auflaufen. An dem Kroaten hat Inter Mailand weiterhin starkes Interesse.

Der gigantische Geldsegen eröffnet dem VfL bis Montag noch einige Möglichkeiten auf dem Transfermarkt. «Mal sehen, was sich in Wolfsburg personell noch tut», unkte in München Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer.

Dafür hatte Allofs am Donnerstag noch einmal hart gekämpft. Obwohl nach dpa-Informationen bereits seit Mittwochabend eine grundsätzliche Einigung mit ManCity über den Transfer bestand, pokerte der VfL-Sportchef um die größtmögliche Summe für De Bruyne. «Die Interessen des VfL Wolfsburg müssen ausreichend berücksichtigt werden», hatte Allofs am Mittag in Wolfsburg bekräftigt und eine Einigung mit ManCity dementiert.

Allofs und Hecking drohten sogar damit, De Bruyne am Freitag notfalls noch spielen zu lassen. Soweit kommt es nun aber nicht - denn bis zur Champions-League-Auslosung am Abend, die dem VfL die Gegner Manchester United, ZSKA Moskau und PSV Eindhoven bescherten, gingen die Verhandlungen weiter. Die vormals öffentliche geäußerte Zuversicht, den begehrten belgischen Nationalspieler doch noch in der Bundesliga halten zu können, war bereits in den vergangenen Tagen gewichen. «Wir sind deshalb in Verhandlungen mit Manchester City getreten», hatte Allofs bestätigt.

Hinter den Kulissen arbeitete Allofs mit Hochdruck an einer Einigung noch vor dem Schalke-Spiel. Dass das Transfer-Theater die Vorbereitung auf das Schalke-Spiel belastete, war am Donnerstag deutlich zu sehen. Trainer Hecking beantwortete alle sportlichen Nachfragen sichtlich angefressen und mit finsterer Miene. «Mich ermüdet das, es gibt Wichtigeres», knurrte der Coach.

Längst wurde auch er mit Spekulationen konfrontiert, wen die Wolfsburger angesichts der Rekord-Ablöse bis zum Ende der Transferfrist noch verpflichten. Als De-Bruyne-Nachfolger ist laut «Bild» sogar Julian Draxler vom Gegner Schalke im Gespräch. Ähnlich wie im Fall De Bruyne in Wolfsburg hatten anhaltende Wechselspekulationen auch in Gelsenkirchen ein Reizklima geschaffen.

Obwohl Schalkes Manager Horst Heldt ein Angebot von Juventus Turin über kolportierte 15 Millionen Euro als viel zu niedrig abgelehnt und in der Folge weitere Verhandlungen mit Juve untersagt hatte, gab und gibt es weiter Wechselgerüchte. Zuletzt hatte Held gepoltert, falls noch jemand nach Draxler frage, «ticke ich aus». Am Mittwoch hatte er sich dann wieder beruhigt: «Es gibt nichts Neues. Es ist alles entspannt.»

Das Geld für einen möglichen Draxler-Deal könnte Wolfsburg nun auch im Hinblick auf die Financial-Fairplay-Regularien locker bezahlen. Hochkarätige Verstärkungen auch im Hinblick auf die Champions-League-Spiele verboten sich für den Vizemeister bislang. «Durch die Vorgaben des Financial Fairplay haben wir keine große Möglichkeiten, da aktiv zu werden», hatte Allofs zuletzt betont. Der VfL darf nicht einfach mit VW-Geldern Spieler kaufen, das Geld dafür müsste bis zu einem gewissen Teil selbst generiert werden. Wie jetzt durch den zu erwartenden Verkauf De Bruynes.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

VfL Wolfsburg: Casteels - Vieirinha, Nalod, Klose, Ricardo Rodriguez - Arnold, Luiz Gustavo - Caligiuri, Kruse, Perisic - Dost

FC Schalke 04: Fährmann - Riether, Matip, Neustädter, Aogo - Geis, Goretzka - Choupo-Moting, Draxler - Di Santo, Huntelaar

Schiedsrichter: Brych (München)

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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