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Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Dem Kind den Wald erklären

Prof. Dr. Klaudia Witte erklärt Lehramtsstudenten, wie sie naturwissenschaftlich-technische Fragestellungen für Schüler besser greifbar machen können.
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  • Prof. Dr. Klaudia Witte erklärt Lehramtsstudenten, wie sie naturwissenschaftlich-technische Fragestellungen für Schüler besser greifbar machen können.
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ap Siegen. „Wer, wie, was – wieso, weshalb, warum …?“ Diese Gesangsphrase ist mehr als nur ein Bestandteil der bekannten „Sesamstraßen“-Hymne. W-Fragen sind essenziell, um die Welt zu verstehen, denn „wer nicht fragt, bleibt dumm“. Vor allem wissenshungrige Kinder stellen ihre Eltern – gerade bei komplexeren Themen – dabei nicht selten vor eine große Herausforderung. Wie erklärt man dem neugierigen Sprössling bloß Klimawandel, Waldsterben und Co.? Biologin Prof. Dr. Klaudia Witte hat diese Aufgabe übernommen und die Probleme unserer Wälder für Kinder übersetzt.
„Zuerst einmal sollte man erklären, dass ganz unterschiedliche Faktoren für das Sterben unserer Wälder verantwortlich sind“, empfiehlt Klaudia Witte.

ap Siegen. „Wer, wie, was – wieso, weshalb, warum …?“ Diese Gesangsphrase ist mehr als nur ein Bestandteil der bekannten „Sesamstraßen“-Hymne. W-Fragen sind essenziell, um die Welt zu verstehen, denn „wer nicht fragt, bleibt dumm“. Vor allem wissenshungrige Kinder stellen ihre Eltern – gerade bei komplexeren Themen – dabei nicht selten vor eine große Herausforderung. Wie erklärt man dem neugierigen Sprössling bloß Klimawandel, Waldsterben und Co.? Biologin Prof. Dr. Klaudia Witte hat diese Aufgabe übernommen und die Probleme unserer Wälder für Kinder übersetzt.
„Zuerst einmal sollte man erklären, dass ganz unterschiedliche Faktoren für das Sterben unserer Wälder verantwortlich sind“, empfiehlt Klaudia Witte. Die Bodenbeschaffenheit spiele beispielsweise dabei eine elementare Rolle: „Unsere Böden sind viel zu trocken“, erklärt die Biologin. Insbesondere Fichten litten unter den geringen Niederschlagsmengen – und das aus einem ganz bestimmten Grund: „Der Wurzelteller ist sehr flach und geht demnach nicht in die tieferen, feuchteren Schichten des Waldbodens.“

Kleine schwarze Krabbeltierchen: Borkenkäfer

Das zweite Problem seien Waldbewohner, die dem Holz der Bäume schaden. Deshalb nennt man sie auch Schädlinge. Es gibt kleine schwarze Krabbeltierchen, die unter der Borke – das ist die Rinde eines Baumes – wohnen. Die Borkenkäfer legen ihre Eier darunter ab, daraus entstehen Larven, und die haben ungeheuren Hunger. Sie fressen sich durch das Baumrindenbuffet und können dadurch einen enormen Schaden anrichten. Die nur 12 Millimeter „großen“ Rüsselkäfer schaffen es nämlich, einen ganzen Baum zum Absterben zu bringen. Doch warum ist das so?
Durch die unzähligen kleinen Bohrlöcher, die sie in die Stämme fressen, schwächen sie die Abwehrmechanismen des Baumes. „Die Käfer dringen in die Leitgefäße der Bäume ein. Dadurch wird der Wasser- und Nährstofffluss gestört, und die Fichten werden schwächer und schwächer“, geht Witte ins Detail. Normalerweise verschlössen Nadelbäume die kleinen Löcher der gefräßigen Schädlinge mit Harz. Um den natürlichen Kleber zu produzieren, brauchten sie aber Feuchtigkeit, und die fehle wegen der vorherrschenden Bodentrockenheit – ein ökologischer Teufelskreislauf. Nach und nach trocknen so die Nadeln aus, und die Rinde platzt ab. Und was passiert dann mit den Bäumen?

Betroffene Fichten werden abgeholzt

Die betroffenen Fichten werden abgeholzt, damit umliegende Pflanzen nicht auch noch von dem Schädling befallen werden. Durch die Abholzung werde jedoch das Gleichgewicht der Natur durcheinandergebracht, so die Expertin. Die freien Flächen seien schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt und trockneten noch stärker aus. Und auch die Lebensgrundlage der Tiere werde dadurch zerstört: „Den tierischen Waldbewohnern gehen Verstecke, Nahrung oder Nistplätze einfach verloren“, beschreibt die 57-Jährige Universitätsprofessorin das „Dilemma“, in dem wir uns befinden. Sie folgert: „Man kann es eigentlich nicht richtig machen.“ Also können wir nichts tun, außer der Lichtung unser Wälder tatenlos zuzuschauen?

Mischwälder statt Nadelwald-Monokulturen

„Doch! Aber wir brauchen Geduld“, meint die Biologin. „Wir müssen umdenken, brauchen Laub- und Mischwälder statt Nadelwald-Monokulturen. Und dafür müsste man der Natur eigentlich Zeit lassen, damit sich genau die Baumarten durchsetzen können, die mit unserem Klima und den Gegebenheiten am besten klarkommen.“ Etwas gegen das Baumsterben zu unternehmen, bedeutet für Witte aber auch, den Wald nicht mehr so zu nutzen, wie wir es bislang getan haben. Sie fordert: „Wir sollten andere Werte als rein wirtschaftliche, zum Beispiel den Erholungswert der Natur erkennen.“ Damit die Kleinsten schon ein Bewusstsein dafür entwickeln, empfiehlt die Siegener Biologin, gemeinsam als Familie die Wälder zu erkunden: „Mit den Kindern rausgehen und ihnen direkt vor Ort alles zeigen, das kann man gar nicht häufig genug machen.“ Mal unter der Rinde nachzuschauen, wie die Wege des Käfers verlaufen, und dann zu erklären, was das für einen Baum bedeutet, hält die Biologie-Lehrende für sehr sinnvoll.
Um sich langsam an dieses komplexe Thema mit seinen Kindern heranzutasten, rät sie allen Eltern: Websites durchforsten und an Führungen teilnehmen, etwa an denen der Ranger auf dem Rothaarsteig. „Gerade hier in Siegen-Wittgenstein gibt es viele solcher Angebote“, sagt Witte.

Hier finden Sie alle Artikel zur SZ-Serie "Der Wald im Wandel" im Überblick.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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