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Welt-Alzheimertag
Demenz darf nicht in Vergessenheit geraten

„Demenz – wir müssen reden“, ist das Motto des heutigen Welt-Alzheimertages und will dabei bewusst den Fokus auf das Personalpronomen legen: Mehr Öffentlichkeit und weniger Tabuisierung wollen demzufolge auch Lutz Stähler (r.) und Brigitte Weber-Wilhelm von der Alzheimer-Gesellschaft Siegen mit ihrer Info-Aktion in der Siegener Innenstadt.
  • „Demenz – wir müssen reden“, ist das Motto des heutigen Welt-Alzheimertages und will dabei bewusst den Fokus auf das Personalpronomen legen: Mehr Öffentlichkeit und weniger Tabuisierung wollen demzufolge auch Lutz Stähler (r.) und Brigitte Weber-Wilhelm von der Alzheimer-Gesellschaft Siegen mit ihrer Info-Aktion in der Siegener Innenstadt.
  • Foto: Sarah Benscheidt
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sabe Siegen. „Wir sind auch das, was wir vergessen haben“, steht nach Jörn Klare auf einer der dünnen Broschüren, die Brigitte Weber-Wilhelm von der Siegener Alzheimer-Gesellschaft nach einem gemütlichen Gespräch in der Innenstadt noch schnell in die Hand drückt. „...Und wir sind – auch wenn wir vergessen haben“, spinnt der Kopf weiter.
Unerwartet, unvorbereitet trifft das Nachdenken über Demenz einen Nerv, der sonst, ist man nicht betroffen, wenig Reiz erfährt. Trotz einer steigenden Zahl von Menschen mit Demenz fehle es auch hierzulande noch immer an Öffentlichkeit, Normalisierung, an Verständnis und Verstehen, an einem Darüber-Reden, an einer Ent-Tabuisierung.
Daran will Brigitte Weber-Wilhelm arbeiten. Gemeinsam mit Lutz Stähler (2.

sabe Siegen. „Wir sind auch das, was wir vergessen haben“, steht nach Jörn Klare auf einer der dünnen Broschüren, die Brigitte Weber-Wilhelm von der Siegener Alzheimer-Gesellschaft nach einem gemütlichen Gespräch in der Innenstadt noch schnell in die Hand drückt. „...Und wir sind – auch wenn wir vergessen haben“, spinnt der Kopf weiter.
Unerwartet, unvorbereitet trifft das Nachdenken über Demenz einen Nerv, der sonst, ist man nicht betroffen, wenig Reiz erfährt. Trotz einer steigenden Zahl von Menschen mit Demenz fehle es auch hierzulande noch immer an Öffentlichkeit, Normalisierung, an Verständnis und Verstehen, an einem Darüber-Reden, an einer Ent-Tabuisierung.
Daran will Brigitte Weber-Wilhelm arbeiten. Gemeinsam mit Lutz Stähler (2. Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Siegen), steht die Ehrenamtlerin im innerstädtischen Drogeriemarkt „DM“ und findet die Möglichkeit des Aufzuges ihres kleinen Infostandes an diesem hochfrequentierten Standort „einfach super.“ Hier könne man niedrigschwellig mit Menschen ins Gespräch kommen, die sonst nicht erreichbar sind.

Demenz als gesellschaftliche Aufgabe

„Demenz – wir müssen reden“ – das Motto des diesjährigen Erinnerungstages an das Vergessen, will den Fokus auf das Personalpronomen. „Es ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe“, findet Weber-Wilhelm, über das Krankheitsbild zu reden, „immer und immer wieder.“ Berührungspunkte schaffen, Umgang lernen, auch mit der Angst.
„Wie kann ich mich verhalten, passiert aufgrund der Krankheit ein nicht angepasstes Verhalten? Ob nun als Angehöriger oder auch als möglicher Beobachter einer – fürs Erste nicht ganz normal erscheinenden Situation an der Supermarktkasse.“
Gerade hier in Siegen-Wittgenstein, so findet Lutz Stähler, gebe es tolle Unterstützungsangebote, auch sehr spezialisierte – für Betroffene und deren Angehörige. „Wir sind da als Kreis wirklich sehr fortschrittlich.“ Trotzdem: Diesen breiten Facettenreichtum der Hilfsvielfalt gelte es, noch weiter in die Öffentlichkeit hineinzutragen. „Wir haben hier alleine 5000 Erkrankte. Zählt man die Angehörigen als Betroffene mit hinzu, kommt man schnell auf 10 000 Menschen, die mit dem Thema alltägliche Berührungspunkte haben.“

Alzheimer-Gesellschaft Siegen will informieren

Gerade deshalb wolle man informieren, stützen, hinweisen. Darauf, wie mannigfaltig sich das Krankheitsbild äußern kann, und darauf, wie individuell sich Verhaltensformen ändern können. „Demenz passt nicht in ein Schema. Betroffene leiden total unter diesem festgefahrenen Bild.“
Demenz, so Weber-Wilhelm weiter, heiße nicht, dass jetzt ist alles vorbei sei, und untermauert dies mit einer wärmenden Anekdote. „Bei einem Tanzabend für Demente und Angehörige – zugehörig zum Angebotsspektrum der Alzheimer Gesellschaft – gab es da diesen Mann, mit fortgeschrittener Demenz. Der hat dann beim Einsetzen der Musik einen langsamen Walzer getanzt. Ganz für sich allein. Das Körpergedächtnis hat sich erinnert.“
Das, so sagt Brigitte Weber-Wilhelm, seien „diese Gänsehautmomente“, die belegten, was der Alzheimer-Gesellschaft ein „Riesen-Anliegen“ sei. „Das wahrgenommen wird: Es kann ein gutes Leben geben – auch mit Demenz.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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