Demo für die Unterkunft

 Klare Botschaft: 50 bis 60 Flüchtlinge demonstrierten für den Erhalt der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) Burbach auf der Lipper Höhe unter dem Beifall zahlreicher ehrenamtlicher Helfer. Foto: Tim Lehmann
  • Klare Botschaft: 50 bis 60 Flüchtlinge demonstrierten für den Erhalt der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) Burbach auf der Lipper Höhe unter dem Beifall zahlreicher ehrenamtlicher Helfer. Foto: Tim Lehmann
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tile - „Wir wollen bleiben! Ein Team!“ „Don’t close the camp!“ „Hier steckt unser Herzblut!“ Die Botschaft war laut und eindeutig: Die Pläne der Bezirksregierung, die Burbacher Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in der ehemaligen Siegerlandkaserne am 30. Juni 2017 in den Standby-Modus zu versetzen, stoßen auf Gegenwehr. Am Mittwoch demonstrierten 50 bis 60 Bewohner der Einrichtung unter dem Applaus zahlreicher Ehrenamtler für den Erhalt der EAE. Laut „Burbach muss bleiben!“ skandierend zogen sie mehrmals vor den Toren des Sicherheitszauns hin und her.

„Es gibt in keiner Erstaufnahmeeinrichtung in der Bundesrepublik Deutschland ein so harmonisches Miteinander von Haupt- und Ehrenamt, Sicherheitsdienst und Flüchtlingen wie in Burbach“, sagte Peter Ginsberg selbstbewusst. Der Kriminalhauptkommissar a. D. koordiniert die Arbeit von rund 120 engagierten Ehrenamtlern. Zudem sei es die einzige Einrichtung, in der freiwillige Helfer derart viele Angebote machten; von Kindernachmittagen, täglicher Öffnung der Kleiderkammer, über Musik-Events, einen Abholdienst zu Gottesdiensten und dörflichen Festen bis hin zu Integrationsstunden „mit deutschen Regeln“, sportliche Aktivitäten und mehr. Anderorts dürften Ehrenamtler nur Deutschkurse in den Einrichtungen anbieten und durchführen.

Für die engagierten Helfer sei es eine schwierige Situation, meint Burbachs ev. Pfarrer Thomas Walter. Sie hätten so viel Herzblut in die Arbeit gesteckt. „Ich hoffe, dass sie nicht frustriert sind.“ In Burbach sei es dank der Ehrenamtler gelungen, dass sich die Zuwanderer wohl fühlen. „Hier wird Willkommenskultur gelebt.“ Die Demo habe man für die Menschen und dafür, „dass die Einrichtung weiter leben kann“, organisiert. Obwohl der Standby-Modus beschlossene Sache ist, glaubt Ginsberg, dass die Einrichtung über den Sommer 2017 hinaus erhalten bleibe. Denn das vermeintliche Aus sei ja daran geknüpft, dass sich die aktuellen Flüchtlingszahlen nicht verändern. „Aber sie werden sich verändern“, prognostizierte er.

Derart optimistisch äußerte sich Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers am Mittwoch nicht. Gleichwohl seien zuletzt Beschlüsse gefasst worden, die später vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen wieder durch neue Beschlüsse abgelöst worden seien. Aus seiner Sicht sei die Demonstration zunächst als eine „Würdigung und Anerkennung der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfer vor Ort“ zu verstehen. Der Burbacher Rat habe sich gewünscht, dass die Einrichtung sicher bleibe. Wie schnell ein Standby-Modus zum endgültigen Aus führen könne, habe man ja auf dem Stegskopf erlebt.

Er habe zwar Verständnis, dass das Land auch wirtschaftlich denken und handeln müsse, die 8 Mill. Euro, die in die vermeintlich notwendige Sanierung und in den Aufbau zusätzlicher Infrastruktur auf der Lipper Höhe investiert werden müssten, seien aber deutlich zu hoch angesetzt. Zumindest die Umwandlung in eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) hätte man in Betracht ziehen können. Bis zuletzt hatten sich Ewers und die heimischen Landtagsabgeordneten in Arnsberg für den Erhalt des Standorts eingesetzt. Nun, so Ewers, müsse sich Burbach darauf einstellen, dass die Gemeinde – wie jede andere Kommune auch – demnächst Flüchtlinge zugewiesen bekomme. Nach SZ-Informationen könnte dies ab Frühjahr der Fall sein.

Kurios: Neben der Demonstration der Zuwanderer, von denen laut Peter Ginsberg viele bereits seit einem halben oder gar Dreivierteljahr dort wohnten, gab es am Mittwoch noch einen Grund für die Ehrenamtler, zahlreich zu erscheinen. Nach rund einem Jahr hatte Arnsberg die Genehmigung für den Bau eines Kinderspielplatzes erteilt. Und dass, obwohl doch in weniger als einem Jahr Schluss sein könnte. Zunächst werden nur ein Sandkasten und eine Reifenschaukel aufgestellt. Die restlichen Geräte – eine Wippe und eine Klettergerüst –, die die ev. Kirche und der Lions Club bereits angeschafft haben, sollen erst aufgestellt werden, „wenn die Erhalt der Einrichtung sicher ist“, sagte Peter Ginsberg verschmitzt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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