AUF EIN BIER mit...
Dennis Henkel von "MOANET"

Dennis Henkel, freut sich immer, die frische Luft des Siegerlands zu atmen.
  • Dennis Henkel, freut sich immer, die frische Luft des Siegerlands zu atmen.
  • Foto: sabe
  • hochgeladen von Marc Thomas

sabe Siegen. Wenn in München einer „Moanet“ trägt, dann läuft mit ihm ein Stückchen Siegerland-Identität durch die Straßen. Denn der Schriftzug stammt aus dem „Sejerlänner Platt“, heißt soviel wie „bestimmt nicht.“ Dennis Henkel machte daraus an einem Kneipenabend eine Ableitung. Er wollte eine Modemarke erschaffen, die „bestimmt nicht“ für den Standard stehen sollte. Heute ist daraus eine urbane Streetwear-Marke gewachsen, die den Spagat zwischen Trend und Tradition schafft, die mit Mundart aus der Region mondiale Mode machen will.

Der gelernte Grafik- und Kommunikationsdesigner kommt selbst aus der Provinz und weiß nach Meetings in Berlin nichts Schöneres, als die frische Luft des Siegerlandes zu atmen. Mit der SZ spricht er über das Glück auf dem Land, Urbanität und Ursprüngliches und warum ein bisschen Hauberg-Feeling auch in Hamburg geht.

Nach deinem Studium in Köln hast du ein Stipendium angeboten bekommen. Du hättest bei einer angesagten Agentur in Düsseldorf arbeiten können. Aber du hast abgelehnt und bist zurück nach Siegen gekommen. Warum?
Weil ich in Siegen mein eigenes Ding machen wollte, sehr heimatverbunden bin. Es kam für mich gar nicht infrage, dass ich irgendwie nach Köln oder Düsseldorf gehe. Und dann hatte ich hier die Möglichkeit, einen Pop-up-Store zu eröffnen. Ich hatte da Bock drauf, weil es sowas in der Art ja vorher in Siegen noch nicht wirklich gab. Und ich habe damals schon gemerkt: ‚Hier in der Stadt passiert gerade was, hier gibts einen Umschwung.' Gerade dieses ganze Studenten-Thema. Dann habe ich den zweiten Pop-up-Store eröffnet – und irgendwann gesagt: ‚So, jetzt gehts los.‘ Daraufhin hab‘ ich den Laden angemietet. Da sind wir jetzt seit viereinhalb Jahren drin.

Wie bist du auf die Idee gekommen, aus Mundart Mode zu machen?
Ich habe schon immer ein Problem damit gehabt, dass jemand, der aus dem Dorf kommt und einen Dialekt hat, dümmer dargestellt wird als jemand, der richtig Hochdeutsch spricht – was ja totaler Schwachsinn ist. Ich meine, ich habe mein Diplom mit 1,3 gemacht und habe trotzdem platt geredet. Ich habe zum Beispiel einen Kumpel gehabt, der hat sich bei der Polizei beworben und er ist nicht genommen worden, weil er kein richtiges Hochdeutsch gesprochen hat. Wat is dat denn für'n Quatsch?! Also habe ich mir gesagt: ‚Ich will den Dialekt wieder cool machen, von seinem Staub befreien.‘ Und ich liebe Sprache, insbesondere die deutsche Sprache. Ich finde, dass man Deutsch sehr, sehr geil als Kunstsprache einsetzen kann. Deswegen wirst du auch bei mir keinen englischen Slogan auf einem Shirt sehen.

Also ein persönliches Ding.
Genau. Und weil ich auf der anderen Seite schon immer modebewusst war, Mode immer geliebt habe, war die Idee geboren, diese beiden Dinge zusammenzubringen.

Jetzt verbindest du mittlerweile moderne Streetwear mit dem Charme traditioneller Eigentümlichkeiten. Glaubst du, das funktioniert so gut, weil du selbst so begeistert vom Landleben bist?
Ich habe eben von Anfang an sehr viel Herz reingesteckt und klar – meine Heimatverbundenheit spielt da auch eine große Rolle. Ich lebe dieses Ding einfach.

Hast du einen Lieblingsslogan?
DORF. Frische Luft kommt von dort. Zum einen verkörpert das für mich wieder dieses Heimatgefühl. Wenn ich aus dem Urlaub oder von irgendwelchen Geschäftstermin aus der Großstadt komme und streife dann hier ein bisschen durchs Land, kann ich aufatmen. Die Luft ist halt hier komplett anders. Und es ist auch wieder dieses Spiel mit der Sprache. Die Marke „MOANET“ soll frische Luft in die Modewelt bringen.

Apropos. Im Markenkonzept hat sich der Wind ja auch etwas gedreht.
Ich bin ein Mensch, der immer Bock hat, neue Dinge zu machen, mich weiterzuentwickeln. Deswegen haben wir letztes Jahr die Marke abgespalten. 'MOANET' soll das Urbane noch mehr verkörpern, weil sie eben auch national funktioniert. Unser Kundenkreis hat sich erweitert. München, Berlin, Frankfurt. Und das andere Label 'Dorfästhetik', soll weiterhin dieses Lokalkolorit-Thema haben.

Wenn jemand aus Hamburg deine Klamotten trägt – macht dich das stolz?
Natürlich ist das nochmal was anderes, wenn die Klamotten in Berlin und Hamburg getragen werden und nicht nur in Niederschelden. Beides ist cool, aber eben anders. Die Erfolge zu sehen, dass wir mittlerweile auch deutschlandweit Bestellungen bekommen, uns Blogger anfragen und so weiter – das ist natürlich ein Traum. Aber es ist auch verdammt viel Arbeit.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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