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Neue Gedenktafel für Juden am Hauptbahnhof Siegen
Deportiert und nicht vergessen

Kein Zufall: Klaus Merklein, Bürgermeister Steffen Mues und Traute Fries (v.l.) blicken aus gegebenem Anlass so ernst. Schließlich haben sie am Freitag am Gleis 4 des Siegener Hauptbahnhofs die erneuerte Gedenktafel für die von dort deportierten Juden offiziell der Öffentlichkeit übergeben.  Foto: Michael Roth
  • Kein Zufall: Klaus Merklein, Bürgermeister Steffen Mues und Traute Fries (v.l.) blicken aus gegebenem Anlass so ernst. Schließlich haben sie am Freitag am Gleis 4 des Siegener Hauptbahnhofs die erneuerte Gedenktafel für die von dort deportierten Juden offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Foto: Michael Roth
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mir  Siegen. Was ist das Besondere an Gleis 4 auf dem Siegener Hauptbahnhof? Der provisorisch befestigte Holzpfahl mit dem Schild „Gleis 4“ auf der Dauerbaustelle kann es nicht sein, wohl aber einen Meter weitere die neue, fest montierte Gedenktafel für die von den Nazis deportierten Juden.
Rechtspopulisten dürfen sich nicht entfaltenZum 75. Jahrestag der Verfolgung von in Mischehen Lebenden appellierten am Freitag Klaus Merklein und Traute Fries vom Aktiven Museum sowie Bürgermeister Steffen Mues eindringlich, das Erinnern an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte hochzuhalten: „Das Vermächtnis darf niemals vergessen werden“, rief Mues den Teilnehmern zu. „Es ist gut so, dass hier an die Willkürherrschaft der Nazis erinnert wird.

mir  Siegen. Was ist das Besondere an Gleis 4 auf dem Siegener Hauptbahnhof? Der provisorisch befestigte Holzpfahl mit dem Schild „Gleis 4“ auf der Dauerbaustelle kann es nicht sein, wohl aber einen Meter weitere die neue, fest montierte Gedenktafel für die von den Nazis deportierten Juden.

Rechtspopulisten dürfen sich nicht entfalten

Zum 75. Jahrestag der Verfolgung von in Mischehen Lebenden appellierten am Freitag Klaus Merklein und Traute Fries vom Aktiven Museum sowie Bürgermeister Steffen Mues eindringlich, das Erinnern an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte hochzuhalten: „Das Vermächtnis darf niemals vergessen werden“, rief Mues den Teilnehmern zu. „Es ist gut so, dass hier an die Willkürherrschaft der Nazis erinnert wird. Wir müssen alle wachsam sein, damit nicht Rechtspopulisten die Grundrechte außer Kraft setzen.“

Klaus Merklein erinnerte an die ersten drei Deportationen. Am 28. April 1942 wurden 44 Juden aus dem Siegerland und 66 aus Wittgenstein nach Zamosc in Südostpolen deportiert, in den Vernichtungslagern Belcec, Majdanek und Sobibor fanden sie den Tod.

Nach Theresienstadt in Böhmen ging von Siegen aus ein weiterer Zug mit vorwiegend älteren Menschen an Bord, 65 jüdische Mitbürger aus Siegen und Wittgenstein befanden sich am 27. Juli 1942 unter den Deportierten. Sie starben dort oder in Auschwitz bzw. Treblinka. Die Eheleute Sueßmann und Herrmann hatten sich vorher das Leben genommen, einige Inhaftierte überlebten.

Am 28. Februar 1943 mussten 15 jüdische Menschen in Siegen einen Zug ohne Wiederkehr nach Auschwitz besteigen. Dieser Zug von Stuttgart über Trier, Düsseldorf und Dortmund transportierte am 1. März 1943 insgesamt 1500 Menschen in die Vernichtung.

Auch im Herbst 1944 noch Deportationen nach Kassel

Über die im Herbst 1944 von der Nazi-Willkür betroffenen Menschen sprach gestern Traute Fries. Jüdische Partner in Mischehen wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet, deutsche Ehemänner in Arbeitslager der Organisation Todt eingewiesen. Annemarie Meyer hatte versucht, sich der „Mischlingsaktion“ der Nazis zu entziehen, sie wurde aufgegriffen und zur Zwangsarbeit nach Hagen-Haspe gebracht.

Noch so ein Fall: Jenny Juncker aus Weidenau. Ihre Tochter hatte sie bereits 1941 bei Bekannten auf einem Bauernhof bei Attendorn versteckt. Ende September 1944 wurde sie in Kassel-Bettenhausen, einem Außenlager des KZ Buchenwald, zur Zwangsarbeit eingesetzt. Während eines Bombenangriffs holte sie ihr Ehemann Alfred Juncker in einer waghalsigen Aktion aus dem Lager und versteckte sie ebenfalls in Attendorn. Die Junckers überlebten und wohnten nach dem Krieg in Siegen, Alfred Juncker war von 1949 bis 1953 Präsident der IHK Siegen und von 1949 bis 1953 FDP-Bundestagsabgeordneter.

Paula Meyer aus Essen wohnte seit 1939 in der Eiserner Straße in Siegen, wurde im September 1944 ebenfalls nach Kassel-Bettenhausen deportiert, sie überlebte und wohnte zuletzt in der Heeserstraße.

Johanna Bergmann aus Nottuln gehörte ebenfalls zu den Deportierten, sie hat das KZ Theresienstadt überlebt. Ilse Dörner aus Siegen gehörte gleichfalls zu den Deportierten in Kassel. Ebenso Anna Brückmann und Selma Jung. Letztere wurde im Dezember 1944 nach Theresienstadt überstellt und im Juni 1945 entlassen. Helene Dietermann aus Siegen wiederum besuchte die jüdischen Frauen zweimal im Lager Kassel-Bettenhausen.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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