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Corona sorgt für zusätzliche Probleme
Der Anteil der Nichtschwimmer steigt stetig

Schwimmen macht Spaß – und ist eine lebenswichtige Kompetenz: Seit Jahren schon schlägt die DLRG Alarm, dass die Quote der Zehnjährigen, die nicht schwimmen können, steigt. Die Pandemie sorgt nun für zusätzliche Probleme.
  • Schwimmen macht Spaß – und ist eine lebenswichtige Kompetenz: Seit Jahren schon schlägt die DLRG Alarm, dass die Quote der Zehnjährigen, die nicht schwimmen können, steigt. Die Pandemie sorgt nun für zusätzliche Probleme.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Siegen/Bad Berleburg. Das Jahr 2020 ist ein Tiefpunkt für die Schwimmausbildung. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig das Angebot von Schwimmkursen ist. Die aber konnten über Monate nicht stattfinden. Bäder waren geschlossen, auch der Schulschwimmunterricht war von März bis nach den Sommerferien nicht möglich. „Wir haben ein halbes Jahr komplett verloren“, bedauert Jan Strackbein, DLRG-Aktiver und Leiter der Schwimmgemeinschaft „Wellenbrecher“ in Dahlbruch. Bis wieder Regelbetrieb möglich sei, werde ein Jahr vergehen. „Wenn es gut läuft.“
Zeit fürs Schwimmen fehltSchon in Zeiten vor der Pandemie war es nicht zum Besten gestellt um die Schwimmerquote der Nachwuchsgeneration.

js Siegen/Bad Berleburg. Das Jahr 2020 ist ein Tiefpunkt für die Schwimmausbildung. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig das Angebot von Schwimmkursen ist. Die aber konnten über Monate nicht stattfinden. Bäder waren geschlossen, auch der Schulschwimmunterricht war von März bis nach den Sommerferien nicht möglich. „Wir haben ein halbes Jahr komplett verloren“, bedauert Jan Strackbein, DLRG-Aktiver und Leiter der Schwimmgemeinschaft „Wellenbrecher“ in Dahlbruch. Bis wieder Regelbetrieb möglich sei, werde ein Jahr vergehen. „Wenn es gut läuft.“

Zeit fürs Schwimmen fehlt

Schon in Zeiten vor der Pandemie war es nicht zum Besten gestellt um die Schwimmerquote der Nachwuchsgeneration. Immer mehr Kinder machen ihre ersten Wassererfahrungen im Schulschwimmunterricht, meist im dritten oder vierten Schuljahr. Und selbst dieser reicht mitunter nicht aus, um vorherige Versäumnisse wieder wettzumachen. Was fehlt, ist Zeit.

Schwimmkurse sind gefragt

Schwimmkurse bei DLRG, Vereinen oder privaten Anbietern sind gefragt. Längst nicht alle Eltern sorgen selbst dafür, dass sich der Nachwuchs vor der ersten Schulschwimmstunde bereits sicher im Wasser bewegt. Corona machte den Schwimmtrainern einen Strich durch die Rechnung, das Virus hat die Kurse ausgebremst. Ab März konnten Anbieter wie die „Wellenbrecher“ nichts ausrichten. 30 Kinder lernen normalerweise pro Durchgang im Dahlbrucher Hallenbad das Schwimmen. „Damit fehlt jetzt eine ganze Schulklasse“, rechnet Strackbein um. Die Anfragen nach Schwimmausbildung nehmen derweil extrem zu, der Bedarf steigt und führt auch zu Gewinnern der Krise. „Die Preise bei einigen privaten Anbietern haben sich verdreifacht.“ Bei der DLRG, so berichtet Pressesprecher Martin Holzhause, gab es schon vor Corona Wartelisten von mehr als einem Jahr. „Diese dürften jetzt entsprechend länger werden.“

Kaum öffentliche Badezeiten

Corona sei aus Schwimmersicht noch nicht ausgestanden, die längerfristigen Auswirkungen seien noch nicht vollends absehbar, bedauert auch Jan Strackbein. Die öffentlichen Badezeiten seien wegen Hygienevorgaben und einem Besucherrückgang vielerorten zusammengestrichen worden. Das wiederum schmälere die Chancen für Eltern, mit den Kindern selbst das Schwimmen zu üben. Ohnehin ist der bundesweite Trend ungebrochen, dafür wäre die Pandemie nun wirklich nicht nötig gewesen: Mehr als die Hälfte der Deutschen zählt laut DLRG zu den Nicht- oder sehr unsicheren Schwimmern. Bei den Zehnjährigen liegt diese Quote sogar bei 60 Prozent.

Grundschulen haben Vorrang

Das ist auch an in Siegerland und Wittgenstein durchaus ablesbar. An allen Grundschulen in Siegen-Wittgenstein werde Schwimmen unterrichtet, berichtet Peter Sziburies vom Kreisschulamt. Hier und da sei es für die zuständigen Schulträger nicht einfach, die benötigten Zeiten in den Bädern zu ergattern. Dieses Problem dürfte sich nun verschärfen. Eine aktuelle Landesvorgabe könne aber bei der Argumentation helfen: Vordringlich sollen demnach die Nichtschwimmer ausgebildet werden – die Grundschulen dürfen aufgrund von Corona vorrangig mit Schwimmstunden bedacht werden. Die Grundschulen des Kreises melden dem Schulamt die Nichtschwimmer, denen dann Kurse des Landesprogramms „NRW kann schwimmen“ angeboten werden. Acht solcher Kurse finden auch wieder in den Herbstferien statt.

Viele Kinder können nicht schwimmen

Eine kleine Umfrage bei Schulleitern bestätigt den Trend. Michael Goedecke von der Grundschule Burbach schätzt, dass sich die Nichtschwimmerquote im vergangenen Jahrzehnt etwa verdoppelt hat. 30 bis 40 Prozent der Jungen und Mädchen könnten vor der ersten schulischen Stunde nicht oder nur sehr unsicher schwimmen. Bei der Grundschule An Dreslers Park in Kreuztal trifft das auf etwa die Hälfte der Kinder zu, berichtet Sportlehrer Markus Fuhrmann. Viele Schüler müssten erst noch ans Wasser gewöhnt werden, hätten in den Elternhäusern wenig Vorbereitung bekommen.

Zwangspause wegen Corona

Ein Hallenbad vor Ort macht sich bezahlt, das zeigt sich in Erndtebrück. Selbst wenn längst nicht alle Kinder als Schwimmer in den entsprechenden Unterricht starteten, machten doch über die Hälfte von ihnen bis zum Ende der Grundschulzeit ein Bronze- oder gar Silberabzeichen, sagt Rektor Thorsten Denker. Das liege daran, dass an dieser Schule zwei Schuljahre lang Schwimmen unterrichtet werde.
Anja Koch, Florenburgschule Hilchenbach, schätzt den Anteil der anfänglichen Nichtschwimmer auf ein Drittel. Durch die coronabedingte Zwangspause habe ein kompletter Jahrgang nicht schwimmen gehen können. Daher sei davon auszugehen, dass einige als Nichtschwimmer auf die weiterführende Schule gewechselt hätten.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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