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SZ-Interview-Serie zum Jahreswechsel (4) – Daniela Tomczak, Chefin der Arbeitsagentur
„Der Arbeitsmarkt ist bislang robust“

Die Region trotzt Corona. Die Chefin der hiesigen Arbeitsagentur sieht den Arbeitsmarkt in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe trotz Wirtschaftkrise als robusten Ort an.
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  • Die Region trotzt Corona. Die Chefin der hiesigen Arbeitsagentur sieht den Arbeitsmarkt in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe trotz Wirtschaftkrise als robusten Ort an.
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ch Siegen/Olpe. Die Region trotzt Corona: Daniela Tomczak sieht den Arbeitsmarkt in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe trotz Wirtschaftkrise als robusten Ort an. Die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit berichtet von rund 1600 Betrieben zwischen Burbach, Bad Laasphe und Attendorn, die in schlimmsten Spitzenzeiten ihre Beschäftigten in Kurzarbeit schickten, anstatt ihre Mitarbeiter zu entlassen.
Frau Tomczak, wie tief sind die Sorgenfalten auf Ihrer Stirn, wenn Sie zum Jahreswechsel auf den heimischen Arbeitsmarkt schauen?
Hinter uns liegt das wirtschaftlich schwierigste Jahr seit Jahrzehnten. Weite Teile der Wirtschaft sind durch die Corona-Pandemie massiv getroffen worden. Aktuell wird die Situation durch den erneuten Lockdown noch einmal verschärft.

ch Siegen/Olpe. Die Region trotzt Corona: Daniela Tomczak sieht den Arbeitsmarkt in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe trotz Wirtschaftkrise als robusten Ort an. Die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit berichtet von rund 1600 Betrieben zwischen Burbach, Bad Laasphe und Attendorn, die in schlimmsten Spitzenzeiten ihre Beschäftigten in Kurzarbeit schickten, anstatt ihre Mitarbeiter zu entlassen.
Frau Tomczak, wie tief sind die Sorgenfalten auf Ihrer Stirn, wenn Sie zum Jahreswechsel auf den heimischen Arbeitsmarkt schauen?

  • Hinter uns liegt das wirtschaftlich schwierigste Jahr seit Jahrzehnten. Weite Teile der Wirtschaft sind durch die Corona-Pandemie massiv getroffen worden. Aktuell wird die Situation durch den erneuten Lockdown noch einmal verschärft. Den Unternehmen ist es dennoch bisher gelungen, die Beschäftigung weitgehend stabil zu halten. Wichtig für eine dauerhafte Stabilisierung des Arbeitsmarktes sind nun positive und nachhaltige Perspektiven für die Unternehmen. Insbesondere müssen wir etwa durch die stärkere Nutzung digitaler Möglichkeiten das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben trotz der Pandemie zügig in den Griff bekommen. 

Das klingt nach einem erfolgreichen Durchhalten. Wie beurteilen Sie dabei das Instrument der Kurzarbeit aus Sicht der Unternehmen und aus dem Blickwinkel der Arbeitnehmer?

  • Kurzarbeit wirkt nach wie vor und stabilisiert den Arbeitsmarkt, indem Beschäftigung erhalten bleibt und Arbeitslosigkeit verhindert wird. Die Kurzarbeit als Stützungsmaßnahme hat einen massiv stabilisierenden Effekt, und mit den erweiterten Hilfen für betroffene Branchen können zumindest teilweise auch deren Umsatzeinbußen abgefedert werden. Das hält den Arbeitsmarkt bislang vergleichsweise robust. Wichtig: Die Verknüpfung von Kurzarbeit mit Qualifizierung im Jahr 2021 ist ein Schwerpunktthema.

Wie groß ist der Corona-Schaden insgesamt für den Arbeitsmarkt aus regionaler Sicht, welchen Dämpfer hat das Virus der Konjunktur verpasst und welche Vermittlungshemmnisse hat es verursacht?

  • Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern war im April insgesamt regelrecht eingebrochen, hat sich aber schon im Mai gefangen und danach stabilisiert. Im Zuge des Teil-Lockdowns ging die Nachfrage im November jedoch wieder leicht zurück. Generell dürfte die Nachfrage auch weiterhin noch auf niedrigerem Niveau bleiben, denn in der derzeit wirtschaftlich angespannten Lage wechseln weniger Menschen ihren Arbeitsplatz. Diese niedrigere Fluktuation trägt neben dem geringeren Bedarf an zusätzlichem Personal dazu bei, dass weniger Stellen auf dem Arbeitsmarkt zu besetzen sind. Menschen ohne Ausbildung und geringqualifizierte Beschäftigte sind in der Regel ganz oft die „Verlierer“, wenn die Wirtschaft einbricht. Auch Ausländer haben es derzeit schwer auf dem Arbeitsmarkt. 

Welche besonderen Herausforderungen wird die pandemische Lage für den Arbeitsmarkt im Corona-Jahr 2021 aus Ihrer Sicht bringen? Befürchten Sie eine Pleitewelle? Was ist mit dem Gründungsgeschehen?

  • Nach einer ausgesprochen guten Herbstbelebung dämpfen die weltweite zweite Corona-Welle und der Lockdown die wirtschaftliche Erholung. Auch die Zahl der Kurzarbeiter wird wieder steigen. Einen neuerlichen Einbruch erwarten wir aber nicht. Dazu tragen unter anderem die Stützungsmaßnahmen für die Betriebe, ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise und die Perspektive auf einen Impfstoff bei.  Wichtig ist, dass Schulen und Kitas geöffnet bleiben bzw. so schnell wie möglich wieder öffnen, so dass Eltern weiter arbeiten gehen können. Mittelfristig werden die vor der Krise dominierenden Themen – Fachkräftesicherung, Transformation und Demografie – nach der Krise wieder in den Vordergrund rücken. 

Wie wird sich mittelfristig die Arbeit in der Agentur für Arbeit, angetrieben durch den Druck aus den Bereichen Corona und Digitalisierung, im Umgang mit den verschiedenen Kundengruppen verändern?

  • Wir halten weiterhin den terminierten Zugang für unsere Kundinnen und Kunden in unseren Häusern aufrecht. Auch eine Anlaufstelle für besonders dringende Anliegen haben wir beibehalten. Unsere Dienststellen haben wir nach den aktuellen Hygienestandards umgebaut. Persönliche Identitätsprüfungen haben wir vorerst ausgesetzt. Wir haben viel Erfahrung mit telefonischen Beratungsgesprächen gesammelt, genauso wie mit unseren E-Services. Klar ist, dass wir diese Angebote während der Pandemie als präferierte Kommunikationskanäle sehen. Sie bewähren sich gut und werden auch von Kundenseite gewünscht. Wir bauen daher auch sukzessive unsere Videokommunikation aus, um Beratungsgespräche insbesondere mit Jugendlichen und Rehabilitanden zu führen. Die Videokommunikation ist ein zusätzlicher Kanal, um die persönliche Beratung zu ergänzen, nicht zu ersetzen. Wir wissen aber auch, dass das persönliche Gespräch weiterhin in unserer Arbeit sehr wichtig bleiben wird, um mit unseren Kundinnen und Kunden in Kontakt zu bleiben, sie zu beraten und mit unseren Integrationsbemühungen wieder mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt zu bringen. 

Wie schwer werden die nächsten Monate für junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen? Wie schwer wird es für die Betriebe, Nachwuchs zu finden?

  • Erklärtes Ziel derzeit ist es, unversorgte Bewerberinnen und Bewerber zu beraten und mit Arbeitgebern zusammenzuführen, um den jungen Menschen noch einen Einstieg in das laufende Ausbildungsjahr zu ermöglichen. Die Nachvermittlung läuft zusammen mit den Partnern der Allianz für Ausbildung bis Ende Januar 2021. Wir sind weiterhin für junge Menschen da. Wir beraten telefonisch und auch via Videokommunikation. Und wir sind online präsent. Seien es Online-Tools wie „Check U“ oder Livechats auf Youtube, wir nutzen sehr verschiedene Wege, um mit jungen Menschen Kontakt aufzunehmen. Das ist wichtig, damit junge Menschen während der Pandemie nicht den Anschluss verlieren. Der Start in das nächste Ausbildungsjahr wird für alle Beteiligten ein großer Kraftakt werden. Die Agentur für Arbeit wird alles tun, um junge Menschen zu beraten und Bewerber und Arbeitgeber zusammenzuführen. Unser Arbeitgeber-Service wirbt aktiv bei Betrieben, Ausbildungskapazitäten aufrechtzuerhalten und neue oder zusätzliche Ausbildungsstellen bereitzustellen. 
Die Region trotzt Corona. Die Chefin der hiesigen Arbeitsagentur sieht den Arbeitsmarkt in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe trotz Wirtschaftkrise als robusten Ort an.
Daniela Tomczak, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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