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Trotz Lockerungen bleiben Restaurants dicht
Der Gastronomie bricht das Personal weg

Die Gastronomie-Branche leidet trotz der derzeitigen Lockerungen weiter massiv unter der Corona-Pandemie. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal. Vor allem Aushilfen und studentische Hilfskräfte haben sich umorientiert. Und mancherorts bleibt gar die Küche kalt.
  • Die Gastronomie-Branche leidet trotz der derzeitigen Lockerungen weiter massiv unter der Corona-Pandemie. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal. Vor allem Aushilfen und studentische Hilfskräfte haben sich umorientiert. Und mancherorts bleibt gar die Küche kalt.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sabe Siegen. Mit der Öffnung der Gastronomie schien ein Seufzer der Erleichterung durch die Straßen Siegens zu hallen, die Stühle der Restaurants, Cafés und Bars sind förmlich dauerbesetzt. Aber die Wiedereröffnung läuft für viele Betreiber weniger reibungslos als erwartet – denn es fehlen die Mitarbeiter. Und zwar einer ganzen Branche. „Wir suchen …“ ist wohl dieser Tage der meistgesetzte Facebook-Post heimischer Gastronomen. Das „Naschwerk“ hält Ausschau nach Eisverkäufern, das „Gartenhaus“ nach Aushilfe(n) für Service und Küche – die Liste könnte lange so weitergehen. „Egal, ob wir es sind oder andere“, sagt Janik Kiesewetter vom „Picknicker“. „Überall fehlt es an Personal.

sabe Siegen. Mit der Öffnung der Gastronomie schien ein Seufzer der Erleichterung durch die Straßen Siegens zu hallen, die Stühle der Restaurants, Cafés und Bars sind förmlich dauerbesetzt. Aber die Wiedereröffnung läuft für viele Betreiber weniger reibungslos als erwartet – denn es fehlen die Mitarbeiter. Und zwar einer ganzen Branche. „Wir suchen …“ ist wohl dieser Tage der meistgesetzte Facebook-Post heimischer Gastronomen. Das „Naschwerk“ hält Ausschau nach Eisverkäufern, das „Gartenhaus“ nach Aushilfe(n) für Service und Küche – die Liste könnte lange so weitergehen. „Egal, ob wir es sind oder andere“, sagt Janik Kiesewetter vom „Picknicker“. „Überall fehlt es an Personal.“

Aushilfen und studentische Hilfskräfte wenden sich von der Gastronomie ab

Die vielen Lockdown-Monate sind an der Gastronomiebranche nicht spurlos vorbeigegangen. Vor allem Aushilfen und studentische Hilfskräfte hätten sich umorientiert, sagt Kiesewetter, der mit seinem hippen Café in der Innenstadt weiß, wovon er spricht. Sonst Anlaufstelle für junges Publikum und Studenten – auch an der Mitarbeiterfront –, blieben jetzt die Bewerber aus. „Viele Studenten sind aus Siegen weggezogen“, sagt er. „Zum Beispiel zurück nach Hause, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten konnten.“

Jetzt rächt sich, was mit der Pandemie von der Politik nicht eingeplant wurde. So sieht es zumindest Marco Sorgi vom Hotel „Zur Altstadt“ in Freudenberg. Während Festangestellte zumindest etwas, nämlich Kurzarbeitergeld bekamen, standen Minijobber dagegen sofort vor dem Nichts. Sie seien durchs Raster der Hilfen gerasselt, findet der Gastronom. Von den fünf Aushilfen ist mittlerweile keine mehr da. „Das hat unsere liebe Politik nicht bis zum Ende gedacht.“

Restaurant "Morgenröthe" muss geschlossen bleiben

Tatsächlich stellen die Aushilfskräfte in der Gastronomie fast die Hälfte aller Beschäftigten in der Branche – an die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit getrieben, hat die Situation anscheinend viele dazu verleitet, der Branche den Rücken zu kehren. Es treibt sie in die Impfzentren, an Supermarktkassen, in die öffentliche Verwaltung – hier lässt sich im Zweifel mehr Geld verdienen, die Arbeitszeiten sind geregelt, man hat vielleicht wieder frei, wenn alle anderen auch frei haben. Warum also zurückkehren?
Auch Guido Kroh hat Leute verloren. Und zwar gleich sein gesamtes Küchen- und Service-Team. „Personalbedingt können wir unser Restaurant bis auf Weiteres nicht öffnen“, so steht es auf der Internetseite des Restaurants „Morgenröthe“. Fünf von fünf Festangestellten sind weg – „alles Leute, die lange bei uns waren“.

Die 450-Euro-Kräfte seien schon beim ersten Lockdown gegangen. Und alle ehemaligen Mitarbeiter, sagt der Betreiber, hätten sich Jobs außerhalb der Branche gesucht. „Ich denke, dass durch die Pandemie auch viele gesehen haben, wie schön so ein Wochenende zu Hause sein kann“, meint Kroh mit Blick auf die schwierigen Gastro-Arbeitszeiten.

Der Gastronomie liegen kaum Bewerbungen vor

Einen deutlichen Rückgang des Personals hat auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) festgestellt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe schrumpfte im November vorigen Jahres erstmalig seit 2017 auf weniger als eine Million. Im Februar diesen Jahres sank die Zahl sogar auf nur noch 946.200 – 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Renate Dölling vom Gaststättenverband schätzt, dass mit Corona etwa 10 bis 15 Prozent der Mitarbeiter abgewandert sind.

Ob die Zukunft Besseres bringt? Guido Kroh zumindest bleibt gezwungenermaßen pessimistisch. Bewerbungen gibt es jedenfalls momentan keine. „Es klingelt ja nicht mal das Telefon.“ Also bleibt das Restaurant trotz Lockdown-Lockerungen geschlossen. Wann er seine „Morgenröthe“ wieder im Normalbetrieb öffnen kann, steht in den Sternen.
Kroh, gelernter Koch, organisiert so lange mit seiner Frau, gelernte Hotelfachfrau, das, was möglich und mit vier Händen zu schaffen ist. 75 Sitzplätze im Restaurant als Duo zu bedienen, fällt dabei zwar aus, aber zumindest Catering-Service können sie anbieten.
Trotzdem: So, sagt er, habe er sich das mit seinen bald 60 Jahren sicherlich nicht vorgestellt.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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